Projektplaner aus Rostock : Bockkranriese auf der Oderinsel

Der riesige Kran beim Aufbau auf der Oderinsel vor Stettin
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Der riesige Kran beim Aufbau auf der Oderinsel vor Stettin

Der Rostocker Andreas Hallier war bei Bau, Verladung, Verschiffung und Montage in Vlissingen und Stettin dabei.

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16. März 2016, 12:00 Uhr

Der heimische Sachverständige Andreas Hallier (51) kann sich über Mangel an Aufträgen nicht beklagen. Seeverschleppungen großer Rohre, so genannter Monopiles vom Rostocker EEW-Werk, für einen belgischen Windpark gehören ebenso zu den aktuellen Aufgaben wie operative Funktionen für die Werft Nordic Yards beim Netzanbindungsprojekt „Dolwin“ sowie diverse Schwerguttransporte.

Beim Rostocker Nautischen Verein berichtete er allerdings über eine andere besondere Herausforderung, die ihn im vergangenen Jahr wiederholt nach Vlissingen und Stettin führte – der Bau, Seetransport und die Errichtung von Europas höchstem Bockkran der Bilfinger Mars Offshore.

126 Meter ragt dieser Kranriese auf der Oderinsel vor Stettin empor. Seine Hubhöhe beträgt 100 Meter und – fahrbar auf 400 Meter langen Schienen – überspannt er ein Hafenbecken von 45 Meter Breite. Insgesamt 1400 Tonnen kann dieser Goliath stemmen, jeweils 350 Tonnen an vier unabhängige Haken nehmen.

Der Neubau für das Gemeinschaftsunternehmen Bilfinger AG und den polnischen Staatsfonds Mars ist bestimmt für den Bau von Offshore-Strukturen, so genannter Jackets und Transition Pieces, und wird insbesondere der Verladung und Verschiffung dieser Fundamente und Verbindungselemente mächtiger Windkraftanlagen dienen. Hersteller ist die holländische Kranbaufirma Baf van Haagen.

Die Vorfertigung erfolgte bei Heerle zwischen Vlissingen und Rotterdam, Zusammenbau und Endkonservierung im Hafen von Vlissingen. Der Rostocker Sachverständige war bei Stahlbau-, Konservierungs- und sonstigen Teilabnahmen ebenso beteiligt wie bei der Vorbereitung für den Transport. Vertrag, Lade- und Zeitplan tragen seine Handschrift mit. Mitte Oktober konnten die Bauteile schließlich in Vlissingen auf das Schwergutschiff „Combidock 3“ verladen werden und die Überführung nach Polen beginnen. Auf der Werft in Stettin wurden die schwergewichtigen Teile vom Selbstentlader gehievt, begann Ende Oktober der Aufbau des Kranriesen, der Mitte Januar abgeschlossen wurde.

Beim Nautischen Verein veranschaulichte Hallier mit Fotos vom Laden und Entladen sowie von der Montage des Kolosses diesen Prozess und machte die Größe der Aufgaben, die er mit seinem Team betreute, deutlich. Die Oderinsel vor Stettin hat ein neues Wahrzeichen, das Unternehmen Bilfinger Mars Offshore kann von hier beim Bau von Offshore-Projekten auf gewachsene Leistungskraft verweisen.

Der heimische Sachverständige leistete mit seiner Fachkenntnis dazu seinen Beitrag. Der gebürtige Rostocker hat einst auf der Warnow-Werft gelernt, an der Warnemünder Hochschule für Seefahrt Schiffbautechnologie studiert und die Werft wurde nach weltweiten Einsätzen auch später sein Tätigkeitsfeld, so beispielsweise als Projektingenieur beim Bau der Bohrinsel „Stena Don“. Seit 2002 ist er selbstständig und einer der rund 15 Mitglieder des Verbandes Mecklenburg-Vorpommerscher Sachverständiger. Zum Tätigkeitsfeld gehören unter anderem Ladungs- und Schadensinspektionen, Analysen von Material- und Korrosionsschäden, Taucheruntersuchungen und Wertgutachten. Auch die Wiedergeburt des alten Schwimmkrans „Langer Heinrich“ steht auf seiner Visitenkarte.

Mit den wachsenden Aufgaben hat er ein Büro im Rostocker Fischereihafen eingerichtet und sein Team durch neue Leute wie Melanie Frödrich und den Masterstudenten Thorsten Neumann verstärkt.

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