Petriviertel Rostock : Bauherren wehren sich

So stellt sich die BG Neptun ihre zwei neuen Mehrfamilienhäuser mit 70 Wohnungen und Balkonen vor. Der Bauausschuss kritisiert formale Überschreitungen.
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So stellt sich die BG Neptun ihre zwei neuen Mehrfamilienhäuser mit 70 Wohnungen und Balkonen vor. Der Bauausschuss kritisiert formale Überschreitungen.

WG Warnow und Altstadtkieker werfen der Stadt vor, die BG Neptun durch Ausnahmen vom B-Plan zu bevorzugen

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01. Juni 2016, 05:00 Uhr

„Unter den Bedingungen würden wir als Erster nie wieder so ein Bauprojekt entwickeln“, sagt Hagen Hildebrandt. Der Vorstandsvorsitzende der WG Warnow hat mit der Genossenschaft im Petriviertel östlich der Stadtmauer gebaut. Die Mieter der 118 Wohnungen sind längst eingezogen. Im gleichen Jahr wie Hildebrandt, 2010, hatte auch die BG Neptun gekauft – mit der gleichen Bebauungsverpflichtung: Baustart bis 2013. Nur passiert ist noch nichts. „Wer nicht baut, muss das Grundstück eigentlich wieder zurückgeben“, so Hildebrandt.

Und dagegen, wie die BG Neptun nun doch bauen will, wehren sich Hildebrandt und die zweiten Nachbarn auf dem Areal, die Altstadtkieker. Ihre Projekte hatte das Bauamt von einzelnen Vorgaben des Bebauungsplans befreit – allerdings aus Hochwasserschutzerwägungen und in geringem Maße.

Beim Vorhaben der BG Neptun sind es fünf Ausnahmen in stärkerer Form, die die Stadt zugesteht. Die BG will zum Beispiel 1,7 Meter höher bauen, mit Balkonen über den Grundstücksgrenzen und breiter. Deren Bauvorhaben wird mit dem der Altstadtkieker in einem U stehen, wobei letztere die kurze Seite bebauen. Die Schenkel des Us will die BG Neptun um zwei und drei Meter weiter in den Hof holen. Das bedeutet schlechtere Sichtachsen und einen kleineren Hof für die Altstadtkieker. „Das hat für uns das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Architekt Martin Pätzold von der Baugemeinschaft. Sie hatten ihr Grundstück 2015 gekauft, müssen bis Ende 2017 mit dem Bau beginnen. Ändern wollten sie ihre Planung nicht. „Wenn wir auch so tief bauen, hätten wir ja keinen Innenhof mehr“, sagt Pätzold. Für sein Projekt ergeben sich jetzt schlechte Sichtachsen durch die Planungen des Nachbarn.

Mit den Ausnahmen würde sich die BG Neptun 2000 Quadrater mehr rausschlagen, 70 statt 55 Wohnungen und damit 280 000 Euro mehr Mieteinnahmen im Jahr schätzt Hildebrandt ausgehend von der Annahme, dass der Quadratmeter zwölf Euro kosten soll. „Wir bauen für Genossenschaftsmitglieder und sind nicht auf Rendite orientiert. Aber wir versuchen, auch wirtschaftlich zu sein“, sagt er. Er sehe von der Stadt aus gesteuerte ungleiche Bedingungen.

Das Bauamt hat dem Bauausschuss und Ortsbeirat Zustimmung zum umstrittenen Projekt empfohlen. Ausnahmen vom festgelegten Bebauungsplan seien zulässig, wenn nicht die Grundzüge der Planung verletzt seien, hatte Amtsleiterin Ines Gründel ihre Haltung erklärt. Von ihrem Amt heißt es nur, dass nach dem Baugesetzbuch entschieden werden müsse, ob Befreiungen genehmigungsfähig sind, und dass zum Bauprojekt noch keine Entscheidung getroffen sei. Die beiden Gremien haben das für sich schon getan: ein klares Nein.

„Entweder das Bauvorhaben wird so zurückgewiesen und dann nur mit kleineren Abweichungen vom Bebauungsplan genehmigt oder – und eigentlich wäre das zwingend – ein Rückkauf wird durchgeführt“, sagt Hildebrandt. Das Projekt widerspreche sowohl Gestaltungshandbuch, als auch B-Plan, als auch der Grundstücksausschreibung. Die Altstadtkieker haben Widerspruch eingelegt: „Die Stadt sagt, das ist alles gar kein Problem, unser Rechtsanwalt sieht das ganz anders“, sagt Pätzold.

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