Begeistert gefeiert: Die lustige Witwe

Im Duett: James J. Kee (Graf Danilo Danilowitsch) und Anna Molina (Hanna Glawari)Dorit Gätjen
Im Duett: James J. Kee (Graf Danilo Danilowitsch) und Anna Molina (Hanna Glawari)Dorit Gätjen

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14. November 2010, 07:08 Uhr

Die Krisen sind überwunden, wir können wieder lachen: über die Krisen, über uns, am meisten aber natürlich über die anderen, die unter Staatsbankrott, untätigen oder unfähigen Politikern, sexuellen Übergriffen hinter Kirchenmauern, Ehebrüchen und anderen Verfehlungen zu leiden haben. Ungetrübte Unterhaltung ist angesagt, gibt die jüngste Inszenierung von Franz Lehárs Operette "Die lustige Witwe" am Volkstheater Rostock vor, deren Premiere am Sonnabendabend im Großen Haus begeistert gefeiert wurde. Der Hamburger Gastregisseur Mirko Bott fegt mit breitem Besen das Libretto vom Anfang des 20. Jahrhunderts einmal durch, streut dafür Witze und Anspielungen auf den problemgeschüttelten Beginn des 21. Jahrhunderts aus und erntet dafür die beabsichtigten Lacher und Beifallsausbrüche des Publikums. Es bleibt jedem freigestellt, sich danach über den ernsten Hintersinn seine Gedanken zu machen.

Dass Banken sich verzocken und den pontevedrinischen Staat in der Operette an den Rand des Bankrotts bringen, kommt uns bekannt vor. Als dann in der Pariser Botschaft des Fantasiestaates eine millionenschwere Witwe auftaucht, deren Geld an einen der Pariser Freier verloren zu gehen droht, ist die Aufregung groß. Doch gelingt es der Witwe Hanna Glawari schließlich, die Liebe ihres einstigen Verehrers Graf Danilo zu reaktivieren, und so ist am Ende eine alte Liebe vielleicht, der Staat aber finanziell auf jeden Fall gerettet.

Die musikalische Leitung des melodienseligen Werkes liegt in den Händen des Intendanten und Dirigenten Peter Leonard. Er gibt mit den Musikern der Norddeutschen Philharmonie den Liebesduetten zarte Intimität, großen Ensemble-Nummern wie "Das Studium der Weiber ist schwer" mitreißenden Schwung, ohne dick aufzutragen. Und den Walzer, in dem das Liebesbekenntnis nicht gesungen, sondern getanzt wird, musiziert Leonard mit einer Erotik, die einem den Atem stocken lässt. Selten hat man ihn mit so sensibler Musikalität in Rostock erleben können.

Die Witwe Hanna singt die deutsch-guatemaltekische Sopranistin Anna Molina mit für die Operette etwas schwergängiger, aber klangreicher Stimme. Wenn sie mit dieser und "Vilja, o Vilja" das Auditorium zum Szenenapplaus hinreißt, wissen ihre Arme jedoch nicht, was sie tun sollen. James J. Kee hingegen führt jede Bewegung genau, so dass schon eine kleine Handbewegung große Emotionen transportiert. Und mit dem Schmelz seines sanften Tenors trifft er den Tonfall seiner Rolle überzeugend. Beifallsstürme erntete Nik Breidenbach als Intrigant Njegus, den Regisseur Mirko Bott "vom anderen Ufer" kommen lässt. Toll, wie ihm das - parodistisch - zu spielen gelingt. Auch singen kann er und tanzen, dass ganze Szenen mit ihm gewinnen. Dass Lisa Mostin die Rolle der jungen lebens- und sexlustigen Gattin des greisen Botschafters, von Franz Mewis im Rollstuhl vorgeführt, gut auszufüllen vermag, lässt sich denken. Zur Premiere wurde sie wegen starker Erkältung von Ulrike Maria Maier vertreten, die der Valencienne spielfreudig und mit makellos hellem Sopran Kontur verlieh. Ihr stand als Liebes- und Duettpartner Andreas Früh mit schlankem, in der Höhe mühelosem Tenor zur Seite. Einfühlsam ergänzte der Opernchor die musikalische Bühnenstimmung, hervorragend präpariert von seiner früheren Direktorin Ulrike Masopust. Die Tanzeinlage im Maxim kommt vom TanzTheater Bronislav Roznos. Zum Schluss gab es großen Jubel, Bravorufe und stehenden Applaus.

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