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Norddeutsche Neueste Nachrichten

11. Dezember 2017 | 19:44 Uhr

Bei Anruf gibt es Hilfe

vom

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2012 | 09:39 Uhr

Rostock | Mit jemandem reden, der zuhört und nicht urteilt, sein Leid loswerden und dadurch wieder besser zurecht kommen - Wie wichtig das ist, wissen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Rostocker Telefonseelsorge. Benno Gierlich leitet die Stelle der Caritas MV in Rostock. Wo sie sich genau befindet, will er nicht verraten: "Damit doppelte Anonymität gilt - sowohl für den Anrufer als auch für den, der das Gespräch annimmt." Dadurch würden sich auch mehr Leute trauen, sich einem Seelsorger zu öffnen.

Es rufen 14-Jährige an, die schwanger sind, Menschen, die jemanden verloren haben - durch Trennung oder Tod, erzählt Gierlich. "Aber klassisch sind mittlerweile chronische Krisen, Menschen die einsam sind, aus ihrer Trauer nicht herauskommen", sagt er - Menschen mit Depressionen, Schizophrenie, Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen. "Wir sind für viele eine Überlebenshilfe. Kontakt braucht jeder Mensch", sagt Gierlich. Die Gespräche dauern meist eine halbe Stunde bis Stunde. "Der Bedarf ist auch höher als das, was wir abdecken können", sagt er. Er hat eine 30-Stunden-Stelle, erstellt Dienstpläne, kümmert sich um die Ausbildung und ist Ansprechpartner für die Mitarbeiter. Eine Kollegin erledigt in zehn Stunden pro Woche die Verwaltung. Ohne ehrenamtliche Helfer würde Seelsorge nicht funktionieren, so Gierlich.

70 bis 80 Leute seien notwendig, um das Telefon täglich wirklich rund um die Uhr besetzt zu halten. Viele von ihnen sind berufstätig. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, sind Krankenpfleger, Verwaltungsangestellte, Theologen oder auch Elektriker. Die jüngste Seelsorgerin ist 28, die älteste 80 Jahre alt. "Es sind Leute, die selber Krisen durchlebt haben, ähnliche Erfahrungen gemacht haben", sagt Gierlich. Sie haben einen Blick für seelisches Leid und wie es gelindert werden kann. Aber ob die Interessenten für einen solchen Job geeignet sind, muss herausgefunden werden. Nach einem Einzelgespräch treffen die potenziellen Bewerber an einem Auswahlwochenende auf erfahrene Seelsorger aus verschiedenen Bereichen. Von 20 bis 25 eingeladenen Bewerbern werden maximal 15 genommen, erklärt Gierlich. Erst dann geht es in die Ausbildung. "Es ist schön, wenn jemand den Impuls hat, zu helfen, aber wenn er noch zu stark mit seiner eigenen Geschichte beschäftigt ist, geht das nicht", sagt Gierlich - weder für den Anrufer noch für Seelsorger.

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