Deutsch-Bestnoten für Rostocker Weihnachtsmarkt : Bitte eine Tüte Weihnachtsdeutsch

Korrekt, aber komisch: Bei dieser Bude gewinnt jeder Zug.
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Korrekt, aber komisch: Bei dieser Bude gewinnt jeder Zug.

Deutsche Sprache, schwere Sprache? Der Rostocker Weihnachtsmarkt zumindest bekommt in puncto Rechtschreibung und Grammatik Bestnoten. Dies Zeugnis stellt Professor Dieter Rasch aus.

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14. Dezember 2010, 07:30 Uhr

Stadtmitte | Deutsche Sprache, schwere Sprache. Oder doch nicht? Der Rostocker Weihnachtsmarkt zumindest bekommt in puncto Rechtschreibung und Grammatik Bestnoten. Dies Zeugnis stellt den Händlern und Schaustellern Professor Dieter Rasch aus. Er ist Mitglied des Vereins Deutsche Sprache. Hier leitet er die Region 18 - also die Gegenden, deren Postleitzahl mit einer 18 beginnt. Und eins kann Rasch gar nicht leiden: Denglisch. Diesen Mischmasch aus Deutsch und Englisch, wie er vor allem in der Sprache der Werbung immer wieder gern verwendet wird.

Auf dem Adventsmarkt der Hansestadt, wo gebrannte Mandeln, kandierte Äpfel und heißer Punsch feilgeboten werden, stößt der Sprachkritiker jedoch eher selten auf solch verbales Kuddelmuddel. Obwohl die Händler auch hier um Kunden werben: kaum Denglisch. Rasch wundert das nicht. Er erklärt, warum die Buden größtenteils vorbildlich ihre Muttersprache pflegen: "In Bereichen, die an das Volkstümliche grenzen, bleiben die Händler eher bei der deutschen Sprache." So auch auf Norddeutschland größtem Volksfest in der Vorweihnachtszeit. Den Budeninhabern spricht der Sprachexperte ein großes Lob aus: "Man kann es beinahe nicht besser machen."

Ein freundlicher Hinweis muss manchmal sein

Nur hier und da gibt es kleine Verstöße gegen die Richtlinien der deutschen Sprache. So hat der Inhaber der Glühweinbude am KTC seinem Geschäft den Namen "Karpinskis Glühweinhütte" gegeben. Das Apostroph soll hier ausdrücken: Die Hütte gehört Karpinski. Doch leider hat sich der Besitzer hier zu sehr am Englischen orientiert. Im Deutschen wird das Genitiv-S nämlich einfach an das Grundwort angehängt, ohne Apostroph. Vom "Deppen-Apostroph" spricht Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache, in diesem Fall. Rasch mag diesen Begriff jedoch nicht: "Das finde ich doch ein wenig zu drastisch." Überhaupt, findet er, solle niemand schulmeisterlich den richtigen Gebrauch der deutschen Sprache einfordern. Vielmehr ist es seine Devise, freundlich auf Fehler hinzuweisen und vor allem mit gutem Vorbild voranzugehen.

Auf den Lebkuchenherzen des Rostocker Weihnachtsmarktes sucht der Liebhaber der deutschen Sprache allerdings lange nach einem Rechtschreibfehler. Vorbildlich. Ein paar hundert Meter weiter stößt Rasch auf einen besonders groben Verstoß gegen sein Sprachgefühl. "Merry X-Mas" steht da in einem Schaufenster. Bei solchen Wortneuschöpfungen kann Rasch nur den Kopf schütteln. Wenn er sich besonders über einen solchen Werbespruch ärgert, geht Rasch auch schon mal in das Geschäft und spricht einen der Angestellten darauf an. "Manche reagieren dann richtig trotzig", sagt Rasch. Andere wiederum berufen sich auf den Chef, der das eben so entschieden hätte. "In vielen Fällen handelt es sich auch um Filialen, die den Vorgaben der Handelskette folgen müssen", so Rasch.

Dabei gibt es bereits ganze Wörterbücher, die dabei helfen sollen, unnützen Anglizismen zu Leibe zu rücken. Coffee Shop ist für Rasch so ein Beispiel. Lieber ginge er in ein Kaffeehaus. "Aber das klingt eben nicht so modern."

Der Verein: Deutsche Sprache
Prof. Dieter Rasch ist Mitglied im Verein Deutsche Sprache. Bundesweit gibt es mehr als 30 000 Mitglieder, in der Region 18 sind es etwa 35. Alle vier bis sechs Wochen treffen sich die Mitglieder, tauschen Erfahrungen aus und besprechen die nächsten Aktionen. Ein großes Ziel des Vereins ist es, Deutsch im Grundgesetz als Sprache der Bundesrepublik zu verankern. Im Gegensatz zu den Verfassungen vieler anderer Länder sagt das deutsche Gesetz nämlich nichts über die Landessprache aus. Um das zu ändern hat der Verein Anfang Dezember eine öffentliche Petition beim Bundestag eingereicht.
Im Internet: www.vds-ev.de

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