zur Navigation springen

Infostand des Regenbogen-Vereins abgelehnt : Binz schiebt Homosexuelle ab

vom

Im Seebad Binz auf Rügen stehen die Zeichen auf Sturm: Die Gemeinde hat einen Infostand des Regenbogen-Vereins für Schwule und Lesben am Seebrückenvorplatz verhindert. Für die Grünen ist dies ein völlig falsches Signal.

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 12:36 Uhr

Binz | Im mondänen Seebad Binz auf Rügen stehen die Zeichen auf Sturm: Per Hauptausschuss-Beschluss hat die Gemeinde einen Infostand des Regenbogen-Vereins für Schwule und Lesben am Seebrückenvorplatz verhindert. Zugleich wurden drei Vorschläge gemacht, die den Verein nach dessen Ansicht an unattraktive Standorte verdrängt. Als "puren Hohn" bezeichnet das der Vorsitzende des Stralsunder Regenbogenvereins, Martin Braun. Zugelassen wurde von der Kommune indes, dass die Regenbogenfahne am Seebrückenvorplatz gehisst werden darf. Infostand und Flaggenhissung waren am 17. Mai geplant - dem Internationalen Tag gegen Homophobie, zugleich aber auch dem so genannten Herrentag.

Beifall aus der ganz falschen Ecke für den Kurort: Schon widmen sich rechtsextreme Internetseiten den Vorgängen - mit hämischen Kommentaren. Hat man in Binz grundsätzlich etwas gegen Homosexuelle? Das weist Bürgermeister Karsten Schneider (parteilos) zurück. "Wir haben abgesagt, weil wir eine Festlegung haben, dass wir an sensiblen Bereichen keine Infostände irgendwelcher Art zulassen." Wenn man damit anfange, habe man bald "so eine Art Speakers’ Corner." Das wolle der Urlauber auch nicht, so der Bürgermeister. Ein Beschluss der Gemeindevertretung existiere allerdings nicht, räumte Schneider ein. Auch in den Ortssatzungen ist dergleichen nicht festgehalten. Vielmehr handele es sich um eine "Festlegung des Betriebsausschusses".

Ein weiteres Argument sei das Datum - der Herrentag. Am 17. Mai seien an den prominenten Plätzen des Kurortes schon kulturelle Veranstaltungen geplant. Auch berge das Datum eine gewisse "Brisanz", findet der Bürgermeister. Sprich: Möglicherweise könnte ein alkoholisierter Mob auf Schwule und Lesben losgehen. Schneider kündigte indes gestern an, dass er heute noch einmal das Gespräch mit dem Verein suchen wird: "Es ist immer besser, miteinander zu reden." An der Entscheidung werde die Runde aber nichts ändern. Einer der Alternativ-Standorte liege übrigens direkt an der Kurverwaltung - ein gut frequentierter Ort. Aber der Regenbogenverein bestehe darauf, einen Standort in Sichtweite der gehissten Flagge zu erhalten.

Dazu steht Vorsitzender Martin Braun. Deshalb werde man die Alternativen auch nicht annehmen. "An einem Standort haben wir probehalber 15 Minuten gestanden. Nicht ein Passant kam vorbei." Dafür, dass man die Flagge hissen dürfe, sei man aber dankbar. Zudem habe sich ein Gastronom an der Promenade nun bereit erklärt, dem Verein sein Gelände zur Verfügung zustellen.

Die Auseinandersetzung hat mittlerweile die Landespolitik erreicht. Kritik übt der Landesvorsitzende der Grünen, Andreas Katz: "Binz, das als Tourismuszentrum für Weltoffenheit und Toleranz stehen sollte, verbannt seine Lesben und Schwulen aus dem Zentrum. Das ist nicht hinnehmbar und setzt auch gegenüber Urlaubsgästen ein vollkommen falsches Signal. Integration sieht definitiv anders aus." Wo das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und körperliche Unversehrtheit nicht mehr uneingeschränkt gewährleistet werden könne, befinde sich die Demokratie bereits auf dem Rückzug.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der in diesem Jahr erstmals die Schirmherrschaft über die beiden großen Homosexuellen-Paraden in Schwerin und Rostock übernommen hat, sagte: "Ich finde es gut, dass ein Hotelier eine Lösung des Problems ermöglicht hat." In seinem Grußwort als Schirmherr heißt es: "Als Ministerpräsident setze ich mich für ein weltoffenes und tolerantes Mecklenburg-Vorpommern ein. Dazu gehört, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf, dass Lesben und Schwule Platz haben in der Mitte unserer Gesellschaft."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen