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Erdbeerfelder in Rövershagen : Bienen sorgen für ertragreiche Erdbeerernte

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Mit Honingeinsammeln nichts am Hut - Auf den Erdbeerfeldern in Rövershagen bei Rostock kommen in diesem Frühjahr erstmals Bestäubungsbienen zum Einsatz. - Sie sollen für eine ertragreiche Erdbeerernte sorgen.

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erstellt am 22.Apr.2012 | 08:13 Uhr

Rövershagen | „Sicher ist sicher“, sagt Imker Alois Böhmisch und streift sich seinen Gesichtsschutz über. Dann öffnet er den Transportkasten und lässt rund 15.000 Bienen über die weiten Felder von Karls Erdbeerhof in Rövershagen am Stadtrand von Rostock ausschwärmen. „Die kennen sich aus. Das ist schon ein älteres Volk“, sagt der Mittvierziger, der am Feldrand zahlreiche Bienenkästen aufgestellt hat. „Hoffentlich halten sie auch, was sie versprechen“, sagt Wolfgang Loll, Betriebsleiter des mit mehr als 200 Hektar wohl größten Erdbeeranbaubetriebs in Norddeutschland. Böhmisch ist mit seinen Bienen das erste Mal auf dem Hof. Firmeninhaber Robert Dahl hatte den gebürtigen Bayer jüngst auf einem internationalen Erdbeerforum kennengelernt und von den außergewöhnlichen Fähigkeiten seiner Bienen erfahren. „Da war Erscheinen in Rövershagen praktisch Pflicht“, sagt Dahl, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt.

Bestäubungsbienen statt Honigbienen im Einsatz
„Das sind reine Bestäubungsbienen“, die mit Honigeinsammeln „nichts am Hut“ hätten, sagt Böhmisch, der seit mehreren Jahren in Finnland lebt und dort eine Bienenzucht aufgebaut hat. Da dort noch Schnee liegt, kam das Engagement in Rövershagen für ihn wie gerufen. „Erdbeerblüten haben so gut wie keinen Nektar. Dafür umso mehr Pollen“, sagt der Imker. Den brauchten die Bestäubungsbienen für die Aufzucht ihrer Brut. „Deshalb fliegen sie wie verrückt“, erläutert der Bienenfachmann.

Erst wenn eine Blüte bis zu zehn Mal angesteuert worden sei, könne sich die Frucht optimal entwickeln. Der Geschmack und eine volle Ausreife würden durch den Bieneneinsatz positiv beeinflusst. „Das kann kein anderes Insekt“, betont Böhmisch. Auch Windbestäubung sei kaum hilfreich. Doch allein darauf waren zuletzt viele Obstbauern angewiesen, nachdem in Deutschland Tausende Bienenvölker der Varroamilbe zum Opfer gefallen waren.

Deutliche Ertragssteigerung durch Bieneneinsatz erwartet
„In den vergangenen Jahren haben wir bis zu 20 Tonnen je Hektar geerntet“, sagt Betriebsleiter Loll. Wenn Böhmisch mit seinen Bienen halte, was er verspreche, dann würden es am Ende zwischen 10 und 20 Prozent mehr sein. Was der Einsatz kostet, wollten beide nicht sagen. Es werde sich aber „für das Unternehmen auf alle Fälle lohnen“, sagt der Imker.

Nicht alle Bienen stammen allerdings aus Finnland. Zahlreiche Völker hat der Imker bei Berufskollegen in Deutschland dazu gekauft. „Ich bin mit meinem Geschäft noch ziemlich am Anfang. Aber die Nachfrage wächst ständig“, sagt Böhmisch. Der Chef des Rostocker Imkervereins, Karl Weinkauf, achtet derweil darauf, welche Bienenarten zum Einsatz kommen. „In unserer Zuchtgemeinschaft konzentrieren wir uns auf die Linie Carnica Troiseck“, sagt er. Es sei klar geregelt, dass im Umfeld keine anderen Arten ausgesetzt werden dürfen, um die Zuchtlinien nicht zu vermischen. Böhmisch hat das bei seinen Einkäufen berücksichtigt.

Er rechnet mit zwei Völkern je Hektar. Je nach Alter der Königin seien das rund 20.000 Arbeitsbienen, erklärt der Imker, während er Zuckerlösung verteilt. Die brauchen die Bienen um neue Energie zu tanken. „Honigbienen nehmen dafür Nektar, aber der fehlt ja hier. Deshalb wird es auch niemals Erdbeerhonig geben“, sagt er.

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