Aufruhr unter den Kleingärtnern

<strong>Schnee schippen zu Ostern: </strong>Vorstandsmitglied Klaus Saupe hofft, dass  der Lenz endlich Einzug hält. Sogar die Frühjahrsblüher sind weitgehend noch unter dem eisigen Weiß versteckt. Foto: Eckhard Hamann
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Schnee schippen zu Ostern: Vorstandsmitglied Klaus Saupe hofft, dass der Lenz endlich Einzug hält. Sogar die Frühjahrsblüher sind weitgehend noch unter dem eisigen Weiß versteckt. Foto: Eckhard Hamann

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29. März 2013, 05:06 Uhr

Warnemünde | Mächtig sauer sind die meisten der 377 Mitglieder der Kleingartenanlage Werftblick, die 214 Parzellen bewirtschaften. Grund ist eine neue Abwasserverordnung aus dem Haus von Umweltminister Till Backhaus (SPD). Diese sieht vor, dass die Kleingärtner ihre Abwasseranlagen bis Ende 2013 erneuern müssen.

Bislang erfolgt die Entsorgung des Abwassers über Sickeranlagen, die künftig nicht mehr erlaubt sind und deshalb durch abflusslose Gruben ersetzt werden müssen. "Wir haben an den Landtag und an die Parteien geschrieben und auf das Problem hingewiesen. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Wir müssen die neue Verordnung bis zum Jahresende umsetzen", sagt Eckhard Ha-mann. Bislang, so der Vorsitzende der Kleingartenanlage Werftblick, wurden erst in rund 20 Gärten neue abflusslose Behälter eingebaut.

Älteren Mitgliedern fehlt das Geld

"Wie wir diese Verordnung in den nächsten Monaten umsetzen sollen, ist mir rätselhaft. Zumal da je nach Größe rund 1000 Euro Kosten auf jeden Gartenbesitzer für solch einen Abwassertank zu kommen. Da kann es schon sein, dass einige unserer älteren Gartenfreunde ihre Scholle aufgeben", vermutet Hamann, der seit 1999 einen großen Teil seiner Freizeit in der Gartenanlage verbringt. Urbar gemacht wurde die Moorfläche, die überwiegend von Mitarbeitern der Warnow-Werft bewirtschaftet wurde, erst im Jahre 1986.

Ziel der 377 Mitglieder ist es, die Gemeinnützigkeit der Anlage zu erhalten. "Für uns heißt das, alle Auflagen zu erfüllen, ja auch mal ein ernstes Wort mit Gartenfreunden zu reden, die eben nicht zwei Drittel ihrer Scholle bewirtschaften oder diese vernachlässigen. Das fällt uns spätestens dann auf die Füße, wenn Vertreter unseres Verbandes und des Amtes für Stadtgrün als Verpächter der Fläche eine Kontrolle vornehmen und Kritik üben", sagt der 60-Jährige. Dabei stehen sowohl der Bewuchs als auch die Baulichkeiten im Fokus. Beispielsweise sind überdachte Terrassen ebenso wenig erlaubt wie Lauben, die größer als 24 Quadratmeter sind. Aus DDR-Zeiten gibt es noch Gartenhäuser, die eine Fläche von rund 30 Quadratmetern umfassen. Wechselt aber der Pächter, gelten die neuen Regelungen.

Gutes Miteinander steht an erster Stelle

"Glücklicherweise halten sich die meisten unserer Gartenfreunde im Interesse eines guten Miteinanders daran. Wir wollen hier ja keinen Stress, sondern uns aktiv erholen", sagt der Vorsitzende. Gern spricht er von der jährlichen Leistungsschau, während der nicht nur Obst und Gemüse präsentiert werden. Denn es wird auch gemeinsam gegrillt und ein Preisskat ausgetragen. Für Kinder gibt es Spiele und für die Großen einen Tanzabend. "Geselligkeit gehört einfach dazu", sagt Hamann.

Der Vorsitzende freut sich besonders darüber, dass das Interesse junger Menschen wieder zunimmt. Das sieht er als deutliches Zeichen dafür, dass die Laubenpieper im Land eine gute Zukunft haben. "Auch wenn die Hansestadt Rostock die Pacht deutlich erhöht und sich viele unserer Mitglieder darüber geärgert haben: Ein Grund zum Aufgeben ist das nicht", betont Hamann.

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