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22. November 2017 | 19:08 Uhr

Baulöwen sollen Karten offen legen

vom

svz.de von
erstellt am 07.Nov.2011 | 08:37 Uhr

Warnemünde | In der nördlichen Alexandrinenstraße sind die Bauarbeiten deutlich in Verzug geraten. Nun ist unklar, ob die Baustelle noch vor dem Frost fertiggestellt werden kann. Der Leiter des Tief- und Hafenbauamtes, Heiko Tiburtius, möchte Klarheit schaffen. Er sagt: "Es gibt in der kommenden Woche voraussichtlich eine Gesprächsrunde mit allen an der Maßnahme Beteiligten. Die Baufirmen müssen klar bekennen, was sie vor einem möglichen Wintereinbruch noch realisieren und ob sie die komplette Straße bis zum Frost sanieren können."

Wie Tiburtius betont, werden die Anlieger über das Ergebnis der Runde sofort informiert. "Auf alle Fälle wollen wir keine Winterbaustelle einrichten. Das birgt einfach zu viele Gefahren. Im Notfall müssen die restlichen Meter bis hin zur Georginenstraße über den Winter noch im bisherigen Zustand verbleiben", sagt Tiburtius. Er macht für die Verzögerungen nicht nur den starken Dauerregen, sondern auch die zahlreichen Überraschungen unter der Erde verantwortlich. "Etliche Medien lagen völlig anders als entsprechend den Plänen erwartet", so der Amtsleiter. Ein Beispiel hierfür seien die Trinkwasseranschlüsse, die in einer Tiefe zwischen 1,80 und 2,50 Meter gefunden wurden. Das ergebe zusätzliche Leistungen, mehr Erdaushub. In der Folge könnten zeitliche Abläufe nicht eingehalten werden. Ein weiterer unerwarteter Punkt war ein zusätzliches Lehrrohr-Paket, das die Telekom verlegt hat. "Natürlich ist es richtig, perspektivisch zu denken. Aber wenn die Entscheidung spät folgt, bringt das den Bauablauf durcheinander", so Tiburtius.

Die sich verzögernden Bauarbeiten sind es nicht allein, die die Anwohner an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen und verärgern, sagt Dr. Thomas Pitsch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Trotz anders lautender Versprechungen wurden eine Kastanie und eine Linde in dieser Straße gefällt", kritisiert der Rostocker das städtische Grünamt. Dr. Stefan Neubauer, Leiter des Rostocker Grünamts, erklärt: Die Bäume mussten aus Gründen der Verkehrssicherheit weichen. Zuvor erarbeitete Gutachten aus der Feder eines unabhängigen Baumsachverständigen waren noch davon ausgegangen, dass Kastanie und Linde erhalten werden könnten. "Aber gerade dort, wo der Experte die Erde nicht aufgegraben und nachgeschaut hat, haben sich in der Realität die meisten Wurzeln befunden", sagt Neubauer. Das Amt habe die Fällgenehmigung nicht leichtfertig erteilt, sondern vor Ort mit den Bauleuten und dem Baumsachverständigen die Sachlage diskutiert. Auch wenn die Empfehlung des Baumexperten in diesen Fällen von der Realität eingeholt worden ist, will der Amtsleiter auch in Zukunft nicht auf Vorab-Gutachten verzichten. "Sie sind in jedem Fall eine Orientierungshilfe", sagt Neubauer. Ein weiterer großer Baum steht vor dem Restaurant "Zur Traube" von Josef und Christian Mohorn. Die Bauarbeiter sind mittlerweile bis an die Gaststätte herangerückt. Erst vor der Tür haben sie Halt gemacht. "Denn auch an dem Baum neben unserer Terrasse liegen die Gas- und Wasserleitungen ganz dicht dran. Andererseits waren die kürzlich gefällten Bäume viel zu groß für die enge Straße. Vielleicht pflanzt man jetzt andere", sagt Christian Mohorn.

Der Anwohner wünscht sich, dass die Baumaßnahme so schnell wie möglich komplett abgeschlossen wird. "Ich habe ja noch Glück gehabt, dass die Baustelle erst im September bis an unser Haus herangerückt ist und wir über den Sommer die Terrasse noch nutzen konnten", sagt Christian Mohorn. Seit einigen Wochen sei nun gar kein Betrieb mehr in der Gaststätte. Die Fahrbahn ist aufgerissen, der Gehsteig nur noch ein schmaler, schlecht beleuchteter Weg. Da hätten ältere Menschen seiner Ansicht nach gar keine Chance, ohne zu stolpern dort entlangzugehen. Der Warnemünder hat beim Blick vor die Haustür auch ein etwas mulmiges Gefühl. "Wenn hier Rettungsfahrzeuge hindurch müssten, ich weiß nicht, wie das gehen soll. Wirklich, hier sollte die Bauerei schnell einen Abschluss finden", fordert der Gastronom.

Dieser Forderung schließt sich auch Martina Jannutsch an. Die Inhaberin des Wirtshauses und der Pension "Alabama" weiß zu berichten, dass der Baulärm ihre Erholung suchenden Gäste nervt. "Angeblich soll es kein sehr kalter Winter werden. Da wäre es doch nicht gerechtfertigt, wenn hier alles ruhen und erst im Frühjahr mit Beginn der Hauptsaison die Bauerei wieder starten würde", sagt Jannutsch. Sie bedauert es sehr, dass die Kastanie und die Linde fallen mussten. "Der Anblick war schön. Die direkten Anwohner allerdings sind vielleicht froh über die Fällung der Bäume, die ja auch Schäden hinterlassen haben", vermutet sie.

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