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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Dezember 2017 | 22:16 Uhr

AfD-Wahlkampf : Bikini-Plakat spaltet Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

AfD und CDU greifen Gleichstellungsbeauftragte an, SPD und Bürgerschaftspräsident unterstützen die Forderung. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 18.Aug.2017 | 20:55 Uhr

Auf den Vorstoß der Rostocker Gleichstellungsbeauftragten gegen das Bikini-Plakat der AfD reagiert der Rostocker CDU-Fraktionschef mit harscher Kritik. Brigitte Thielk stelle damit die freie Gesellschaft infrage, so Daniel Peters.

Das Wahlplakat der AfD zur Bundestagswahl postuliert: „,Burkas?’ Wir steh’n auf Bikinis“ und zeigt im Vordergrund die halbnackten Rückseiten zweier junger Frauen. Das stuft Thielk als „sexistisch und fremdenfeindlich“ ein. Sie hat mit der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des gesamten Landes die Landeswahlbeauftragte und den Bundeswahlbeauftragten ersucht, die Plakate abhängen zu lassen, weil es dem Bekenntnis der Bundesrepublik Deutschland zu den Menschenrechten, Artikel 1 des Grundgesetzes, widerspreche. Damit hat sie eine Debatte in Rostock entfacht.

„Insbesondere die von Steuermitteln bezahlte Gleichstellungsbeauftragte offenbart mit ihren Aussagen ein gestörtes Demokratieverständnis“, so Daniel Peters. „Ich kann nicht hemmungslos tun und lassen, was ich will“, entgegnet Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) – „auch in einer Demokratie nicht“. Der Diskriminierung von Frauen entgegenzutreten – auch aus anderen Kulturkreisen – sei genau Thielks Auftrag als Gleichstellungsbeauftragte.

Leif-Erik Holm von der AfD dreht den Spieß um. Nachdem Thielk mit dem Plakat Sexismus und Respektlosigkeit unterstellt, interpretiert er ein Votum für die Vollverschleierung – das sie allerdings nicht abgegeben hat und folgert: „Hätten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft noch etwas Selbstachtung, würden sie diesen Verein jetzt umgehend auflösen.“

„Die AfD hat generell ein Problem mit Gleichstellung“, sagt Nitzsche, da wundere es ihn leider wenig, wie sie auf Gleichstellungsbeauftragte reagieren würden.

Gegen das Plakat stellt sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Das Plakat ist offen sexistisch und rassistisch und dass man sich dazu äußert, ist legitim“, sagt Steffen Wandschneider. Es solle heimlichen Groll schüren.

Auch könne er den Duktus von Herrn Peters nicht nachvollziehen, dass er Brigitte Thielk, die sich jahrelang in der Stadt so verdient gemacht hat, auf diese Weise angreift.

Die Landeswahlbeauftragte Doris Petersen-Goes hat bereits Mittwoch auf die Forderung der Gleichstellungsbeauftragten reagiert und sich für nicht zuständig erklärt. Die Stellungnahme des Bundeswahlbeauftragten Dieter Sarreither steht noch aus.

Kommentar der Autorin: Werte aufgeben? – Nein!
Mit halbnackten Frauen für die Bundestagswahl werben?  – Schwach, plakativ und sexistisch. Natürlich sollte eine Gleichstellungsbeauftragte da reagieren. Dass die CDU das kritisiert mit dem Vorwurf eines gestörten Demokratieverständnisses, erschrickt mich. Sind Sexismus und Rassismus jetzt wieder so salonfähig, dass sie nicht mal mehr infrage gestellt werden können? Die freie deutsche Demokratie hat ein Grundgesetz, das Benachteiligungen wegen Geschlecht, Abstammung, Sprache, Glauben oder auch Behinderung ausschließt. Macht man einer Diskriminierung Platz, macht man den Weg frei für alle.
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