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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. Oktober 2017 | 23:14 Uhr

Rostock : Bleibt Hochschule erhalten?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

HMT Rostock fürchtet um Eigenständigkeit / Landesrechnungshof will Anschluss an Universität

Nach einem Vorschlag von Landesrechnungshofpräsident Tilmann Schweisfurth fürchtet die Leitung der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Rostock um die Eigenständigkeit – und damit indirekt um ihren Bestand.

Schweisfurth hatte Ende Dezember infrage gestellt, dass eine kleine Hochschule wie die HMT sich noch allein verwaltet. Eine gemeinsame Verwaltung durch die Universität Rostock aber bedrohe die Autonomie der HMT zum Nachteil der Studenten und des Lehrpersonals, sagte HMT-Rektorin Susanne Winnacker gegenüber unserer Zeitung.

„Wenn Sie einen Tanker und ein Segelboot zusammenbinden, werden beide weder effizienter noch schneller“, zitiert die Hochschul-Chefin den Rektor der Universität Rostock, Wolfgang Schareck. Ihre Studierenden würden sehr individuell unterrichtet und betreut. Das sei an einer künstlerischen Hochschule auch gar nicht anders denkbar. Die einzelnen Schritte der Ausbildung würden, so Winnacker, nicht nur mit den Professoren und Lehrbeauftragen geplant, sondern auch von den wenigen Mitarbeitern der Kernverwaltung. Das sei nicht mehr möglich, wenn die HMT von der Uni verwaltet würde. Wer die eigenständige Verwaltung der HMT infrage stelle, greife in die Hochschulautonomie ein und schaffe die Hochschule damit de facto ab. Zudem würden renommierte Hochschullehrer wahrscheinlich davon Abstand nehmen, an die HMT zu kommen, wenn diese lediglich ein Fachbereich der Universität wäre.

An der HMT werden derzeit 458 Studenten zu Schauspielern, Musikern oder Musiklehrern ausgebildet. Sie werden von 36 hauptamtlichen  Professoren  und 243 Lehrbeauftragten unterrichtet, wovon viele nur einen Teilzeitjob an der HMT haben. 21 Mitarbeiter sind in der Verwaltung und der Technik beschäftigt.

Winnacker vermutet, dass der Landesrechnungshofpräsident nicht vollkommen unabhängig auf den Vorschlag gekommen ist, die Eigenständigkeit der HMT anzuzweifeln. Ähnliche Äußerungen habe sie bereits häufiger aus den Reihen der SPD gehört.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will denn auch angesichts steigender Personalkosten den Vorschlag des LRH-Präsidenten „vorurteilsfrei diskutieren“. Im Personalwesen, bei Bauvorhaben, bei der Beschaffung von alltäglichen und dauerhaften Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen könne es sinnvoll sein, dies von einer gemeinsamen Verwaltung erledigen zu lassen. „Am Ende sehen wir, ob und wie man zu einem Ergebnis kommt.“ Das müsse „gemeinsam besprochen“ werden und werde nicht „von heute auf morgen“ passieren. Er sei dafür, das zur Verfügung stehende Geld lieber „für Musik und Theater“ auszugeben, als für die Verwaltung einer Hochschule.

Universität-Rektor Schareck hielt sich mit einer eindeutigen Position gegenüber unserer Zeitung zurück. „Von Seiten der Universität Rostock gibt es keine Überlegungen einer Zusammenlegung der Verwaltung beider Hochschulen.

So unterschiedlich und spezifisch die Profile und Aufgaben sind, so ausgezeichnet ist die Zusammenarbeit in der Lehrerausbildung und bei akademischen Veranstaltungen.“  

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