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20. Oktober 2017 | 01:50 Uhr

Ausnahmsweise Geburtstag feiern

vom

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erstellt am 03.Aug.2010 | 07:34 Uhr

Rostock | Sie ist ein Rostocker Original. Mit ihrem langen blonden Zopf und ihrem herrlichen Sinn für Komik bereichert die Sängerin seit 33 Jahren das Volkstheater Rostock. Das Publikum schätzt die Solistin für ihre Wandelbarkeit. Heute feiert Gabriele Schwabe ihren 65. Geburtstag. Dabei: So ein richtiger Feier-Typ sei sie gar nicht, gibt die Jubilarin zu. Und außerdem: "Ich bin es gar nicht gewohnt."

Normalerweise sei Anfang August immer Urlaubszeit im Theater gewesen. Und auch die Schulferien verhinderten in der Jugend die große Sause zum jährlichen Ehrentag. "Erst zum zweiten Mal feiere ich mit den Kollegen." Und mit dem Publikum. Denn die Rostocker können Schwabe heute Abend auf der Bühne in der Halle 207 erleben. Dann spielt sie in der Revue "Ahoi!" die Gästebetreuerin Margot Mommsen. An der Seite von Franz Mewis, der den Kapitän der MS "Volkstheater" mimt, wird sie für schallendes Lachen und Freudentränen in den Augen der Theaterbesucher sorgen.

Eine Lieblingspartie habe sie nicht, gibt Schwabe zu. "In letzter Zeit bekomme ich sehr unterschiedliche Rollen. Diese Bandbreite finde ich toll", schwärmt die Sängerin. "Gerade in meinem Alter rechnet man damit nicht. Mehr kann ich mir nicht wünschen." Theater - das sei ihr größtes Hobby. Zur Ruhe setzen wolle sie sich daher auch gar nicht. Zwar tritt Schwabe nun ins Rentenalter ein: "Aber als Gast oder mit eigenen Programmen werde ich sicher weitermachen." Die kommende Spielzeit ist sie sowieso noch am Volkstheater beschäftigt.

Die Liebe zum Theater liegt Schwabe im Blut. Ihre Großeltern waren Opernsänger, ihre Eltern Schauspieler. Ihr Vater, Willi Schwabe, moderierte die DDR-Fernsehsendung "Rumpelkammer". "Das war ein Straßenfeger", meint die Tochter. Eigentlich sei er ja Brecht-Darsteller gewesen: "Aber damit wird man nicht populär." Sie selbst habe sich an der Deutschen Komödie Berlin mit dem Theater-Virus infiziert. Dort habe sie als Kind viele Stücke gesehen. Vor allem ein Tenor und ein Koloraturen-Sopran hätten es ihr damals angetan. "Die waren fantastisch, vor allem spielerisch. Das interessiert mich sowieso mehr - das Spielen. Singen ist für mich Handwerk."

Und das muss auch nach einer jahrzehntelangen Laufbahn noch täglich geübt werden. "Die Stimmbänder sind Muskeln. Das merke ich vor allem nach den Ferien", erzählt Schwabe. Im Urlaub fährt sie gern nach Südtirol. Dann geht es mit Wanderstock und Bergschuhen raus in die Natur. Die Sängerin ist gern schnell unterwegs, immer in Aktion. Wenn es beruflich etwas ruhiger wird, möchte sie zurück nach Berlin. "Das ist einfach mein Zuhause. Dort herrscht ein anderes Tempo, ein anderes Flair." Dort ist sie geboren, aufgewachsen und dort hat sie gearbeitet, bevor es die Solistin nach Greifswald, Halberstadt und später nach Rostock verschlug.

Das Theater bestimmt Schwabes Leben. "Ich mag es, den Leuten zu zeigen, wie schön, spannend oder aufregend ein Stück ist", sagt die 65-Jährige. Und wenn es dem Publikum gefalle, könne das schon süchtig machen. Früher habe sie oft die Liebende gespielt: "Und ich bin sehr viel gestorben auf der Bühne." Viele Partien aus Opern von Verdi und Puccini hat Schwabe gesungen. "Aber Mozart läuft bei mir außer Konkurrenz. Der ist auf jeden Fall mein liebster Komponist." Aufregende Zeiten hat es für Schwabe am Volkstheater gegeben. Unter Perten habe es viele schöne Momente gegeben. Nach der Wende sei es hart gewesen: "Da blieben auf einmal Vorstellungen leer, die sonst ausverkauft waren", berichtet Schwabe. "Die Leute hatten andere Sorgen." Zum Glück sei das mittlerweile besser geworden. Oft habe sie sich neu erfinden müssen. Und trotzdem bleibt Gabriele Schwabe ein Rostocker Unikat.

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