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19. November 2017 | 11:42 Uhr

Interview : Bockhahn wird heute Senator in Rostock

vom

Zehn Monate nach der Wahl tritt Steffen Bockhahn seinen Dienst im Rathaus an.

svz.de von
erstellt am 14.Jan.2015 | 06:00 Uhr

Steffen Bockhahn (Linke) erhält heute im Rathaus seine Ernennunsgurkunde als Senator für Jugend, Soziales, Gesundheit, Schule und Sport. Im Gespräch mit Redakteur Torben Hinz verrät er, wie er die lange Wartezeit überstanden hat und was er jetzt für Rostock plant.

 

Bis zur Bundestagswahlschlappe 2013 schien Ihre Karriere nur bergauf zu gehen. Dann kam noch der verfehlte Neustart als Senator. Was haben Sie aus diesen Rückschlägen gelernt?

Bockhahn: Ich bin in den anderthalb Jahren unfreiwillig zur Ruhe gekommen und habe über dieses und jenes nachgedacht. Es war keine schöne Zeit, das ist unbestritten. Allerdings habe ich nicht vor, jetzt die vergangenen anderthalb Jahre auszuwerten. Ich denke an die Zukunft.

Trotzdem die Frage: Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?

Es klingt trivial, aber tatsächlich habe ich vorwiegend gewartet. Im November 2013 habe ich meine alte Leidenschaft aktiviert und nach 23 Jahren Pause  wieder angefangen, Handball in der vierten Mannschaft des HC Empor zu spielen. So langsam wird es wieder, die ersten Punktspiele habe ich hinter mir, die ersten Tore geworfen. Das hat geholfen.

Haben Sie in den zehn Monaten seit Ihrer Wahl daran gedacht, hinzuschmeißen?

Ab und an ist das sicherlich ein diffuser Gedanke gewesen. Auf der anderen Seite habe ich mich entschieden, diese Herausforderung anzunehmen. Ich bin auch nicht derjenige, der wegläuft. Ich weiß, dass es alles nicht einfach wird, aber wenn ich und viele in meinem Umfeld mir das nicht zutrauen würden, dann hätte ich nicht Ja gesagt.

Ist der Konflikt mit dem Oberbürgermeister jetzt ausgestanden? Er hatte sich lange gegen Ihre Ernennung gewehrt...

Der Widerspruch  des Oberbürgermeisters vom 18. März ist zurückgezogen. Ansonsten gilt für mich, dass mit heute eine neue Phase der Zusammenarbeit zwischen Roland Methling und mir beginnt. Der Zähler wird auf Null gestellt. Ich bin immer an einer guten Zusammenarbeit interessiert und habe keinen Grund zu der Annahme, dass es dem Oberbürgermeister anders geht.

Ihr Senatsbereich war seit dem Wechsel von Liane Melzer nach Hamburg kopflos. Sie haben selbst gesagt, es sei eine Menge liegen geblieben. Was denn genau?

 Das möchte ich nicht zuerst in der Zeitung diskutieren. Das Erste, was ansteht, ist, sich mit den Mitarbeitern zusammenzusetzen, insbesondere den Amtsleitern, und ihnen zuzuhören. Natürlich habe ich meine Vorstellungen und Ideen, aber die Fachleute sitzen nicht ohne Grund in der Verwaltung.

Rostocks Schuldenberg ist hoch. Wie wollen Sie auch vor dem Hintergrund des Drucks aus Schwerin Ihre Vorstellungen umsetzen?

Fakt ist, dass die Hansestadt im Vergleich zu anderen Kommunen in MV höhere Sozialausgaben hat. Fakt ist aber auch, dass die Bevölkerungsstruktur in Rostock etwas anders ist. Wir haben an der Stelle gar nicht die Möglichkeit, Geld zu sparen. Die Leistungen hat Rostock per Gesetz zu erbringen, Punkt. Nirgendwo in MV und nur in wenigen anderen Orten deutschlandweit gibt es eine höhere Inanspruchnahme von Kindergarten- und Krippenplätzen. Das ist innen- und sozialpolitisch eine ganz wunderbare Geschichte, aber es hat natürlich unglaublich hohe Kosten zur Folge. Natürlich werden wir gucken, wo wir die Leistungen preiswerter, aber nicht schlechter erbringen können. Ich glaube, dass wir im Controlling im Jugend- und Sozialbereich durchaus Nachholbedarf haben.

Schon bei Ihrer Bewerbung haben Sie gesagt, der Amtsbereich sei zu groß. Was wollen Sie an einen vierten Senator abtreten?

Das ist eine Entscheidung der Bürgerschaft. Es gibt aus meiner Sicht fachliche Gründe, Jugend, Soziales, Schule und Sport nicht auseinanderzureißen. Letztlich ist das aber nur ein Wunsch, den ich äußern kann.

Befürworten Sie als Sportsenator eine Olympia-Bewerbung?

Die Bürgerschaft hat entschieden – und der Oberbürgermeister stützt diesen Kurs –, dass über dieses Thema die Bürger entscheiden sollen. Ich glaube, das ist richtig. Über Vor- und Nachteile und Verzicht, den man an anderer Stelle üben müsste, werden wir die Bürger genau informieren.

Pegida: Viele suchen Erklärungen in sozialen Ängsten. Sie sind jetzt Sozialsenator – was erwidern Sie darauf?

Abstiegs- und Verlustängste führen bei Menschen zu Reaktionen, die nicht mehr durchgehend rational sind. Das Sozialsystem in Deutschland war zweifelsfrei schon besser. Aber: Angst zu haben, ist noch lange kein Grund, nach unten zu treten.

Im September haben Sie selbst demonstriert, damals gegen Nato-Schiffe. Würden Sie auch als Senator in den Stadthafen ziehen?

Das ganze ist eine Posse. Es ist nichts anderes passiert, als dass Menschen von ihrem grundgesetzlich verbrieften Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht haben. Ich habe nicht vor, mich in meinen Rechten einschränken zu lassen.

Ausblick zur Landtagswahl 2016 und Oberbürgermeisterwahl 2019: Dient das neue Amt als Sprungbrett?

Die Landespolitik kann ich absolut ausschließen. Und 2019 ist noch lange hin. Ich habe jetzt erstmal viel damit zu tun, mich in dieses Amt einzuarbeiten und da zu überzeugen.

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