Markgrafenheide : Bewohner fürchten den Verkauf an Kapitalanleger

Es ist fünf vor zwölf: Die Bewohner der Albin-Körbis-Straße  in Markgrafenheide möchten nicht  in andere Rostocker Stadtteile ziehen, sondern ihre Wohnungen behalten.
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Es ist fünf vor zwölf: Die Bewohner der Albin-Körbis-Straße in Markgrafenheide möchten nicht in andere Rostocker Stadtteile ziehen, sondern ihre Wohnungen behalten.

Die Mieter der Albin-Köbis-Straße protestieren gegen Wiro-Pläne. Hilfe bekommen sie dabei vom Mieterverein.

svz.de von
31. Juli 2014, 06:00 Uhr

Im Heidehaus brodelten am Dienstagabend die Emotionen. Rund 50 Bewohner der Albin-Köbis-Straße hatten sich in einer Eigeninitiative mit dem Ortsbeiratsvorsitzenden Jürgen Dudek (Rostocker Bund) und dem Geschäftsführer des Mietervereins, Christian Rudolph, getroffen. Bereits im April waren die Mieter bei einer Hausversammlung informiert worden, dass sie wegen größerer Sanierungsmaßnahmen der Wohnungsgesellschaft Wiro in andere Stadtteile umziehen sollen.

Jetzt hieß es, dass die ehemaligen, kleinen Häuser der Luftwaffe in Ostseenähe nach einem Umbau prädestiniert seien, als Eigentumswohnungen an Kapitalanleger verkauft zu werden. Auf die Frage, ob sie nach der Sanierung wieder einziehen könnte, soll eine Mitarbeiterin der Wiro einer Mieterin Folgendes geantwortet haben: „Wenn Sie sich das dann noch erlauben können?“ Es liegt bei allen Beteiligten die Vermutung nahe, dass weitere soziale Mieterstrukturen zugunsten des Tourismus und hoher Rendite gekippt werden sollen.

,,Ich wohne seit 51 Jahren in diesem Haus und möchte jetzt mit 80 Jahren nicht mehr in einen anderen Stadtteil umziehen“, sagt Roland Zachau. Der Rentner kann nach eigenen Aussagen nachts nicht mehr schlafen. Karlaugust Arndt ist vor zwölf Jahren aus Altersgründen nach Markgrafenheide gezogen und traut sich heute mit 88 Jahren ebenfalls den mit viel Stress verbundenen Umzug nicht mehr zu. Angeblich sind nach Aussagen der Wiro die Sicherheitsstandards in den Häusern nicht mehr gegeben. Momentan werden Vermessungen in den Häusern durchgeführt. „Sicherlich ist aufgrund von Sanierungsstau in den letzten Jahren einiges an fälligen Arbeiten nötig, aber so schlimm sieht es nun wirklich nicht aus“, sagt Jürgen Dudek. Der Ortsbeiratsvorsitzende hatte sich selbst bei einer Besichtigung umgeschaut und sieht hier normalen Handlungsbedarf. „Es ist auch sehr fraglich, warum die Wiro nicht die notwendigen Arbeiten durchführt und die Mieter im Anschluss wieder einziehen lässt“, so Dudek. Nach neuesten Grundrissplänen sollen die Wohnungen vergrößert und komplett umgebaut werden. „Dann sieht es sicherlich so aus, dass sich der eine oder andere Bewohner die höhere Miete bei kleiner Rente nicht mehr leisten kann“, so Zachau, der das Treffen aller Beteiligten organisierte. Christian Rudolph informierte die Mieter über ihre Rechte und Pflichten. „Jetzt haben wir endlich einen Fahrplan, wie wir weiter verfahren und hoffen auf eine faire Verfahrensweise mit Hilfe der Kommunalpolitik“, sagte die 64-jährige Hannelore Gührke.



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