REZENSION : „Beluga“ schreit zum Himmel

Das Seemannsgarn der Fischer (Steffen Schreier, l., und Alexander Wulke) vermischt sich in den Recherchen des Sohns (Filip Grujic) mit undurchsichtigen Fakten.
Das Seemannsgarn der Fischer (Steffen Schreier, l., und Alexander Wulke) vermischt sich in den Recherchen des Sohns (Filip Grujic) mit undurchsichtigen Fakten.

Uraufführung blickt auf ungeklärtes Schiffsunglück

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31. Januar 2016, 09:00 Uhr

Seefahrt, Spannung, Staatskritik – „Beluga schweigt“ hat alles. Dazu eine gehörige Portion der ganz großen Emotionen von Liebe über Trauer bis zu Wut und Verzweiflung, komprimiert auf etwas mehr als eine Stunde Aufführungszeit und den überschaubaren Raum des Ateliertheaters – bei der Uraufführung des Schauspiels am Donnerstagabend im Volkstheater waren die Nerven der Zuschauer zum Zerreißen gespannt. Regisseurin Yvonne Groneberg hat den regionalen Stoff fesselnd umgesetzt. Sie geht so weit, dass es gerade noch zu ertragen ist. Denn, ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen: Die Frustration und Verzweiflung der Figuren auf der Bühne überträgt sich fast eins zu eins auf das Publikum – im guten und gewollten Sinne.

Die im Stück erzählte Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit: 1999 sinkt der Fischkutter „Beluga“ vor Rügen binnen einer Minute. Alle Besatzungsmitglieder sterben. Kein Unwetter, kaum Wellengang, aber ein Nato-Manöver, das am gleichen Tag stattfand, gibt Anlass zu Spekulationen. Zu viele Ungereimtheiten, zu viele offene Fragen – der Fall „Beluga“ schreit zum Himmel. Im Stück begibt sich der Sohn eines der Unglücksopfer 17 Jahre danach auf Spurensuche. Den jungen Mann, der dabei schnell an Grenzen stößt und der an seiner Machtlosigkeit gegenüber der Staatsgewalt verzweifelt, spielt Filip Grujic überzeugend und mit großer Energie. Bewegend gleich die erste Szene, in der das Publikum die letzten Gedanken der sterbenden Fischer hört (Grujic, Till Demuth, Alexander Wulke). Diese emotionale Anspannung hält das Stück durch, beispielsweise wenn sich die Witwen (Sandra-Uma Schmitz, Juschka Spitzer, Inga Wolff) an die Verstorbenen erinnern oder der Journalist (Steffen Schreier) berichtet, wie ihn die „Beluga“ fast in den Wahnsinn getrieben hätte. „Beluga schweigt“ erreicht mit wenig Mitteln ungeheuer viel. Ein Besuch lohnt sich.

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