Rostocker Hochschule für Musik und Theater : Blinde haben ein Gespür für Musik

<strong>Der fast blinde achtjährige Mario </strong>spielt in der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neukloster  mit Musiklehrerin Claudia Geist gemeinsam auf einer Gitarre.
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Der fast blinde achtjährige Mario spielt in der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neukloster mit Musiklehrerin Claudia Geist gemeinsam auf einer Gitarre.

Blinde oder sehbehinderte Kinder sind zu bemerkenswerten musischen und künstlerischen Leistungen fähig. In der Rostocker Hochschule für Musik und Theater läuft am Wochenende eine Fachtagung zur musikalischen Entfaltung.

svz.de von
11. Januar 2013, 06:15 Uhr

Musiker, die trotz ihrer Blindheit erfolgreich sind, sind gut bekannt: Ray Charles, Andrea Botticelli oder Stevie Wonder. Sie brauchten aber eine besondere Förderung. Pädagogen fordern dies für alle blinden Kinder. Denn blinde oder sehbehinderte Kinder sind nach Ansicht eines Experten zu bemerkenswerten musischen und künstlerischen Leistungen fähig. "Sie können den fehlenden Sinn in erstaunlicher Weise durch andere Sinne wie etwa Tasten kompensieren", sagte der Rostocker Musikpädagoge Magnus Gaul. In der Rostocker Hochschule für Musik und Theater läuft am Wochenende die Fachtagung "Musikalische Entfaltung und Musikalität bei Sehbehinderten und Blinden".

Die Erfahrung zeige, dass Blinden - etwa im Musikstudium - ihre Behinderung gar nicht anzumerken ist. In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 9000 blinde Menschen oder solche mit starker Sehbehinderung, die Zahl der betroffenen Kinder ist nicht bekannt. "Blinde Kinder sind nur eine kleine Gruppe, sie haben aber wie alle anderen Kinder ein Grundrecht auf musikalische und ästhetische Bildung", betonte Gaul.

Bei vielen blinden Kindern sei zu beobachten, dass sie nicht nur die gleiche musische Begabung entwickeln, sondern diese oft sogar noch stärker ausgeprägt ist. "Sie bilden von frühester Kindheit an ihren Gehörsinn besonders gut aus", sagt Gaul. Somit seien sie in der Lage, besser räumlich zu hören und gehen auch bewusster mit solchen Erfahrungen um. Dies zeigten die Beispiele genialer Künstler wie Ray Charles, Andrea Botticelli oder Stevie Wonder.

Ein weiterer Grund für diese Fähigkeiten könne darin liegen, dass sie deutlich weniger der Informationsflut durch optische Reize ausgesetzt sind als gleichaltrige Kinder mit Sehsinn. "In der normalen Welt werden 80 Prozent der Information über das Sehen vermittelt, während der Gehörsinn oft nur rudimentär aktiviert wird."

Experten seien sich nicht einig, wo diese Kinder die beste Förderung erhalten, bemerkte Gaul. Eine Fraktion sei der Meinung, dass blinde Kinder unbedingt in den regulären Schulunterricht integriert werden müssen. Kinder in Förderzentren würden vom realen Leben ferngehalten, was den weiteren Lebensweg nur unnötig erschwere.

Andere wiederum meinen, dass die Kinder in Förderzentren, die über spezielle Materialien wie Lesegeräte verfügen, am besten aufgehoben sind. Denn es müsse auch beachtet werden, dass gerade bei Blinden und Sehbehinderten Mehrfachbehinderungen auftreten können. Sehstörungen seien oft die Folge von Sauerstoffarmut bei der Geburt oder bei Frühgeburten.

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