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Norddeutsche Neueste Nachrichten

16. Dezember 2017 | 23:36 Uhr

Verkehr : Barrierefreiheit: Rostock ist Vorbild

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hansestadt gestaltet Straßen, Wege und Plätze barrierefreier als andere Kommunen / Regelwerk für den Bau wird gerade überarbeitet

Sicher die Straßenseite wechseln, einen Kreisel passieren, in den Bus steigen – für Seh- und Gehbehinderte eine Herausforderung. In Rostock wird es ihnen immerhin leichter gemacht als anderswo in MV. „Wir haben eine Vorreiterrolle“, sagt die Behindertenbeauftragte Petra Kröger.

Der Bürgerbeauftragte des Landes, Matthias Crone, gibt ihr recht. „Rostock ist weiter als andere Städte im Land, auch als andere Städte in Deutschland.“ Die Hoffnung vieler Engagierter ist eine landes- oder deutschlandweite Vereinheitlichung von Regeln, damit sich Menschen mit Behinderung überall an den gleichen Maßgaben orientieren können. Im Gespräch: eine Vereinheitlichung nach Rostocker Vorbild. Denn: Andere Kommunen des Landes, Ämter, andere Beauftragte holen sich längst Hinweise aus Rostock – wo welche Rampen oder Markierungen passend sind.

In der Hansestadt gibt es schon seit 2010 ein einheitliches Regelwerk für den Straßenbau, die Richtzeichnungen „Barrierefreies Bauen auf öffentlichen Verkehrsflächen“. Sie geben Mindeststandards für öffentliche Straßen, Geh- oder auch Radwege vor. Es sind Reglungen für Bordsteinhöhen, die Markierung von Treppen, Übergänge oder auch Haltestellen erfasst. Gerade passt Ute Wieckowski vom Tief- und Hafenbauamt die neuen DIN-Vorschriften an. Die Struktur für Kreisel ist auch aufgenommen. Änderungen betreffen zum Beispiel die Rippentalbreite der weißen taktilen Platten im öffentlichen Raum. Sie weisen Sehbehinderten den Weg. Sie können ertasten, wie die Platten verlegt sind, so erkennen, wo der Fußgängerweg endet. „Die Kugeln an den Langstöcken sind größer geworden“, sagt Kröger. Daran werden die Plattenmaße angepasst.

Die überarbeiteten Richtzeichnungen wird Kröger anderen Behindertenbeauftragten im Land schicken. Bausenator Holger Matthäus (Grüne) wird sie seinen Kollegen vom Deutschen Städtetag zukommen lassen. „Darauf kann man schon stolz sein“, sagt er. Ein Manko sieht er in der Stadt: „Es gibt noch keine einheitlichen Vorschriften für kommunalen Hochbau.“ Die seien noch ein Ziel. Allerdings bekommt Kröger jetzt schon alle Bauunterlagen – sowohl für öffentliche Fläche als auch Gebäude. Die Beteiligung der Behindertenbeauftragten hat die Rostocker Bürgerschaft per Beschluss fixiert. Sie eruiert Bau-Unterlagen mit dem Behindertenverband und dem Beirat für behinderte und chronisch Kranke. Die Zusammenarbeit mit den Ämtern sei erfolgreich, meint Kröger. So schätzt das auch Bürgerbeauftragter Crone ein. Die Tatsache, dass es eine hauptamtliche Beauftragte gibt, und der ehrenamtliche Beirat gut eingebunden ist, brächte im Wesentlichen den Erfolg. Das sei nicht in allen Städten so und in den wenigsten Landkreisen.

Schon seit 17 Jahren kämpft Kröger in Rostock für jeden Bau, um ein Maximum an Barriefreiheit zu erreichen. Sie hat immer mehr Mitspracherecht bekommen. „Es hat ein Umdenken gegeben“, sagt sie. „Es passieren noch Fehler, aber in der Regel läuft alles ganz ordentlich.“

Zahlen und Fakten

19 000 behinderte und chronisch kranke Menschen leben in Rostock.
Der Beirat für sie hat sich 2003 gegründet. Er hat 70 Mitglieder, die in fünf Arbeitsgruppen tätig sind.

Die Behindertenbeauftragte unterstützt den Beirat. Im Büro arbeitet sie mit einer Kollegin und Praktikanten.

Hilfen im öffentlichen Verkehr: farblich abgehobene Geh- und Radwege, ertastbare

Begleitstreifen, erhabene Piktogramme (wie Aufschrift Bus), abgesenkte Bordsteine, Noppen- und Rippenplatten











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