Barocke Überraschung im Gutshaus

Die historische Malerei auf den Holzbrettern ist gut erhalten, wie Marie-Kristin Ziesmer beim Reinigen feststellt.Rebekka Poesch
Die historische Malerei auf den Holzbrettern ist gut erhalten, wie Marie-Kristin Ziesmer beim Reinigen feststellt.Rebekka Poesch

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08. November 2010, 06:14 Uhr

Dummerstorf | Mit einem Trockenreinigungsschwamm fährt Marie-Kristin Ziesmer über die 13 verstaubten Holzbretter. Der Dreck fällt in Krümeln ab. Darunter kommen geschwungene Linien aus weißer, grauer und schwarzer Leimfarbe zum Vorschein. "Stilelemente des Barocks", sagt die 20-Jährige. Seit September macht sie bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Bad Doberan ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege. Die Arbeit im Gutshaus Dummerstorf ist ihr erstes eigenes Projekt. "Wir gehen davon aus, dass es sich bei den Brettern um eine Wandverkleidung aus dem 18. Jahrhundert handelt", sagt Marie-Kristin Ziesmer. Denn aus dieser Zeit stammt auch das Haus selbst.

Die mecklenburgische Adelsfamilie von Preen ließ das Gebäude zwischen 1714 und 1717 errichten. 1780 folgten Kavaliershäuser an der West- und Ostseite. Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie so sehr, dass Victor von Preen den Besitz 1905 an den deutsch-amerikanischen Bankier Enrique Gildemeister verkaufen musste. Dieser modernisierte das Gut mit hohen Investitionen. Heute befindet sich der Komplex in den Händen einer Eigentümergemeinschaft, die das denkmalgeschützte Gebäude bewohnt und saniert.

Enge Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde

Beim Ausbau einer Wohnung im Obergeschoss hat Miteigentümerin Andrea Dührkoop die bemalten Bretter entdeckt - ein Fall für die Denkmalschutzbehörde. Alle Arbeiten im Gutshaus erfolgen in enger Abstimmung mit den Experten vom Amt, die dort in regelmäßigen Abständen einen Rundgang machen. Denn: "Wir sind Laien auf dem Gebiet", sagt die Dummerstorferin. Da im Laufe der Zeit viel umgebaut worden sei, gebe es hier jedoch nicht viel Altes zu entdecken - abgesehen von der Decke im Stucksaal und den kürzlich aufgetauchten Holzbrettern. Vermutlich sei die Wandverkleidung früher im Gartensaal angebracht gewesen. "Deshalb fände ich es schön, wenn sie auch dort wieder zu sehen sein würde", sagt Dührkoop. Gemeinsam mit den anderen Hausbewohnern hat sie den Verein "Kultur im Gutshaus" gegründet und will das Gebäude in Zukunft für Konzerte, Lesungen oder Filmvorführungen öffnen.

Für Marie-Kristin Ziesmer ist das Projekt in Dummerstorf eines von vielen. Seit sie mit ihrem FSJ bei der Unteren Denkmalschutzbehörde begann, war sie auch schon im Großherzoglichen Palais in Bad Doberan, im Schloss K in Klein Kussewitz sowie in der Dorfschule in Alt Bukow im Einsatz. Ihre Aufgaben: fotografien, maßstabsgetreu aufzeichnen und beschreiben. Schon seit der 7. Klasse weiß die Groß Kussewitzerin, dass sie Restauratorin werden will. Deshalb hat sie mehrere Praktika und - parallel zum Abitur - eine Berufsausbildung zur Denkmaltechnischen Assistentin absolviert. Doch damit nicht genug: Nun bereitet die 20-Jährige sich mit ihrem FSJ in der Denkmalpflege auf das Studium der "Restaurierung und Konservierung im Bereich der Wandmalerei und Architekturfarbigkeit" in Potsdam vor. Der Weg ist weit, doch der Beruf fasziniert sie nach wie vor. "Ich finde alte Gebäude total interessant", sagt sie.

Nachdem sie Brett für Brett mit dem Trockenreinigungsschwamm bearbeitet, ausgemessen und auf Schäden hin untersucht hat, packt Marie-Kristin Ziesmer ihre Sachen zusammen. Der praktische Teil ist hiermit erledigt, nun beginnt die Büroarbeit: die Dokumentation. Bevor sie das Gutshaus verlässt wirft die FSJ-lerin noch schnell einen Blick auf die Stuckdecke über ihr: "Toll, was man aus alten Häusern machen kann."

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