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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 04:50 Uhr

Am Wendländer Schilde : Bauarbeiter finden Skelette

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Beim Verlegen von Trinkwasserleitungen sind menschliche Gebeine geborgen worden. Woher sie stammen, lesen Sie hier.

von
erstellt am 13.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Östliche Altstadt Aufregender Knochen-Fund Am Wendländer Schilde: Bauarbeiter haben dort in der Nacht zu gestern gleich mehrere menschliche Skelette freigelegt. Eine genaue zeitliche Einordnung steht noch aus, aber schon jetzt ist klar, dass es sich um historische Gebeine handelt. Denn dort, wo heute Trinkwasserleitungen unter der Erde verlaufen, befand sich über Jahrhunderte hinweg einer der wichtigsten Rostocker Friedhöfe.

Dr. Karsten Schröder, Leiter des Stadtarchivs der Hansestadt, kann die Existenz des Pfarrfriedhofs der Nikolaigemeinde historisch genauer einordnen. „Bereits um 1257 könnten dort die ersten Bestattungen stattgefunden haben“, sagt er. 1831 sei der Gottesacker geschlossen worden, da „das Begraben von Leichen innerhalb der Stadtmauern hygienisch nicht mehr tragbar gewesen sei“, so Schröder weiter. Ab dann seien die Toten auf dem so genannten Alten Friedhof beerdigt worden, dem heutigen Lindenpark.

„Auf der nördlichen Seite der Nikolaikirche ist dies der erste Fund“, sagt Stadtarchäologe Ralf Mulsow. Ganz überraschend kommt die Entdeckung trotzdem nicht: „Südlich der Nikolaikirche sind bereits vor zehn Jahren während der Umgestaltung des Platzes 50 bis 100 Skelette gefunden worden“, so Mulsow. Diese hätten tief in der Erde gelegen, teilweise mit Beigaben, einige seien dem Mittelalter zuzuordnen gewesen. Die um die Nikolaikirche ansässige Stadtbevölkerung sei dort bestattet worden, erläutert der Archäologe. Die Wohlhabenderen hätten meist in der Kirche ihre letzte Ruhe gefunden, während ärmere Menschen eher außerhalb zu finden seien.

„Zur Datierung kann ich noch nichts sagen, denn wir sind dieses Mal auf keine Grabbeigaben gestoßen“, so Janine Zorn, Grabungsleiterin vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege. Ihr Rostocker Kollege Mulsow wagt dennoch eine erste Einschätzung und mutmaßt trotz der fehlenden Beigaben, dass die Gebeine aus der frühen Neuzeit stammen. Eine exakte Datierung sei auch deshalb schwierig, weil „Knochen fast unbegrenzt haltbar sind.“

Die Skelette entdeckt hatten Bauarbeiter, die im Auftrag der Eurawasser Nord GmbH Am Wendländer Schilde tätig sind. Unternehmenssprecherin Gabi Kniffka sagt: „Nach dem Fund wurden die Arbeiten der von uns beauftragten Tiefbaufirma eingestellt und das Landesamt für Denkmalpflege kontaktiert.“ Um den Zeitplan einzuhalten, werde sich das Unternehmen zwischenzeitlich der Erneuerung des Trinkwasseranschlusses direkt an der Nikolaikirche widmen. Über das weitere Vorgehen im unmittelbaren Fundbereich soll in Abstimmung mit den Archäologen entschieden werden. Diese planen nun, die freigelegten Skelett-Teile, die von bis zu fünf Personen stammen könnten, wieder in der Nähe zu bestatten. Anschließend könnten die Arbeiten zur Verlegung der Trinkwasserleitung fortgesetzt werden, sagt Ralf Mulsow.

 

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