Öko-Siedlung in Huckstorf : „Bis zur Größe Huhn ist alles okay“

Vor dem Haus von Klaus Bull und seiner Familie steht ein großer Apfelbaum. Hagel zerstörte in diesem Jahr die Ernte.
Vor dem Haus von Klaus Bull und seiner Familie steht ein großer Apfelbaum. Hagel zerstörte in diesem Jahr die Ernte.

Der Natur ganz nah: Uniprofessor Klaus Bull lebt als Individuum in einer gemeinschaftlich geführten Öko-Siedlung

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29. August 2016, 12:00 Uhr

„Vorsicht Stechgefahr!“ Das Schild am Eingang zur ökologischen Wohnsiedlung in Huckstorf warnt die Besucher: „Hier leben Bienen!“

Eine kleine Schotterstraße führt zu Haus 24. Hier wohnt Klaus Bull mit seiner Familie. Unter dem großen Apfelbaum im Vorgarten liegt Fallobst. Wein rankt am Wintergarten. Eine Steintreppe schlängelt sich zwischen wild wachsenden Blumen den Hang hinauf. Zäune gibt es hier keine. Klaus Bull wartet bereits. Er trägt ein Iron Maidon Shirt. Der Theologe der Universität Rostock hat gerade ein Sabbatjahr eingelegt.

Im Hausflur hängt eine Lederjacken-Sammlung. Er sei eben ein Metaler, sagt Bull – und ein Fan von Bio. Mitte der 90er-Jahre entschieden sich er und seine Frau für das Leben in der Öko-Gemeinschaft. „Die Geschichte der Siedlung beginnt schon etwas früher. Die Vision hatten vier Familien Anfang der 90er-Jahre. Dazu gehörte auch der Architekt Gerd Vogt, der sich bereits zu DDR-Zeiten für ökologisches Bauen interessierte“, erinnert sich Bull. Ökologisches Bauen hieße in diesem Fall, möglichst umweltfreundliche Stoffe zu verwenden, die Sonne aktiv und passiv zu nutzen und die Häuser energiesparend zu errichten. „Als zweiten Aspekt wollte man etwas Gemeinschaftliches machen, aber nicht im Stil einer 68er-Kommune. Die individuellen Wünsche jedes Einzelnen sollten berücksichtigt werden“, erklärt Bull. Zuletzt hätten die Visionäre darauf Wert gelegt, generationsübergreifend zu bauen. „Vom Vierjährigen bis zum Über 80-Jährigen fühlen sich hier heute alle wohl“, sagt Bull. Um die Sonne effizient nutzen zu können, sei ein Platz am Hang gesucht worden. Eine Gemeinde zu finden, die dieses ungewöhnliche Wohnprojekt zuließ, sei schwierig gewesen: „Der Plan entstand in einer Phase, in der ökologisches Bauen innovativ und experimentell war “, weiß Bull. „Auch wir wussten wenig darüber und mussten Erfahrungen sammeln.“

Mittlerweile stehen 17 Häuser in der Wohnsiedlung, die früher Ackerland war. Für 24 Wohneinheiten ist insgesamt Platz. Den letzten Neuzugang gab es vor fünf Jahren. „Es gibt Interessenten, aber viele schreckt der Preis ab. Im laufenden Betrieb ist das Öko-Haus günstiger als ein normales Einfamilienhaus. Allerdings muss man erst mal investieren.“ Dies sei auch der Grund gewesen, weshalb Bull und seine Frau zunächst kein Kredit für die Finanzierung bekommen hätten. „Für uns war immer klar: wenn bauen, dann ökologisch. Also mussten wir noch ein wenig warten.“ Im Jahr 2000 zog das Paar in das 16. Haus ein. „Den Gemeinschaftsgedanken fanden wir sympathisch, aber einige kommen damit nicht klar.“ Bull spricht aus Erfahrung. 2003 hätte es Streit in der Siedlung gegeben, weil sich Nachbarfamilien abgrenzen wollten. Sogar Anwälte seien damals eingeschaltet worden. Am Ende seien die Familien ausgezogen. „Wir leben in einer Miteigentümergemeinschaft. Die einzelnen Häuser sind Privateigentum, der Rest gehört der Gemeinschaft“, erklärt Bull. Und in einer Gemeinschaft gibt es Regeln, zum Beispiel bei der Anschaffung von Haustieren. „Hunde sind nicht erlaubt, Katzen gibt es aber viele. Bis zur Größe Huhn ist alles okay.“ Klaus Bull lacht. Im Flur schnurrt sein Kater. „Gemeinschaft bedeutet auch, dass wir uns gemeinschaftlich um die Grünflächen kümmern, dass wir gemeinschaftlich Konflikte lösen, dass wir gemeinschaftlich Anschaffungen tätigen, die für alle sind. Zum Beispiel brauchten wir mal eine Schneefräse.“

Der Begriff Öko-Siedlung sei nicht geschützt. „Aber wir erheben selber gewisse Ansprüche. Wer hier kauft, weiß, worauf er sich einlässt“, sagt Bull.

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