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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. November 2017 | 09:01 Uhr

Bleibt Mario B. für immer in Haft?

vom

Im Prozess um die Entführung und Vergewaltigung der damals 17-jährigen Rebecca ist das Opfer persönlich vor dem Rostocker Landgericht erschienen. Das Gericht lud das Mädchen in die nicht öffentliche Verhandlung.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2013 | 07:48 Uhr

Rostock | Im Prozess um die Entführung und Vergewaltigung der damals 17-jährigen Rebecca aus Rostock ist das Opfer gestern erstmals persönlich vor dem Rostocker Landgericht erschienen. Das Gericht lud das Mädchen in die nicht öffentliche Verhandlung. Es sei um "ein paar kurze, ergänzende Fragen" zu seinen bisherigen Aussagen gegangen, erklärte ein Gerichtssprecher. Zum Inhalt machte er keine Angaben. Zuvor hatte das Gericht unter Hinweis auf die Privatsphäre des minderjährigen Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit das etwa zweistündige Video von Rebeccas polizeilicher Vernehmung unmittelbar nach der Flucht aus der Wohnung ihres Peinigers abspielen lassen.

Der Angeklagte hatte am ersten Prozesstag die Tat gestanden. Der 28-Jährige soll das Mädchen im Oktober vergangenen Jahres nach einem Discobesuch vergewaltigt, in seine Wohnung verschleppt, dort festgehalten und mehrfach missbraucht haben. Nach viertägigem Martyrium war Rebecca die Flucht gelungen.

Seine Mandantin habe die Befragung vor Gericht gut überstanden und auch die Begegnung mit dem Angeklagten Mario B. ruhig und gefasst hingenommen, sagte Anwalt Jens Kasch am Ende des zweiten Verhandlungstages. Rebecca finde starken Rückhalt in ihrer Familie und bei Freunden. Zudem sei sie psychologisch betreut worden und wolle die Therapie nach einer Ruhephase fortsetzen.

Ein Rechtsmediziner beschrieb die Verletzungen des Mädchens, die von Ärztinnen in der Rostocker Frauenklinik behandelt und dokumentiert worden waren. Er machte damit die Schwere der erlittenen Misshandlungen deutlich. So sei das Nasenbein gebrochen gewesen. Eine klaffende Schnittwunde an der linken Hand wertete der Arzt als Folge einer Abwehrreaktion. Zudem habe es Fesselspuren an den Fußgelenken, Kratzer und blaue Flecken am ganzen Körper sowie eindeutige Anzeichen für Vergewaltigungen gegeben. Rebecca habe auch unter erheblichem Blutverlust und Flüssigkeitsmangel gelitten. Das könne zu mehrfacher Bewusstlosigkeit und Erinnerungslücken geführt haben. Den Bruch eines Brustwirbels führte der Mediziner auf den Sprung aus dem Fenster zurück, durch den Rebecca entkommen war.

Wie eine gute Freundin Rebeccas vor Gericht aussagte, geht diese wieder zur Schule, wirke fröhlich und normal. Sie habe den Eindruck, dass es Rebecca wieder gut gehe, habe aber kaum mit ihr über das Erlebte gesprochen, auch aus eigener Unsicherheit, wie sie damit umgehen solle.

Ein heute 20-jähriger Freund Rebeccas schilderte die Tatnacht aus seiner Sicht. Demnach hatte ihn das Mädchen nach dem Verlassen einer Bar im Rostocker Stadthafen gegen 2 Uhr angerufen und ihm sein Kommen mit dem Bus angekündigt. Als Rebecca jedoch nicht erschien und er mehrfach vergeblich versucht habe, sie telefonisch zu erreichen, sei er schließlich davon ausgegangen, dass sie doch zu sich nach Hause und schlafen gegangen sei.

Ein 45-jähriger Autohändler beschrieb, wie er Rebecca kurz nach deren Flucht blutverschmiert, nur in eine Decke gehüllt und völlig verstört gefunden und in seinem Wagen mitgenommen hatte. Er hatte das Mädchen an zwei Streifenpolizisten übergeben. Die Polizei hatte zuvor mit einem Großaufgebot vergeblich nach ihr gesucht.

Mario B., der schon als Jugendlicher wegen eines Sexualdelikts verurteilt wurde, war erst 2011 aus der Haft entlassen worden und stand zur Tatzeit unter Führungsaufsicht. Das Gericht, das zunächst noch zwei Verhandlungstage anberaumt hat, muss am Ende auch darüber entscheiden, ob von Mario B. Wiederholungstaten zu erwarten sind und er deshalb nach Verbüßen einer Haftstrafe in Sicherungsverwahrung genommen werden soll.

 

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