Auf Weltreise mit der Feuerwehr

Die Feuerwehr kurz geparkt: Yvonne, Matti, Hendrik, Hannes,  Bennet und  Lasse (v. l.) aus Rostock auf zwei Kamelen. Ein Jahr lang waren die sechs unterwegs.privat
1 von 4
Die Feuerwehr kurz geparkt: Yvonne, Matti, Hendrik, Hannes, Bennet und Lasse (v. l.) aus Rostock auf zwei Kamelen. Ein Jahr lang waren die sechs unterwegs.privat

von
26. September 2012, 07:19 Uhr

Rostock | Wenn Yvonne (30) und Hannes Rennau (32) mit ihren vier kleinen Söhnen Matti (5), Hendrik (6), Bennet (8) und Lasse (9) im Bahnhofsviertel ins Familienauto steigen, fallen sie auf. Denn statt eines Kleinbusses fahren sie ein 39 Jahre altes Löschgruppenfahrzeug (LF 16/TS).

Einige Feuerwehren grüßen auf der Straße, sie denken, Kollegen zu sehen. Die Freiwillige Feuerwehr Groß Klein ist noch mit eben so einem Fahrzeug im Einsatz. Doch dass eine alte Feuerwehr als Familienauto genutzt wird, scheint den Rostockern neu. "Die Leute gucken, manche machen Fotos", sagt Yvonne. Für die junge Familie ist die Feuerwehr aber vor allem praktisch - sie hat ihnen einen großen Traum erfüllt. Ein Jahr lang sind sie damit mehr als 25 000 Kilometer in Europa - in Schweden, dem Batikum, Spanien - und in Afrika unterwegs gewesen. Die Reise haben sie von langer Hand geplant, anderthalb Jahre Gespräche mit ihren Arbeitgebern und dem Schulamt geführt. Die alte Rothaube erwies sich als idealer fahrbarer Untersatz. Sie ist geräumiger als der VW-Bus, den sie vorher fuhren und auch viel robuster, sagt Hannes.

Die sechs haben Schweden passiert. In Norwegen haben sie Wale gesehen, sind durch Finnland, das Baltikum, Spanien und nach Portugal gefahren. Weihnachten haben sie am Strand geschlafen. Sie waren in den Bergen mit Mountainbikes unterwegs und Lasse und Hannes haben sich Surfbretter zugelegt - ständige Begleiter auf der Reise. Die Jungs wurden unterwegs von ihren Eltern unterrichtet. "Es war ein gutes Zeitfenster für die Reise", sagt Hannes rückblickend. Auch mussten die Söhne auf nichts verzichten. "Wir haben alle Geburtstage gefeiert", sagt Hannes. In Helsinki und Porto bei der Post kamen sogar zwei Ladungen mit Paketen von den Großeltern an. Gefallen hat es ihnen eigentlich überall. "Aber Marokko war das Highlight, weil es total anders ist", sagt Yvonne - anders als Deutschland, eine völlig fremde Kultur. Die Rostocker hatten sich für die Fahrt durch die Wüste extra über das Internet mit einer Familie aus Schwaben verabredet, die auch mit einer alten Feuerwehr unterwegs war. Gegenseitig haben sie sich aus dem Sand freigeschaufelt. Aber kein Problem für die Rothaube, sie hat alles mitgemacht. Hannes und Yvonne hatten sie von einer Stuttgarter Familie übernommen und umgebaut - für insgesamt 30 000 Euro. Sie haben einen zusätzlichen Tank montiert, den Innenraum isoliert, mit Holz vertäfelt, Fenster und Türen nachgesetzt, eine Küche, Dusche, Toilette, Sitzgurte für die Kinder eingebaut und so eine kleine Wohnung auf wenigen Quadratmetern geschaffen.

In Südfrankreich sorgte die Feuerwehr für Begeisterung: Die Polizisten dort hatten sich von den Rostockern gewünscht, das Blaulicht anzumachen. Aber das ging nicht mehr. Auf Wunsch der deutschen Behörden haben sie die Drähte schon vor der Reise gekappt. Manchen Rostockern ist der kultige Familienwagen dagegen ein Dorn im Auge: Wieder zurück kamen prompt Beschwerden. Denn die Lichter sind noch dran. Dafür wurden sie anonym angezeigt. Auch manche Nachbarn fühlen sich gestört. Warum, verstehen die Rennaus nicht so ganz, wollen vielleicht außerhalb der Stadt parken. Die Familie nutzt ihre Feuerwehr ohnehin nur für Ausflüge. Denn in Rostock läuft ihr Leben wieder in geregelten Bahnen. "Die Jungs haben sofort ihre Kumpels angerufen und sich zum Spielen verabredet", sagt Hannes. Yvonne arbeitet wieder als Ärztin und der junge Vater als Ozeanograf. Aber es war sicher nicht die letzte Reise der Rostocker Familie mit ihrer Feuerwehr.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen