Rostock : Aufregung im Missbrauchsprozess

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Sachverständige tritt von ihrem Gutachten zurück

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02. Februar 2018, 20:45 Uhr

In dem Prozess gegen den Rostocker Ronny W. (38) wegen sexuellen Missbrauchs eines zehnjährigen Mädchens im Jahre 2013 gab es jetzt eine handfeste Überraschung: Die Hamburger Diplom-Psychologin Gabriele Teichert trat von ihrem vorläufigen Gutachten über das inzwischen 14-jährige Mädchen, das sie dem Gericht im November 2017 eingereicht hatte, zurück.

Im Verlauf der Hauptverhandlung seien umfassende Erkenntnisse über das familiäre Szenario zu Tage gekommen, die vorher nicht bekannt waren, sagte die Psychologin. Sie sprach von Belastungstendenzen im Aussageverhalten der jetzt 14-Jährigen. Das Kind sei immer auf Augenhöhe mit der Mutter und in alle Geschehensabläufe in der Familie involviert gewesen. Es hätte mit dem widerspruchsvollen Verhalten der Mutter zu dem Angeklagten nicht umgehen können und habe ihn gehasst.

Die Psychologin schloss eine Rollenumkehr nicht aus. Das Kind hätte die Denkweise der Mutter übernommen. Da es der Mutter nicht gelang, sich von ihrem brutalen Partner zu trennen, hätte es die Tochter eben machen müssen.

In keiner Befragung hätte das Mädchen vollständige Angaben gemacht, sei oft unsicher gewesen. Die Anzeige gegen den Angeklagten sei gegen den Willen des Mädchens gemacht worden. Die Gutachterin räumte zum Schluss aber ein, so wie ihr schriftliches Gutachten eine Hypothese sei, wäre es auch ihre jetzige Einschätzung. Der Verteidiger des Angeklagten nutzte diese Situation für einen Antrag auf die Befragung eines neuen Zeugen, der die Glaubwürdigkeit der Mutter des mutmaßlichen Opfers erschüttern soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ronny W. vor, in der Zeit von Mitte 2013 bis zum 9. Januar 2014 an der damals zehnjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin nicht nur sexuellen Missbrauch begangen, sondern sie auch veranlasst zu haben, solche Handlungen an ihm selbst auszuführen sowie sich pornografische Filmszenen anzusehen.

Ronny W. bestreitet die Vorwürfe und spricht von einem Racheakt. Er hatte seine Partnerin am 9. Januar 2014 lebensgefährlich verletzt und war zu einer Haft von 15 Monaten verurteilt worden Das kleine Mädchen rettete damals seine Mutter, indem es den Notruf wählte. Am 12. Februar werden die Plädoyers erwartet.

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