prozess : Bestechlicher JVA-Beamter verurteilt

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Roland R. (50) schmuggelte Handys in den Knast / Das Urteil: Ein Jahr und vier Monate auf Bewährung

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04. November 2014, 11:00 Uhr

Er stand auf der Gehaltsliste von Rotlicht-König Arthur B.: Der Justizbeamte Roland R. (50) ist gestern wegen Bestechlichkeit in vier Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Außerdem muss er 15 000 Euro zurückzahlen. Damit hob das Landgericht das Urteil des Amtsgerichts Güstrow auf, das den Mann freigesprochen hatte.

Roland R. ließ sich vom Kopf einer mafiösen Vereinigung bestechen – so die Urteilsbegründung. Ab Juli 2000 saß Arthur B. wegen schweren Raubes und als Verdächtiger in einem Totschlags-Verfahren in der Justizvollzugsanstalt Bützow. Der Angeklagte, der dort als Sportbeamter arbeitete, kannte diese Vorwürfe. Er freundete sich mit Arthur B. an, besorgte ihm Bücher und Genussmittel. 2001 kam auch der wegen schweren Betrugs verurteilte Norbert W. nach Bützow. B. und W. lagen auf einer Zelle. Nach der Entlassung von Arthur B. hielt der Kontakt. Arthur B. brauchte Verbindungen in die JVA . Der Angeklagte wurde Mittelsmann zwischen Arthur B. und Norbert W. Er schmuggelte Handys, SIM-Karten und Informationen in die JVA. Um die Gefälligkeitsgelder für den Angeklagten zu tarnen, richtete der Kaufmann Norbert W. ein Anlagesystem ein, in das die Lebensgefährtin pro forma 15 000 Euro einzahlte. Es liegen eindeutige Beweise und Aussagen von Zeugen vor, darunter von Arthur B., seiner ehemaligen Verteidigerin Tordis M. und Norbert W.: Der Angeklagte beziehungsweise seine Lebensgefährtin nahmen am 1. April 2004 2000 Euro entgegen, am 12. Mai 2004 3000 Euro, am 24. Mai 2004 2000 Euro und am 29. Juli 8 000 Euro. Sogar auf dem JVA-Parkplatz wurden Handys gegen Geld übergeben.

Der Angeklagte bestritt die Tatvorwürfe bis zuletzt. Er zog sogar seine Kollegen aus der JVA in sein Lügengeflecht mit hinein. Einige hatten sich ebenfalls an dem Anlagesystem von Norbert W. beteiligt, was der Angeklagte zu seinen Gunsten gewertet haben wollte. „Es gibt einen großen Unterschied. Sie sind korrupt im Gegensatz zu ihren Kollegen“, sagte der Vorsitzende Richter. Er wies die Mutmaßungen der Verteidigung, bei dem Verfahren hätte es sich um ein Komplott des Justizministeriums mit dem Gericht gehandelt, energisch zurück.

Dem Angeklagten kam zugute, dass er nicht vorbestraft ist und schon sehr bald aufgrund der Verurteilung seinen Beamtenstatus verlieren wird. Zu seinen Lasten wertete das Gericht, dass er nicht aus Not, sondern aus reiner Geldgier handelte. Immerhin bezog er ein monatliches Beamtengehalt von 1800 Euro netto.

Richter Peter Goebels bedauerte, dass er keine höhere Strafe aussprechen konnte. Das lasse das Gesetz nach den vorigen Urteilen nicht zu. „Wenn ich Richter am Amtsgericht gewesen wäre, hätten sie eine Strafe ohne Bewährung bekommen.“ Auch gegen dieses Urteil kann der Angeklagte Revision einlegen.

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