Eigener Anbau : Bio-Eierproduzent experimentiert mit Soja

Seit sechs Jahren baut Littmann Soja an.
Seit sechs Jahren baut Littmann Soja an.

Nach jahrelangem Rückgang ist der Anbau von Eiweißpflanzen erstmals wieder leicht gestiegen

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25. August 2015, 08:00 Uhr

Soja anbauen statt importieren: Vor sechs Jahren hat es der promovierte Landwirt Christian Littmann einfach mal gewagt - und musste umgehend Lehrgeld zahlen. Aus den Fehlern von damals hat er gelernt, wie der Anbauleiter des Bio-Eierproduzenten Fürstenhof im Landkreis Rostock berichtet. Inzwischen erntet der Betrieb im Durchschnitt 20 Dezitonnen Soja vom Hektar. In diesem Jahr hat er die Anbaufläche von bisher 5 Hektar auf 20 Hektar ausgedehnt. Das Soja wird als wichtige Eiweißkomponente dem Legehennenfutter beigemischt.

Dass sich die Erträge so stabilisiert haben, führt Littmann vor allem auf das Unkrauthacken und die späte Aussaat im Mai zurück. Mit seinem bäuerlichen Geschick scheint ihm damit etwas zu gelingen, woran Wissenschaftler verzweifelten.

So hatte sich etwa der Wissenschaftler Ralf Rainer Schulz an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow bei Güstrow jahrelang mit dem Sojaanbau beschäftigt. Weitestgehend ohne Erfolg. „Die Vegetationszeit hierzulande reicht einfach nicht aus. Es fehlt an geeigneten Sorten für die Region. Die Pflanzen werden nicht reif. Und ernten im Oktober ist eine Katastrophe“, zieht Schulz, inzwischen im Ruhestand, ernüchternd Bilanz.

Ähnliche Erfahrungen hat der Wissenschaftler Norbert Makowski gesammelt. Der über 80-jährige Professor hat bereits vor 40 Jahren Sojabohnenfelder in Biestow vor den Toren Rostocks angelegt, am Ende ohne Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg. „Wir haben maximal sechs Doppelzentner vom Hektar geholt und dabei auch noch die Mähdrescher ramponiert. Weil wir unbedingt jede Schote dreschen wollten, sind wir nur Millimeter über der Erdoberfläche gefahren. Das ist den Mähbalken gar nicht gut bekommen“, erinnert sich Makowski, der zu den renommiertesten Agrarwissenschaftlern im Land zählt. Geld hat er seinerzeit mit den Sojabohnen dennoch verdient. „Die haben wir in Gläser gefüllt und in DDR-Spezialläden zu Superpreisen verkauft. Zum Verfüttern waren die einfach zu schade“, erinnert er sich.

Doch Littmann schwebt vor, eines Tages von Sojaimporten für die Bio-Legehennen unabhängig zu sein. „In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme mit Einkäufen. Das nervt und deshalb wollen wir uns selbst versorgen“, gibt der Ackerbauspezialist die Marschroute des Unternehmens vor. Er hofft, dass es den Züchtern in den nächsten fünf bis sechs Jahren gelingt, neue, den klimatischen Bedingungen in Norddeutschland angepasste Sorten auf den Markt zu bringen.

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