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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. September 2017 | 06:35 Uhr

Rostock : Bauplanungen für die ganze Welt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Unternehmen Inros Lackner betreut Milliarden-Projekt in Turkmenistan und steht kurz vor der Fertigstellung

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 08:00 Uhr

Ein Großprojekt im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro planen, bauen und im vorgegebenen Zeitplan fertigstellen: Nach den Erfahrungen mit dem Großflughafen BER, Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie hört sich das für deutsche Ohren fast wie ein Märchen an. Doch noch in diesem Jahr wird in Turkmenistan in der Hafenstadt Turkmenbaschi ein umfangreiches Hafen- und Werftbau-Projekt fertiggestellt, für das der Rostocker Generalplaner Inros Lackner zusammen mit der Rostocker Ingenieurtechnik Maschinenbau GmbH den Auftrag zur Gesamtplanung und Bauüberwachung erhielt.

„Im Juni 2012 begannen die Planungen, fünfeinhalb Jahre später wird nun die Übergabe sein“, sagt Uwe Lemcke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Inros Lackner. Im Hafen wird mit einem Umschlag von 25 Millionen Tonnen gerechnet. „Das ist vergleichbar mit dem von Rostock“, macht Lemcke die Dimension klar. Er ist Chef von rund 450 Mitarbeitern an 13 deutschen Standorten, die weltweit rund 400 Projekte in der Bearbeitung haben. 2016 erwirtschaftete Inros Lackner einen Umsatz von 45 Millionen Euro.

Das Hafenprojekt in der autoritär regierten Republik ist in die Idee einer modernen Seidenstraße eingebunden. Die antike Seidenstraße war schon vor Christi Geburt ein Netzwerk von Karawanenwegen, über das über Jahrhunderte hinweg Waren, Menschen und Ideologien transportiert wurden.

Vor einigen Jahren brachte Chinas Präsident Xi Jinping den Gedanken einer modernen Seidenstraße auf, mit dem Ziel, Ostchina besser zu entwickeln. Turkmenistan könnte dank seiner Lage mit China im Osten und der Türkei im Westen eine zentrale Rolle spielen.

„Projekte in dieser Größenordnung gibt es in Deutschland fast gar nicht mehr“, sagt Lemcke mit Blick auf den Hafen und auch die neue Autobahn, die dort unter Planungshoheit von Inros Lackner entsteht. 2015 kam der Auftrag für die 550 Kilometer lange Trasse, die die zwei Wirtschaftszentren Aschchabad und Turkmenbaschi verbinden soll. Von Turkmenbaschis neuem Hafen aus können die Laster über das Kaspische Meer nach Baku (Aserbaidschan) transportiert werden.

Das Tempo, mit dem solche Vorhaben realisiert werden, hängt laut Inros-Lackner-Direktor Torsten Retzlaff von den unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Parametern ab. Turkmenistan ist als präsidiales Staatssystem organisiert, das sich weitgehend von der übrigen Welt abschottet. Lemcke glaubt, dass mit der Umsetzung dieser großen internationalen Infrastrukturvorhaben auch eine politische Öffnung einhergehen wird. Der Auftrag sei im Rahmen eines internationalen Wettbewerbes erteilt worden und werde zusammen mit lokalen Partnern bearbeitet. Vorhaben dieser Größenordnung würden dort von einer Firma realisiert. In Deutschland gebe es etwa für Straßenbauten Dutzende Baulose und jede Brücke werde einzeln ausgeschrieben.

„Wir bekommen den Auftrag, die Infrastruktur in diesen Ländern voranzutreiben“, sagt Lemcke. „Wir sind neutrale Berater.“ Experten wie die von Inros Lackner würden gerufen, weil das Know-how für Großprojekte dieser Art unter einem Dach vereinigt ist. „Wir sind teurer als Einheimische, aber das weiß der Auftraggeber.“

 

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