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Prozess in Rostock : Betrug mit Potenzmitteln: Angeklagter gesteht

vom

27-Jähriger legt im Prozess um Internethandel Geständnis ab. 183 Opfer

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 09:47 Uhr

Rostock Im Prozess um einen Fall von Internet-Betrug mit 183 Opfern hat der Angeklagte am ersten Tag ein umfassenden Geständnis abgelegt. Er gebe alles zu, was in der Anklage steht, sagte der 27-Jährige gestern im Landgericht Rostock. Der 27 Jahre alte Informatiker aus Delmenhorst (Niedersachsen) hatte einen Online-Shop für Elektroartikel und Potenzmittel betrieben. 183 Kunden sollen Waren im Gesamtwert von mehr als 112 000 Euro bestellt und den Kaufpreis überwiesen haben. Diese Produkte wurden jedoch nie an die Kunden geliefert. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Er wurde nach einer Anzeige eines Kunden entdeckt.

Um keine Rückschlüsse auf seine Person zu ermöglichen, hat er laut Staatsanwaltschaft die Dienste Dritter in Anspruch genommen, heißt es in der Anklageschrift. Sie stellten ihm gegen eine Provision ihre Konten zur Verfügung. In seinem Geständnis beschrieb der Mann ausführlich seine Vorgehensweise, wobei ihm seine Kenntnisse aus dem Informatikstudium und auch Erfahrungen durch den Onlineshop seiner Eltern hilfreich waren. In Kombination mit den vielfältigen Möglichkeiten des Internets und der Unbedarftheit vieler Banken würde alles gehen, sagte er. Der Prozess wird am 27. Oktober mit Zeugenbefragungen fortgesetzt

Stichwort Internetbetrug

Niemand weiß wie hoch der Schaden ist, der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr durch Betrug im Internet entsteht. Das Landeskriminalamt (LKA) führt dazu keine gesonderte Statistik, erklärt Sprecherin Anna Hermann. Der Phänomenbereich werde den Betrugsstraftaten zugeordnet, für den die Kriminalstatistik des vergangenen Jahres 120 Fälle ausweist. Zudem wurden 586 weitere Fälle des Warenkreditbetruges im Bereich der Computerkriminalität gezählt. Teilweise betrügen die Täter ihre Opfer nicht nur um Geld, sondern nutzen auch deren persönliche Daten, um damit zum Beispiel neue „Fake Shops“ zu registrieren.

Doch nur wenige Betroffene stellen auch Strafanzeige. Im gesamten Bereich Cybercrime geht das LKA von einem Dunkelfeld von 90 Prozent aus. Angezeigt wird also nur schätzungsweise jeder zehnte Vorfall.

Das LKA rät, nur in bekannten Shops einzukaufen und solchen, die Logos wie das Trusted Shops-Siegel verwenden. Die Vergabestellen müssen mit den Siegeln verlinkt sein, wenn die Webseite sie nutzt.

Vorsicht gilt bei Shops mit besonders niedrigen Preisen. Zudem sollte bei unbekannten Websites möglichst nicht per Vorkasse bezahlt und aufgeführte Daten wie Telefon- und Faxnummern auf Plausibilität geprüft werden. Wer trotzdem Opfer wird, sollte Anzeige bei der Polizei erstatten.

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