Interview : Bessere Aufklärungsquote als vor einem Jahr

Poilzeioberrat Michael Ebert,  Leiter der Polizeiinspektion Rostock
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Poilzeioberrat Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock

Was sagt die Statistik? Wie ist es um das Personal bestellt? Ein Gespräch mit Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock

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26. November 2014, 12:00 Uhr

Wie sicher ist Rostock? Was sagt die Kriminalitätsstatistik? Ist die Polizei in der Hansestadt gut aufgestellt? Diese und weitere Fragen beantwortet Polizeioberrat Michael Ebert, Leiter der Polizeiinspektion Rostock, im NNN-Interview.

Herr Ebert, das Jahr 2014 neigt sich dem Ende. Welche Tendenzen in den Polizeistatistiken lassen sich im Vergleich zum Vorjahr erkennen?
Ebert: Wir haben im Rahmen der Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2013 darüber informiert, dass in Rostock unsere Fallzahlen stetig sinken. Im vergangenen Jahr lagen wir erstmalig unter der Grenze von 20 000 Straftaten. In diesem Jahr werden wir voraussichtlich einen leichten Anstieg der Fallzahlen zum Jahresende verzeichnen müssen. Dieser ergibt sich in erster Linie nicht aus den Straftaten, die Bürger unmittelbar im öffentlichen Raum wahrnehmen, sondern aufgrund steigender Fallzahlen im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte, die von daheim vom Computer aus begangen werden. Es geht auch um das Erschleichen von Leistungen, wie beispielsweise bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Durch verstärkte Kontrollen der Rostocker Straßenbahn AG gibt es dann natürlich auch mehr Personen, die beim Schwarzfahren erwischt werden. Bei den Straftaten, die Menschen unmittelbar im öffentlichen Raum wahrnehmen und die maßgeblich das Sicherheitsgefühl beeinflussen, insbesondere im Bereich der Straßenkriminalität, da sinken die Fallzahlen. Wir werden hier zum Jahresende bei etwa 4000 Straftaten enden. Im vergangenen Jahr wurden noch 4622 Fälle von Straßenkriminalität registriert, 2012 lag die Zahl bei 5169 Fällen.
Ist dieses Ergebnis einer geänderten Polizeiarbeit geschuldet?
Wir arbeiten mit einem Zielvereinbarungssystem. Wir haben sechs verschiedene Ziele im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung und des Straßenverkehrs, an denen wir das ganze Jahr über kontinuierlich arbeiten. So haben wir als Polizei unsere technische Geschwindigkeitsüberwachung in Rostock komplett zurückgefahren. Alle feststehenden Blitzer werden von der Kommune oder dem Verkehrspolizeirevier Dummerstorf betrieben. Wir setzen dafür auf integrative Kontrollen. Jede Maßnahme im Bereich der Verkehrsunfallbekämpfung soll gleichzeitig der Kriminalitätsbekämpfung dienen. Das heißt, jedes Fahrzeug, das wir in der Geschwindigkeit mit Lasermessgeräten messen, halten wir im Anschluss auch an. Also schauen wir in das Fahrzeug, überprüfen die Personalien des Fahrers und gegebenenfalls der Mitfahrer und prüfen, ob wir die Person gegebenenfalls auch in unseren polizeilichen Erkenntnis- und Fahndungsdateien finden. Wir haben also einen Rundumblick auf Fahrzeug und Person.
Gibt es weitere Beispiele?
Ja, im Bereich der Straßenkriminalität. Wir versuchen zu bestimmten Zeiten an polizeilichen Brennpunkten zu sein. So unter anderem Freitagabend und an den Wochenenden in der Nähe von Knotenpunkten des öffentlichen Nahverkehrs oder rund um Diskotheken. Dort zeigen wir Präsenz mit dem Ziel, die Fallzahlen zu senken.
Mehr Präsenz bedeutet auch mehr Personal. Wie gut ist denn die von Ihnen geleitete Dienststelle ausgestattet?
Die personelle Stärke des Streifendienstes in Rostock variiert ständig, ist abhängig von der Tages- und Jahreszeit. Wir bestimmen die Stärken auf der Basis von Erfahrungswerten und zu erwartenden Einsätzen, auch in Abhängigkeit vom Veranstaltungsaufkommen.
Können Sie Zahlen ins Spiel bringen?
Ja. 2011 hatten wir eine Zielstärke, die deutlich über 450 Mitarbeitern lag. Diese Anzahl von Mitarbeitern war aber tatsächlich nicht da. Jetzt liegt die Zielstärke mit 438 zwar darunter. Was aber wichtig ist: Wir verfügen heute auch tatsächlich über diese Anzahl der Mitarbeiter. Es ist uns gelungen, so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Dienstposten zu bringen. Das war 2011 nicht so. Von daher haben wir heute mehr Polizeibeamte im Einsatz als noch vor drei Jahren.
