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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. August 2017 | 14:17 Uhr

Rostock : Auf Stolperkurs durch die Heide

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Das Forstamt arbeitet an der Optimierung des Wegenetzes, denn die Reiter wünschen sich mehr Freiheiten und naturbelassene Strecken.

Die Sonne hat an diesem Abend schon an Kraft verloren, als sich Katrin Hohenhaus und Jasmin Klützke in die Sättel ihrer Stuten Jessy und Sunny schwingen. Vom Forst- und Köhlerhof aus machen sie sich auf den Weg in die Heide. Alles scheint perfekt: Durch das grüne Laubdach fällt sanftes Licht und bringt das Fell der Pferde zum Glänzen. Zu hören sind nur ein paar Vögel und der Wind in den Blättern. Aber die perfekte Idylle ist das für die beiden Reiterinnen trotzdem nicht. „Die Rostocker Heide ist ohne Frage wunderschön, nur sind die besten Wege leider nur zu besonderen Veranstaltungen für uns freigegeben“, sagt Hohenhaus. Sie wünscht sich mehr Freiheiten, damit sie auch mal andere Routen nehmen kann.

Derzeit arbeiten Forstamtsleiter Jörg Harmuth und sein Team an der Aktualisierung der Rad-, Wander- und Reitkarte, die bis Ende August fertig sein soll. „Wir versuchen für alle Waldnutzer den bestmöglichen Kompromiss zu finden“, so Harmuth.

Während Freizeitreiter wie Hohenhaus möglichst weich-federnde Sandwege wollen, benötigen Radfahrer, Kutschen und Holzrückfahrzeuge befestigte Wege. Da vor allem Radfahrer im Wald unterwegs sind, müsse sich Harmuth stärker für ihre Interessen einsetzen. Hohenhaus und auch Gast-Reiter fühlen sich benachteiligt. Die Pferde würden schließlich nichts kaputt machen. Dieses Argument weist Harmuth allerdings zurück. Denn mit der Öffnung eines Weges würde dieser auch viel stärker frequentiert werden. „Außerdem geht es auch um den Artenschutz“, sagt der Forstamtsleiter.

Um vom Forst- und Köhlerhof aus an den Pferdestrand in Stolper Ort zu gelangen, hat Hohenhaus derzeit zwei Optionen – entweder reitet sie über Meyers Hausstelle oder über die Wiethäger Schneise. Beide Wege sind auch für Radler und Wanderer freigegeben und unterschottert.

Vorsichtig trabt Jessy an diesem Abend am Rand der Meyers-Hausstellen-Schneise entlang – ein schnelleres Tempo sei ihrer Besitzerin zufolge an dieser Stelle nicht drin. Die spitzen Steine, die durch das Gras ragen, seien für die empfindlichen Hufe nicht gut. Erst nach gut einer halben Stunde biegt das Reiter-Pferd-Gespann in einen schmalen, naturbelassenen Weg ab – und dann gibt die Stute Gas. Mit aufgestellten Ohren galoppiert sie los und muss abbremsen, bevor sie richtig in Fahrt gekommen sind. An einer Stelle wurde frisch Schotter aufgeschüttet. „Selbst unser Galoppierweg ist jetzt unterbrochen“, sagt Hohenhaus. Wie dieser Abschnitt seien viele Reitwege für schnellere Gangarten ungeeignet.

Ein mehr als 60 Kilometer langes Reitwegenetz erstreckt sich derzeit durch die Heide. Eine Erweiterung ist Harmuth zufolge nicht geplant, aber an einer Optimierung sei er interessiert. Vorstellbar sei aus jetziger Sicht die Öffnung der Ziegenheidenschneise und angrenzender, naturbelassener Wege im Revier Meyers Hausstelle. Denn nach Bauabschluss des Fahrradweges an der B 105 würde dieser derzeit nur für Radler freigegebene Weg überflüssig werden.

Viel lieber wäre Hohenhaus allerdings die Öffnung eines anderen Rad- und Wanderweges für Pferde, der über den ehemaligen Schießplatz durch das Revier Wiethagen führt. „Damit würde sich für uns Reiter eine Runde ergeben“, sagt Hohenhaus. Doch genau in diesem Gebiet plane das Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit dem Rostocker Forstamt derzeit den Entdeckerpfad „Biologische Vielfalt“. „Bevor wir nicht wissen, wo genau dieser entlangführt, machen wir auch nichts an den Wegen“, so der Forstamtsleiter. Ein anderer Reitweg könnte in Zukunft wegfallen: Durch das Hütelmoor führt ein schmaler Pfad, der erst vor zwei Jahren aufgeschüttet wurde. „Wenn er in Zukunft intensiv von Reitern genutzt wird und dadurch leidet, muss ich ihn leider für Reiter wieder sperren“, so Harmuth.

 

 

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erstellt am 21.Jun.2014 | 11:00 Uhr

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