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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 08:14 Uhr

Auf Kontrollfahrt mit dem Hafen-Kapitän

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2013 | 08:47 Uhr

Rostock | Inzwischen sind auch die Vorbereitungen auf den nächsten maritimen Höhepunkt, die Hanse Sail, weitgehend abgeschlossen. "Alle bislang gemeldeten 206 Schiffe sind plangemäß untergebracht. Dabei können wir auch auf die Möglichkeiten der Werft und der Marine bauen. Vom Stadthafen über den Fischereihafen bis nach Warnemünde und Hohe Düne werden die Schiffe verteilt", sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke (60). Da zur Sail auch etliche Kreuzliner kommen, wird es eng an den Kais. Vertreter des Nautischen Vereins begleiteten vorige Woche den Hafenkapitän bei einer seiner Kontrollfahrten durch das Hafenrevier vom Stadthafen nach Warnemünde.

Lebensretter öffnen ihren Kreuzer

Hafenmeister Jochen Drohla führt das Kontrollboot "Wittow" in Gehlsdorf an der Tamsen-Werft vorbei. Hier liegen zwei Schnellboote der Marine zur Reparatur. Und auch der Seenotkreuzer "Vormann Jantzen" hatte hier zwischenzeitlich festgemacht, aber wird jetzt zu den Stephan-Jantzen-Tagen in Warnemünde zu besichtigen sein, berichtet Jörg Westphal, Leiter des Informationszentrums Nordost der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Warnemünde. Während er an Bord über die Ehrungen zum 100. Todestag Stephan Jantzens informiert, empfängt er einen Notruf. Vor Wustrow ist ein Schlauchboot havariert, erfordert den Einsatz der dortigen Seenotmannschaft.

Am früheren Fähranleger Oldendorf hat ein ausgedienter, inzwischen für private Zwecke genutzter Rettungskreuzer seinen Liegeplatz gefunden. Die "Wittow" passiert den Fischereihafen, wo sich an den Kais Stapel von Holz auftürmen. Etwa fünf Schiffe löschen hier Woche für Woche ihre Frachten, beinahe täglich rollen von hier zwei Güterzüge mit Industrieholz zu Zellstoff-, Spanplatten- und Sägewerken in Deutschland, Österreich und sogar in die Schweiz. Monatlich sind das zeitweise 80 000 Festmeter.

Der Seehafen ist erreicht. Zwei Kreuzliner haben hier festgemacht - "Celebrity Constellation" und "Rotterdam" mussten aus Platzgründen in den Frachthafen ausweichen, denn zwei weitere Kreuzfahrtriesen liegen zur gleichen Zeit in Warnemünde. Im Hafenbecken B liegt nunmehr gut bewacht unmittelbar vor dem Sitz der Hafenpolizei der Eisbrecher "Stephan Jantzen", der vom Stadthafen hierhin verholt wurde, um ihn vor Langfingern zu sichern.

Frachter löschen ihre Ladung

Am Liegeplatz 24 hat der Bulker "City of Dubrovnik" seine Fracht von 65 000-Tonnen Kohle aus Ust-Luga nahezu gelöscht, wie die Lademarken des Schiffes verraten. Im Hafenbecken nebenan wird gerade der ebenso große Getreidefrachter "Ostende Max" für die Beladung von 65 000 Tonnen Weizen für Saudi-Arabien klargemacht. Bei Liebherr recken sich die Ausleger diverser Kräne in die Höhe, werden weitere Verschiffungen vorbereitet. Im Ölhafen hat der Tanker "Maersk Ellen" festgemacht, um 25 000 Tonnen Naphtha in die Pipeline nach Böhlen zur Versorgung des Mitteldeutschen Chemiedreiecks zu pumpen. Aus der Ferne ist auch der rot leuchtende Chemiekalientanker "Kemira Gas" zu sehen, der regelmäßg das Yara-Werk in Poppendorf mit Ammoniak für die Düngemittelproduktion versorgt.

Vorbei geht es an der Warnow-Werft, wo die beiden Konverter-Plattformen für Offshore-Windparks in der Nordsee inzwischen weiter gewachsen sind. Die Kreuzliner "Emerald Princess" und "Aidabella" grüßen. Auf dem Aida-Cruiser haben sich die Passagiere gerade zur Rettungsübung auf dem Bootsdeck versammelt. Vor dem Auslaufen werden sie von der Besatzung in die Rettungsmöglichkeiten eingewiesen.

Bei dem Viereranlauf, dem ein weiterer folgte, erinnerte der Nautiker Peter Weise an die Anfänge der Kreuzfahrt am Standort. Er rührte 1992 seinerzeit als Marketingchef im Hafen erstmals bei der Kreuzfahrtmesse in Miami die Werbetrommel für den Standort, der in den USA erst bekannt gemacht werden musste. Damals fing es bescheiden mit einem Cruiser der Holland-Amerika-Linie an. Inzwischen ist Rostock mit nahezu 200 Anläufen der größte deutsche Kreuzfahrthafen an der Ostsee geworden.

Personelle Verstärkung

Seit 1991, so berichtet der Hafenkapitän während der Revierfahrt, nimmt das Hafen- und Seemannsamt Rostock die öffentlich-rechtlichen und hoheitlichen Befugnisse als Ordnungsbehörde in den Rostocker Häfen und die eines Seemannsamtes zur Erteilung von Patenten wahr. Die Verkehrsleitstelle wurde wegen des Schichtbetriebs personell verstärkt. Ruhnke, der seit sechs Jahren das Amt führt, ist seit drei Jahren auch Vorsitzender des Verbands der Hafenkapitäne.

Im September wird in Hamburg durch den Vorstand das nächste Treffen vorbereitet, das im November in Brunsbüttel stattfindet. 2014 wird dann wieder Rostock Gastgeber der deutschen Hafenkapitäne sein.

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