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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. August 2017 | 03:21 Uhr

Tierschutz : Aufkleber-Aktion gegen Zirkus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Unbekannte überdecken Plakate mit „Abgesagt wegen Tierquälerei“. Möglicherweise ist das eine Aktion militanter Tierschützer.

Abgesagt wegen Tierquälerei? Diese Frage mögen sich Passanten vor dem Zirkus-Plakat Am Vögenteich gestern gestellt haben. Unbekannte hatten Werbeplakate überklebt – möglicherweise eine Aktion militanter Tierschützer, um dem Zirkus von Rüdiger Probst zu schaden.

Das Zirkus-Team ist empört. Geschäftsführer Andreas Bleßmann sagt: „Die Aufschrift ist Quatsch. Unsere Vorstellungen in Rostock finden alle statt.“ Die Tierhaltung sei hervorragend und werde regelmäßig von Behörden überprüft. Gegenwind von Tierschützern kennt Probst auch schon von Gastspielen in anderen Städten. Aber vielleicht steckt auch eine Verwechslung hinter dem Ganzen: Denn es gibt zwei Zirkusse Probst. Die negativen Berichte über fehlende artgerechte Tierhaltung bezögen sich laut Bleßmann auf den westlichen Zirkus von Reinhard Probst.

Der hiesige Zirkus versuche, sich durch sein goldgelb-blaues Logo mit Löwe und Tiger und der Unterzeile „Stätte guter Zirkuskunst“ von seinem Namensvetter abzugrenzen. Bei der Raubtierdressur sei laut Moderator Jan Bühring „noch niemand umgekommen“. Kranke Tiere kämen sofort zum Tierarzt, das Pflegepersonal sei gut ausgebildet, jeder Interessierte könne sich bei den Proben selbst ein Bild von der Arbeit mit den Tieren machen.

„Das Veterinäramt erwartet beim Zirkus Probst in Rostock keine Probleme, da am Werftdreieck eine Unterbringung mit Auslaufmöglichkeiten und Wiesenflächen angeboten werden kann“, so die stellvertretende Stadtsprecherin Kerstin Kanaa. Der Zirkus gastiere alle zwei Jahre in Rostock. Auch 2012 habe es keine tierschutzrechtlichen Verstöße gegeben – in einem der Tierbestandsbücher hat die Stadt Rostock dem Zirkus einen „guten Ernährungs- und Pflegezustand“ bescheinigt.

Auch dem Verein Deutscher Tierschutzbund ist die Existenz beider Zirkusse bekannt – unabhängig von seiner grundsätzlichen Kritik an Wildtieren im Zirkus. „Selbst nach Ansicht erfahrener Zoo-Tierärzte ist die Haltung von Großkatzen in Zirkussen tierschutzwidrig und mit Problemen bei der Fütterung und der tierärztlichen Versorgung verbunden“, sagt Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes. Neben Anzeichen von Stress und Verhaltensstörungen, die bei Tigern in Gefangenschaft entstünden, sei laut Tünte auch der Sicherheitsaspekt zu berücksichtigen. Auch im Zirkus von Rüdiger Probst ist vor wenigen Jahren ein Dompteur von seinem Tiger schwer verletzt worden. Der Tierschutzbund fordert daher ein „generelles Verbot der Haltung von Tieren wild lebender Arten in Zirkusunternehmen.“ In der Manege jedoch sorgen die Raubtiere immer wieder für Faszination.

 

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erstellt am 04.Jun.2014 | 09:00 Uhr

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