Maritim : Blasmusik begrüßt Kreuzliner

Das Blasorchester der Hansestadt begrüßt im Juni 1993 im Seehafen die ersten großen Kreuzliner – hier die 48 629 BRZ große „Crystal Harmony“ mit Touristen aus den USA.
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Das Blasorchester der Hansestadt begrüßt im Juni 1993 im Seehafen die ersten großen Kreuzliner – hier die 48 629 BRZ große „Crystal Harmony“ mit Touristen aus den USA.

Die Ära eines Musikkorps der Marine / Vor 25 Jahren kam das Aus und auch ein Neuanfang als Orchester der Hansestadt

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23. September 2015, 10:00 Uhr

Musikalisch wurden  Anfang der 1990er-Jahre die ersten Passagierschiffe  in Rostock mit Touristen aus der westlichen  Welt begrüßt, die nach der Wiedervereinigung neugierig einen Blick in den Osten  werfen wollten.  Was 1990 noch verhalten mit drei Schiffen und knapp  1000 Gästen begann, wuchs drei Jahre später bereits mit 45 Anläufen und 35 000 Passagieren  zu einem neuen touristischen Geschäftsfeld Rostocks. Das Blasorchester der Hansestadt unter Regie von Walter Hoffmann spielte so auch auf, als am 7. Juni 1993 mit der „Statendam“ und der „Chrystal Harmony“ die ersten Kreuzfahrtriesen in Rostock festmachten.

Das Orchester trug  mit seinen klingenden Grüßen seinerzeit auf seine Weise dazu bei, dass sich die Hansestadt an der Warnow als guter Gastgeber empfahl. Für die Musiker war das wiederum eine  Möglichkeit, ihr Können zu beweisen.  Sie hatten sich als Verein zusammengetan, nachdem das Stabsmusikkorps der Volksmarine aufgelöst wurde und  am 15. Juli 1990 in Warnemünde bei einem gemeinsamen Konzert mit dem Musikkorps der Bundesmarine  seinen letzten großen Auftritt hatte.

Mit dem Ende der Volksmarine endete auch die Ära ihres Musikkorps und für deren Mitglieder begann in den neuen Strukturen ein neuer Abschnitt ihrer Tätigkeit als Musiker.  Einige waren vom Heeresmusikkorps Neubrandenburg übernommen worden, andere formierten sich unter Leitung von Walter Hoffmann, dem  einstigen Chef des Stabsmusikkorps, zum  Blasorchester der Hansestadt Rostock. Bei vielen  Veranstaltungen gab es in den vergangenen Jahren  seine Visitenkarte ab – vom  Empfang der Kreuzliner bis zum Treffen der Hochseefischer, wo uns Reinhard Kühnemann erst unlängst  im Gespräch auf die Vorgeschichte dieses Vereins neugierig machte.

Sie begann mit einem Musikzug der Seepolizei anno 1950, berichtet der heute 86-jährige Walter Hoffmann.  Die Musikformation  bestreitet 1954 ihr erstes Hafenkonzert, macht Studioaufnahmen im Rundfunk, wird mit der Gründung der NVA 1956 zum Orchester der Seestreitkräfte und schließlich 1961 zum Musikkorps der Volksmarine.

So  geht  es  zur  Indienststellung des Urlauberschiffs „Fritz Heckert“  musikalisch mit einer eigens komponierten Rhapsodie auf große Fahrt. Paraden  und Flottenbesuche werden umrahmt, international Flagge gezeigt. 1974 übernimmt Walter Hoffmann die Stabsführung des Korps und somit einer Formation  von mehr als 50 Musikern, die aber auch in verschiedenen Gruppierungen – sei es als Bläsergruppe „Bordmusikanten“ bis hin zur Bigband – auftreten. 

Der gebürtige Thüringer aus  einem Dorf bei Nordhausen, wo die Eltern eine Gastwirtschaft betrieben, ist früh an die Musik herangeführt worden. Als fünf- und sechsjähriger Knips erhält er Klavierunterricht.  Schon während  der Ausbildung zum Industriekaufmann bereitet er sich im  Konservatorium Sondershausen auf das Hochschulstudium an der Musikhochschule  „Franz Liszt“ in Weimar vor, erhält in Leipzig in der Klasse von Prof. Hermann Abendroth seine Ausbildung zum Dirigenten und Kapellmeister. 

Er wirkt als Orchesterleiter und Musikredakteur, kommt 1959 bis 1961 und dann 1970  zur Marine, wo er mit Unterbrechung einer Tätigkeit im Kulturministerium 1974  die Nachfolge vom zuvor langjährigen Leiter Ludwig Schmidt antritt.

Er wird zum Musikdirektor  ernannt, gestaltet vielfältige Auftritte mit. So ist er  mit seiner Crew allein bei 27 Paraden in Berlin dabei. Militärkonzerte, unter anderem  im Rostocker Ostseestadion,  stehen ebenso auf dem Programm wie Kurkonzerte in den Badeorten  oder Rundfunk- und Fernsehsendungen wie „Musik und Snacks vorm Hafen“ oder  „Klock acht“ in der Hafenbar.  

Nachhaltig ist ihm sein fünfmonatiger Aufenthalt 1979 in Vietnam in Erinnerung, wo er in Hanoi dem  vietnamesischen Orchester der Volksarmee klassische Musik  von Bach, Mozart und Beethoven nahe bringt.

Schon einige Wochen  vor dem gemeinsam mit dem Musikkorps der Bundesmarine vor 25 Jahren durchgeführten Konzert in Warnemünde  wird  Hoffmann im Alter von  61 Jahren in den Ruhestand geschickt, in Ehren entlassen, wie es hieß.  Noch bis zu seinem 75. Geburtstag führt  er aber  als musikalischer Leiter die bis zu 40 Mitglieder des Blasorchesters der Hansestadt zu vielen interessanten Auftritten.  Als rüstiger Pensionär greift er noch heute regelmäßig in die Tasten seines Klaviers der Marke Geyer aus Eisenberg  – „seinerzeit mein Trabant“, wie er schmunzelnd rückblickend anmerkt. 

Dass so viele Kreuzliner inzwischen die Kais in Rostock und Warnemünde ansteuern – in diesem Jahr immerhin zu  rund 180 Anläufen – freut ihn und auch, dass das mit einigen Bordpartys auch weiterhin musikalisch umrahmt wird.
 

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