Bildungsfreistellung : Bezahlter Urlaub für den Italienischkurs

Quelle: TÜV Süd/dpa/tmn
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Italienisch lernen in Perugia, Spanischkurs in Barcelona, Englisch für Fortgeschrittene in Port Elizabeth - was nach Sprachferien klingt, sind tatsächlich Angebote für Erwachsene, die Bildungsurlaub nehmen möchten.

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24. Juli 2012, 12:12 Uhr

Rostock/Schwerin | Italienisch lernen in Perugia, Spanischkurs in Barcelona, Englisch für Fortgeschrittene in Port Elizabeth - was nach Sprachferien für Schüler klingt, sind tatsächlich Angebote für Erwachsene, die Bildungsurlaub nehmen möchten. 678 Veranstaltungen der beruflichen oder gesellschaftspolitischen Weiterbildung listet die Weiterbildungsdatenbank des Landes (www.weiterbildung-mv.de) unter "Bildungsfreistellung" derzeit auf. Auch Fortbildungen zum leitenden Notarmitarbeiter, zum Therapiehundeführer oder die Prüfungsvorbereitung für Bilanzbuchhalter gehören u. a. dazu.

"Fünf Tage im Kalenderjahr können alle Beschäftigten, die ihren Arbeitsschwerpunkt hier im Land haben, zum Zweck der Weiterbildung freigestellt werden", erläutert Anja Neutzling, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock. Der Behörde obliegt unter anderem die Anerkennung geeigneter Bildungsveranstaltungen. "Arbeitnehmer, die Bildungsurlaub nehmen wollen, haben einen Rechtsanspruch gegenüber ihrem Arbeitgeber", erläutert Neutzling. Einschränkungen gelten allerdings für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes. Sie haben nur dann Anspruch auf Bildungsfreistellung, wenn sie sich gesellschaftlich oder für ein Ehrenamt weiterbilden wollen.

Außer im Betrieb müssen Interessenten auch beim Lagus anzeigen, an welcher Bildungsveranstaltung sie teilnehmen wollen. Das Arbeitsentgelt wird während des Bildungsurlaubs fortgezahlt. Arbeitgebern wird auf Antrag der Lohnausfall vom Land erstattet - zumindest, bis das entsprechende Kontingent ausgeschöpft ist. "203 000 Euro standen 2011 für die Erstattung der Lohnkosten zur Verfügung - sie wurden auch vollständig beantragt", so Anja Neutzling. Die Kosten für die Veranstaltung sowie gegebenenfalls für Unterkunft und Verpflegung muss der Teilnehmer selbst tragen.

"Im vergangenen Jahr wurden 1042 Anträge auf Anerkennung von Bildungsveranstaltungen bearbeitet" , so Neutzling. "Durch Beschäftigte wurden 1024 Erstattungsvoranfragen gestellt. 511 Arbeitgeber haben den entsprechenden Lohnausfall geltend gemacht."

Bildungsträger weisen auf Rechtslage hin

Längst nicht alle Arbeitnehmer wissen allerdings um die Möglichkeit einer Bildungsfreistellung. "Der übliche Weg ist, dass wir unsere Teilnehmer darauf aufmerksam machen", erklärt Veronika Schmidt von der Tüv Nord Bildungs GmbH in Neubrandenburg. Den Hinweis würden angehende Wirtschaftsfachwirte, Industriemeister und Berufspädagogen gern annehmen. "Etwa 30 Kursteilnehmer pro Jahr nutzen die Möglichkeit der Bildungsfreistellung", schätzt Veronika Schmidt ein.

Auch im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin werden Kursteilnehmer darauf hingewiesen, wenn ihnen Bildungsurlaub zusteht. "Wir unterstützen sie auch bei der Antragstellung beim Lagus", so Christiane Vorpahl. Den Effekt, eine Woche Urlaub zu sparen, wüssten vor allem Meisterschüler und angehende Betriebswirte zu schätzen. "Allerdings ist die Krux, dass die Lohnkostenerstattung eine Kann-Leistung ist", so Vorpahl. "Da kann es schon mal vorkommen, dass das Geld vom Land alle ist. Meist laufen unsere Kurse aber auch noch im nächsten Jahr weiter, da heißt es dann, mit einem neuen Antrag schnell zu sein."

Diese Erfahrung hat auch Monika Heidenreich, Geschäftsführerin des Bildungsinstituts des steuerberatenden Berufs in Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Rostock, gemacht. "In diesem Jahr waren die Kontingente schon Mitte des Jahres ausgeschöpft." Zum Glück würden viele Steuerberater ihre Mitarbeiter aber auch ohne diese Erstattung beispielsweise zu den Crashkursen zur Prüfungsvorbereitung für angehende Steuerfachwirte oder Steuerberater schicken. Monika Heidenreich gibt dennoch zu bedenken: "Weiterbildung gewinnt angesichts des Fachkräftemangels immer mehr an Bedeutung. Deshalb sollte man seitens des Landes überlegen, die seit Jahren konstanten Mittel für die Bildungsfreistellung künftig aufzustocken."

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