Urteil im Fall Detlef N. : Biestower Messermann verurteilt

 
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Gericht bestraft Attacke auf Ehefrau im vergangenen August mit dreieinhalb Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

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18. März 2016, 16:06 Uhr

Rostock Detlef N., der im August in Biestow erst mit einem Kissen, dann mit Messern auf seine Frau losgegangen ist, ist gestern vom Landgericht Rostock verurteilt worden. Dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt erwarten den 52-Jährigen. Damit fiel das Urteil höher aus als von der Anklage beantragt.

Im Mittelpunkt der  Urteilsbegründung stand gestern der Niedergang einer einstmals respektablen Persönlichkeit. Detlef N. wuchs als Einzelkind in einer intakten Familie auf. Er absolvierte die 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule, erlernte den Beruf eines Nachrichtentechnikers.  Zehn Jahre  NVA folgten, 1990 wurde er von der Bundeswehr übernommen. Dort holte er  sein Abitur nach und absolvierte ein Studium zum Betriebswirt. In dieser Eigenschaft arbeitete er später in einem Rostocker Betrieb.  1986  heiratete er seine Frau Cornelia, zwei Kinder wuchsen heran und 1996 bezog die Familie ein eigenes Haus.

Aber der Alkohol machte das harmonische Leben kaputt. Erste Behandlungen schlugen nicht an, weil sich Detlef N. nicht an die Regeln hielt. 2008 folgten Übergriffe auf seine Ehefrau, die heftiger wurden und Strafbefehle nach sich zogen. 2012 musste Detlef N. das gemeinsame Haus verlassen. Immer öfter stand er vor Gericht.  Die Vorwürfe: gefährliche Körperverletzung, Fahren unter Alkohol, Widerstand gegen Vollzugsbeamte und eine Messerattacke auf einen Nachbarn. Detlef N. verlor völlig die Kontrolle über sein Leben, musste seine Wohnung räumen. Einen Platz fand er – bei striktem Alkoholverbot – im Gästezimmer des gemeinsamen Einfamilienhauses.

Am 21. August spitzte sich die Situation zu. Beim Nachhausekommen bemerkte seine Frau einen starken Alkoholgeruch und stellte ihren Mann zur Rede.  Sie verlangte seinen Auszug. Während sie sich im Schlafzimmer ausruhte, zog Detlef N. ihr das Kopfkissen weg, drückte es ihr aufs Gesicht und würgte sie mit den Worten: „Du machst alles kaputt.“ Trotz des Kissens konnte sie sich befreien. Kurze Zeit danach erschien der 52-Jährige mit einem Messer und drohte: „Ich bringe dich um. Das hast du verdient.“ Mit Händen, Füßen und der Bettdecke wehrte sich die Frau. Erst der Tochter gelang es, den Vater wegzuziehen. Beide Frauen erlitten Schnittverletzungen. Sie flüchteten zu den Nachbarn, verfolgt von Detlef N., der sich inzwischen mit einem zweiten Messer bewaffnet hatte. So bedrohte er auch Polizisten, die ihn erst mit zwei Schüssen zum Aufgeben brachten.

Tochter und Frau hätten den Angeklagten trotz der Schwere der Tat entlastet. Deshalb liege kein Tötungsvorsatz, wie ursprünglich angeklagt, vor. Als strafmildernd wertete das Gericht, dass die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten wegen des genossenen Alkohols und einer psychischen Belastung erheblich vermindert war und er dauerhaft durch die Schussverletzung beeinträchtigt sein wird. Als strafverschärfend wurden seine Vorstrafen und die Todesangst gerechnet, die er seiner Ehefrau und der Tochter zugefügt hatte. Detlef  N. nahm das Urteil sehr gelassen auf. Hin und wieder schmunzelte er sogar.

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