Fallen denn Stellen in absehbarer Zeit weg?
Im Rahmen der Personalentwicklung müssen wir uns den Notwendigkeiten stellen. Auch wir werden uns angemessen am Personalabbau der Landesverwaltung beteiligen müssen.
Die Zielstärke ist aber nicht in Stein gemeißelt?
Nein, sie wird in jedem Jahr nach verschiedenen Kriterien und Faktoren neu berechnet. Inwieweit der Personalabbau die Polizeiinspektion Rostock betreffen wird, werden wir sehen. Aber ich gehe fest davon aus, dass wir so ausgestattet sind, dass wir unsere Aufgaben bewältigen können. Wir haben natürlich auch stets die Frage zu stellen, ob wir unsere eigenen Abläufe effizienter gestalten können.
Wie ist der Altersschnitt?
Er wird noch bis zum nächsten Jahr steigen. Danach wird die Polizei jünger werden. Konkret steht die Aufgabe, dass wir unsere Besatzungen auf den Streifenwagen immer im Auge behalten. Denn sie sind einer enorm hohen Belastung ausgesetzt. Mit 55 Jahren auf dem Streifenwagen Dienst zu machen, das erfordert schon eine gute körperliche Konstitution. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unsere Mitarbeiter fit sind und zeitgleich dafür sorgen, dass Mitarbeiter ab einem gewissen Alter in andere Bereiche der Polizei wechseln können. Das ist schwierig, weil Polizeiarbeit in erster Linie Dienst am Bürger ist, also auf dem Streifenwagen stattfindet.
Da die Polizei in absehbarer Zeit jünger wird, wie Sie sagen, gibt es keine Nachwuchsprobleme?
Ich stelle immer wieder mit Freude fest, dass scheinbar die Attraktivität des Polizeiberufs keineswegs verlorengegangen ist. Wir haben jetzt gerade 25 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen Polizeirevieren begrüßen dürfen. Es kommen viele junge, gut ausgebildete und hoch engagierte Frauen und Männer zu uns. Das bietet eine gesunde Mischung auf den Streifenwagen – die Erfahrungen der lebensälteren Mitarbeiter und der Schwung und das Wissen der Neuen.
Die Anzahl der Straftaten geht zurück, sagen Sie. Wie sieht die Bilanz bei der Aufklärung aus?
Wir haben derzeit eine bessere Aufklärungsquote als im vergangenen Jahr. Aber 2014 ist noch nicht beendet. Abgerechnet wird am Ende des Jahres. Darüber hinaus können größere Verfahren, insbesondere im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte, der Aufklärungsquote schlagartig eine andere Tendenz geben.
Hält diese Tendenz an?
In Rostock gab es in jüngster Vergangenheit wieder einmal den so genannten Enkeltrick.
Das ist eine Entwicklung, die wir mit Sorge betrachten. Solche Straftaten ziehen sich zwar über das ganze Jahr, jetzt hatten wir aber gerade wieder eine Hochphase. Es sind zum Teil auch reisende Täter, die mit dieser Masche immer wieder auch in Rostock aktiv werden. Als Polizei müssen wir vor allem unsere älteren Mitbürger immer wieder aufklären, damit sie in der entsprechenden Situation die Polizei informieren und keineswegs Geld übergeben. Die Geldinstitute in unserer Stadt sind schon sehr sensibel geworden und arbeiten gut mit uns zusammen. Oft bekommen wir Hinweise. Wir sind sehr glücklich, dass es zu vergleichsweise wenigen Geldübergaben kommt.
Weihnachten steht vor der Tür, es wird buntes Treiben auf den Märkten geben. Steigt damit auch die Gefahr von Diebstählen?
Wir stellen fest, dass es in der dunkeln Jahreszeit vermehrt zu Wohnungseinbrüchen und auch zu Handtaschendiebstählen kommt. Letzteres in Bereichen, wo regelmäßig viele Menschen gut gelaunt und ohne Misstrauen zusammentreffen. Hier gilt es gleichermaßen aufmerksam zu sein.
Eine große Bewährungsprobe hat die Rostocker Polizei in ein paar Tagen beim Fußballspiel zwischen dem FC Hansa und Dynamo Dresden vor der Brust. Wie sind die Einsatzkräfte vorbereitet?
Wir sind gut vorbereitet und seit Wochen im ständigen Gespräch mit den Vereinen, der Bundespolizei sowie der Polizei in Dresden. Wir beobachten die Fan-Szene, deren Publikationen und werten zurückliegende Einsätze aus.

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