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Archäologie-Schau in Güstrow : Ausstellung zu: Kein Geld für Wachen

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Die Archäologie-Schau in Güstrow ist geschlossen. Das Bildungsministerium hatte nur bis Ende 2011 Geld für die Bezahlung des Wachpersonals zur Verfügung gestellt. Das Staatliche Museum Schwerin schloss die Schau.

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2012 | 07:40 Uhr

Schwerin/Güstrow | Ist die Ausstellung "Pipeline" mit Bodenfunden aus dem Bau der Erdgastrassen Opal und Nel im Schloss Güstrow eine Veranstaltung auf Dauer - oder nicht? Darüber sind sich das für das Schloss zuständige Staatliche Museum Schwerin und das Kultusministerium anscheinend nicht einig. Die Schau, ein Projekt des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, sei nur bis Ende 2011 geplant gewesen, sagt Museumschef Dr. Dirk Blübaum. Das Bildungsministerium dagegen vertritt die Auffassung, dass es kein terminiertes Ende gebe. "Es ist nicht ausdrücklich eine Dauerausstellung, aber es gibt kein Enddatum", sagte Ministeriumssprecherin Johanna Hermann auf Anfrage unserer Zeitung. Derzeit ist die Schau geschlossen, weil die Finanzierung durch das Kultusministerium zum Jahresende ausgelaufen ist. Von einem Streit wollen beide Seiten nichts wissen. "Den hat es nie gegeben", so Hermann. Museumschef Blübaum erläutert, Grund für die Schließung seien Sicherheitsbedenken: "Ohne Geld kein Wachpersonal, es wäre unverantwortlich, die Ausstellung dann offen zu lassen." Im Ministerium arbeitet man an einer Lösung. Bis zum Frühjahr solle sie sichergestellt sein, damit die 250 Quadratmeter große Ausstellung zum Beginn der Tourismussaison wieder öffnen könne, ließ Minister Brodkorb auf Anfrage unserer Zeitung mitteilen.

Die Ausstellung, die Funde von der Urgeschichte bis zum Zweiten Weltkrieg zeigt, ist an sich kein Grund für Streit. Öffentlichkeit und Politik reagieren aus einem anderen Grund so sensibel. Hintergrund: Kultusminister Henry Tesch (CDU) hat seinem Nachfolger Mathias Brodkorb (SPD) einige Baustellen hinterlassen - auch das Dauerthema Archäologisches Landesmuseum. Das gibt es nämlich nicht mehr, seit es vor fast zwei Jahrzehnten es aus dem Schweriner Schloss ausziehen musste. Seitdem quellen die Depots über vor einzigartigen Funden- und bei jedem Bauprojekt, erst recht bei einem Mammut-Unternehmen wie der Erdgastrasse, kommen neue Stücke dazu. Lediglich der Slawenburg Groß Raden (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ist eine dauerhafte Archäologie-Ausstellung angeschlossen. Im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald werden Fundstücke aus diesem Landesteil ausgestellt. Und in Rathäusern oder kommunalen Museen sind Leihgaben zu sehen.

Der damalige Bildungsminister Tesch hatte bei der Eröffnung der "Pipeline"-Ausstellung durchblicken lassen, er könne sich das Schloss als Archäologiemuseum vorstellen: "Man braucht ein Zentrum. Und in der Mitte des Landes ist man in Güstrow." Dass die Schau kein Enddatum habe, wollte er damals aber nicht als Vorentscheidung verstanden wissen.

So eine Entscheidung würde auch die Planungen des Staatlichen Museums komplett durcheinanderbringen. "Eine Archäologie-Dauerausstellung widerspricht dem geltenden Nutzungskonzept für Schloss Güstrow", sagt Dr. Blübaum. Dort solle die Epoche der Renaissance im Mittelpunkt stehen. Als Gastveranstaltung sei "Pipeline" vorerst kein Problem und könne, wenn die Finanzierung geklärt sei, durchaus wieder öffnen. Allerdings, so der Museumschef, habe Kultusminister Tesch seinerzeit bei den Planungen immer von einem Enddatum 31. Dezember 2011 gesprochen. "Das Problem ist der Raum", sagt Blübaum. Zwar sei in den Planungen für Güstrow ein Bereich für Wechselausstellungen vorgesehen. Aber die Sanierung des Schlosses sei auf das Jahr 2014 verschoben, für die Schau habe man Depotflächen räumen müssen: "Die Ausstellung verschärft also das Platzproblem." Zumal der Depot- und Werkstätten-Komplex für Archäologen und Staatliches Museum in Schwerin noch nicht gebaut sei. Aber Blübaum betont auch: Von einer Umwidmung des Schlosses in ein Archäologisches Landesmuseum wisse er nichts.

Bildungsminister Brodkorb wollte die damaligen Gedankenspiele seines Amtsvorgängers nicht kommentieren. Er werde sich mit dem Thema Archäologisches Landesmuseum befassen, ließ er mitteilen, sich aber zuvor mit den zuständigen Fachleuten austauschen.

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