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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 08:28 Uhr

Sarmstorf : Bauern liefern Kartoffeln noch frei Haus

vom

In Rostock und Umgebung können sich Kunden Kartoffeln noch bis in die Küche oder den Keller liefern lassen, zumindest aber bis an die Haustür. Die Agrargenossenschaft Sarmstorf liefert die Knollen wie früher aus - nicht zuletzt wegen der niedrigen Preise im Handel.

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erstellt am 18.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Gerd Strübing hat es geahnt: Als der Landwirt seinen mit Kartoffeln beladenen Lkw in Rostock zum gewohnten  Stellplatz lenkt, warten dort schon mehr als 20 Kunden. „Die Schlange ist schnell abgearbeitet. Die meisten wissen was sie wollen“, ist sich der Mann von der Agrargenossenschaft Sarmstorf im Landkreis Rostock sicher. Kaum ist die Ladeklappe geöffnet, geht es los: Ein Zehn-Kilo-Sack Adretta, fünf Kilogramm Pellkartoffeln, fünf Kilo von den großen Kartoffeln. Kunde für Kunde bekommt mit ein paar freundlichen Worten seine Wunschkartoffeln. Das Angebot ist groß.

Fast jeder Kunde weiß, welche Sorte, welche Abpackgröße er will. Die meisten haben das Geld schon passend in der Hand. Viele kommen seit Jahrzehnten zum rollenden Kartoffellieferanten. „Die Kartoffeln schmecken einfach gut. Die sind frisch und nicht gewaschen. So halten sie sich länger“, sagt Gerhard Weidmann. Der über 70-Jährige aus einem Hochhaus in der Nachbarschaft reiht sich einmal monatlich in die Warteschlange ein und kauft immer so viel, dass es bis zur nächsten Lieferung reicht.

Mitunter springt Gerd Strübing auch von der Ladeklappe, um älteren Kunden die Knollen im Rollator zu verstauen. „Und wer gar nicht mehr mit schwerem Gepäck laufen kann, dem trage ich die Kartoffeln auch in die Küche oder in den Keller. Soviel Zeit muss sein“, sagt Strübing.

Er fährt nach einem festgelegten Tourenplan von Anfang September bis Juni. Einmal im Monat ist er zur selben Zeit am selben Ort. „Und das im Umkreis von über 50 Kilometer“, sagt Strübing. Sein Terminplaner weist rund um Güstrow nahezu alle Städte zwischen Wismar, Waren/Müritz und östlich bis hinter Rostock aus.   Vor 25 Jahren haben noch etliche Anbauer Einkellerungskartoffeln unmittelbar nach der Ernte frei Haus geliefert. Dieser Service ist inzwischen Geschichte. Der Aufwand sei zu groß, die Erlöse zu gering, der Handel habe das Geschäft kaputt gemacht, zudem hätten immer weniger Verbraucher geeignete Lagermöglichkeiten, heißt es dazu von Landwirten.

Anders in Sarmstorf: „Wir halten am Haustürgeschäft fest“, versichert der Chef der Agrargenossenschaft, Ulrich Behnke. „In unserer Lagerhalle am Stadtrand von Güstrow haben wir alle Möglichkeiten, die Knollen kundengerecht aufzubereiten und bis zur nächsten Ernte ausreichende Mengen vorzuhalten“, erklärt er. Auf den Feldern des Unternehmens sind in diesem Jahr auf 60 Hektar Kartoffeln gewachsen, das Gros davon sind Speisekartoffeln. „Nur, wenn wir die selbst vermarkten, erzielen wir einen angemessenen Gewinn. Der Handel zahlt einfach zu wenig, und die Kunden sind dankbar für regionale Angebote direkt vom Erzeuger. Zudem sichern wir so im Unternehmen Arbeitsplätze“, macht Behnke seine Rechnung auf.

Von den 34 Mitarbeitern ist rund die Hälfte direkt mit der Kartoffelproduktion befasst. Viele andere Betriebe im Land haben den Anbau dagegen aufgegeben. In diesem Jahr wurden in Mecklenburg- Vorpommern nur noch 11 800 Hektar mit Kartoffeln bestellt. Vor 25 Jahren waren es noch rund 100 000 Hektar.

Für den Geschäftsführer des Landessaatgutverbandes, Dieter Ewald, ist der stete Rückgang letztlich auch ein Problem für eine ausgewogene Fruchtfolge. Ohne Kartoffel wachse das Unkraut auf den Feldern enorm, argumentiert Ewald und wirbt für einen wieder zunehmenden Anbau. Bislang allerdings trotz zahlreicher Fördermöglichkeiten ohne Erfolg.

In Sarmstorf wurde eine gute Ernte eingefahren, wenngleich die Kartoffeln wegen des kühlen Frühjahrs und trockenen Sommers vergleichsweise klein geblieben sind, berichtet Behnke. In seiner Kartoffellagerhalle stehen daher auffallend viele Säcke mit Pellkartoffeln. Doch er freut sich: „Kleine Menge - großer Preis.2014 war es genau umgekehrt. Da haben wir eine Rekordernte eingefahren und am Ende draufgezahlt“, erinnert sich der Experte fürs Haustürgeschäft.

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