zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 14:27 Uhr

Bankdirektor zockt Kundin ab

vom

svz.de von
erstellt am 04.Feb.2013 | 09:42 Uhr

Rostock | Wegen des Vorwurfs der Untreue musste sich der ehemalige Filialleiter der Raiffeisen-Bank in Neubukow, Andreas N. (48), vor dem Landgericht Rostock verantworten. Er hatte sich vom Konto einer langjährigen Kundin einmal mit 25 000 Euro und etwas später mit 30 000 Euro bedient. Dafür war Andreas N. schon im Juli 2012 vom Amtsgericht Bad Doberan zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt worden. Aber dagegen hatten sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft Rostock Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten gefordert, der Angeklagte erwartete einen Freispruch.

Nun ging das Verfahren in die zweite Runde. Erneut bestritt der Angeklagte die Tatvorwürfe. So musste das Verfahren von vorne aufgerollt werden. Bei dem Geld handelte es sich um das Vermögen der inzwischen verstorbenen Anna A. aus Rerik. Der Angeklagte räumte am 8. Dezember 2006 zunächst 25 000 Euro ab und am 15. August 2008 noch einmal 30 000 Euro. Der damals 88-jährigen Kundin sagte er, dass das Geld im Safe der Bank liegen würde. Als die Sache anrüchig wurde, übergab er der Kundin 15 000 Euro in bar, die sie auf der Bank in Rerik einzahlen sollte. Dazu fuhr er mit ihr zur Bank, blieb aber selber im Auto sitzen. Auch die zweiten 15 000 Euro brachte er ihr zurück, flehte sie unter Tränen an, nichts zu sagen und vor allem keine Anzeige zu erstatten. Das tat sie aber auf Anraten der Bank doch. 2010 kam die Sache ans Licht. Einer fristlosen Kündigung kam der Angeklagte jedoch zuvor, indem er selbst einen Antrag auf Auflösung des Arbeitsverhältnisses stellte. Seitdem ist Andreas N. als selbstständiger Finanzberater mit recht gutem Einkommen tätig.

Das Berufungsgericht nahm jeden Posten unter die Lupe. Die Auszahlungsquittungen lagen dem Gericht vor. Ebenso eine handschriftliche Vereinbarung vom August 2008, womit Anna A. dem Angeklagten 30 000 Euro geliehen habe, die er bis 2010 zurückzahlen sollte. Sogar die Sterbeurkunde der Geschädigten vom 12. August 2011 lag vor. Da die Tat lange zurückliegt, der Angeklagte nicht vorbestraft und eigentlich kein Schaden entstanden ist - die Raiffeisen Bank zahlte von sich aus die 25 000 Euro an ihre langjährige Kundin zurück -, schlug der Vorsitzende Richter die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vor. "Solch ein Angebot kommt von mir nur einmal", sagte er dem Angeklagten, der noch immer auf einen Freispruch hoffte.

In einer Prozesspause ließ er sich von seinem Verteidiger umstimmen. So wurde das Verfahren gegen eine Zahlung von 3600 Euro vorläufig eingestellt, dem auch die Staatsanwaltschaft zustimmte. Hinzu kommen die 25 000 Euro, die die Raiffeisen-Bank an die Geschädigte zurückgab. Die sind vom Angeklagten ebenfalls noch zu zahlen. Andreas N. erlernte den Beruf eines Müllers, bevor er in der Raiffeisen-Bank Güstrow zum Banker ausgebildet wurde und in Neubukow den Posten des Filialleiters übernahm.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen