Baby in Rostock ausgesetzt

svz.de von
19. Juli 2012, 08:13 Uhr

Rostock | Nur wenige Stunden nach seiner Geburt ist ein Baby in der Nacht zu gestern in einem Rostocker Hausflur ausgesetzt worden. Bewohner eines Hochhauses im Stadtteil Schmarl fanden den zu diesem Zeitpunkt vier bis sechs Stunden alten Jungen, nachdem an ihrer Wohnungstür geklingelt worden war. Sie riefen Polizei und Notarzt zu Hilfe. Dem Kind geht es ersten Untersuchungen zufolge gut, es befindet sich derzeit in der Obhut des Jugendamtes und wird im Südstadtklinikum betreut.

Aufgrund der nicht fachmännisch durchtrennten Nabelschnur geht die Polizei davon aus, dass es sich um eine heimliche Geburt handelt. Hinweise auf Komplikationen bei der Entbindung gibt es laut Klinik nicht. Dennoch befindet sich das Kind zur Beobachtung auf der Neugeborenenintensivstation.

Die Polizei sucht unterdessen mit Hochdruck nach der Mutter, auch wenn nicht klar sei, ob diese überhaupt zur Verantwortung gezogen werden kann. Schließlich stehe es auch nicht unter Strafe, Babyklappen in Anspruch zu nehmen oder sein Kind anonym zur Welt zu bringen, so eine Sprecherin. Ein noch in der Nacht eingesetzter Fährtenhund hatte die Spur der Mutter schon in der Nähe des Fundhauses verloren. Auch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass das Kind in einer Beziehung zu Bewohnern des Hauses steht, in dem es abgelegt wurde. Die Staatsanwaltschaft überprüft nach Worten ihres Sprechers Andreas Gärtner derzeit, ob die Straftat der Kindesaussetzung vorliegt. Dies könne der Fall sein, wenn ein Kind in eine hilflose Lage gebracht oder der Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung beziehungsweise des Todes ausgesetzt wird. "Aufgrund der vorliegenden Umstände könnte das aber zweifelhaft sein", sagte Gärtner.

Die Polizei erhofft sich aus der Bevölkerung Hinweise auf eine hochschwangere Frau, die offensichtlich entbunden hat, aber ohne ihr Baby unterwegs ist. Außerdem könnte die Kleidung des Jungen wichtige Indizien zur Identität der Mutter liefern. Als er gefunden wurde, war er mit einem rosa-weiß geringelten langärmeligen Strampelanzug angezogen. Darüber hinaus war er in einen abgenutzten gelben Schlafsack mit der Aufschrift "Geboren im Klinikum Südstadt Rostock" eingewickelt. Diese wurden bis Anfang des Jahres als Geschenk des Klinikums an die Mütter verteilt. Eventuell ist der Schlafsack im Bekannten- oder Verwandtenkreis weitergegeben worden. Das Baby war zudem mit je einer orangefarbenen und einer beigen Wolldecke eingewickelt.

"Wir haben einen Amtsvormund eingesetzt und die Adoptionsvermittlungsstelle eingeschaltet", sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Das sei der gesetzlich geregelte Ablauf in einem solchen Fall. Das Wichtigste sei aber, dass es dem Jungen gut gehe.

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