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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 03:03 Uhr

Auf der Suche nach dem T-34

vom

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2012 | 10:01 Uhr

Rostock | Die Hansestadt am späten Vormittag: Pkw rollen die Behelfsumfahrt am Mühlendamm entlang, eine Baustelle wird sichtbar. Eine große Menschentraube hat sich gebildet - mehrere Kamerateams, Fotografen und Vertreter der Kriegsgräberfürsorge sind darunter.

Gestern hat der Munitionsbergungsdienst am Warnowufer begonnen gezielt nach weiteren Teilen des Warnow-Panzers zu suchen. Der Panzerturm des russischen T-34 war am 17. November vergangenen Jahres von Bauarbeitern entdeckt und am nächsten Tag vom Munitionsbergungsdienst gehoben worden. Jetzt werden noch Teile der Wanne auf der linken Straßenseite in Fahrtrichtung Weißes Kreuz vermutet. Das Interesse darnist groß. Russische Medien, Vertreter von Stadt, Kriegsgräberfürsorge und der russischen Botschaft drängten sich um den Baugrund.

Metalldedektoren schlagen aus

"Das Problem, dass wir weltweit in der Kampfmittelbeseitigung haben, ist dass wir keine Munition suchen können, sondern nur Eisenstücke", sagt Robert Mollitor. Er ist der Leiter des Munitionsbergungsdienstes MV.

Die Metalldedektoren hatten auf Höhe der Behelfsbrücke am Mühlendamm bei Untersuchungen Anfang des Jahres stark ausgeschlagen. Ein großes und mehrere kleines Stahlteile müssten demnach noch unter der Erde liegen. Der Panzer sei am 1. Mai 1945 durch eine Seemiene gesprengt worden. Sie wäre unter der Brücke platziert gewesen und ausgelöst worden als der Panzer darüber fuhr. "Es muss eine richtige Detonation gegeben haben, damit wurden sonst große Kriegsschiffe gesprengt", sagt Karsten Richter, der Landesgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge MV. Seine Männer haben die Fundstelle letztes Jahr nach Gebeinen abgesucht. Es wurden Knochen mehrer Personen gefunden - die fünfköpfige mittlerweile bekannte Panzerbesatzung. Vasiliy Timofeevich Kriventsev war der Kommandeuer des T34 von diesem zweiten Panzerbataillon der dritten Gardepanzerbrigade. Alle menschlichen Überreste der Besatzung könnten gar nicht gefunden werden. Schon in den 60er-Jahren seien Gebeine von vermeintlich drei Soldaten beerdigt worden, wie Zeitzeugen berichtet haben.

Aber auch die letztes Jahr gefundenen Knochen seien nicht eindeutig zuzuordnen. Umbetter Joachim Koslowski hatte die mehrfach gebrochenen, frakturierten Knochen geborgen. Er könne Geschlecht und vielleicht auch Alter ermitteln, aber die genaue Identität nicht zuordnen. "Die bilogischen Untersuchungen, die nötig wären, bezahlt kein Mensch", sagt er. Die aktuell angefallenen Kosten übernimmt das Land. Der Munitionsbergungsdienst wurde gestern nicht mehr fündig. Die nächsten Tage wird die Suche weitergehen. Die Eigentumsverhältnisse für Panzer- und Knochenteile sind aber schon geklärt. Rechtlich stehen die Panzerteile der russischen Föderation zu. Vladimir Kukin, Leiter des Büros der Kriegsgräberfürsorge der russischen Botschaft, berät aber weiter mit der Stadt, dem Bergungsdienst und der Kriegsgräberfürsorge über den Verbleib. Die Soldaten könnten am Puschkinplatz beerdigt werden und der Panzer Teil einer Ausstellung werden. Eine Arbeitsgruppe der Stadt lotet Möglichkeiten aus. Bis Mai soll die Entscheidung über den Verbleib des Fundes getroffen werden.

Der Panzer: Besatzung und Daten

  • Der Panzer: Die Panzerteile stammen von einem T-34/85. Das Kanonenrohr hatte ein Kaliber von 85 Milimetern. Der Panzer war ausgerüstet mit einem 12-Zylinder-Dieselmotor. Der bislang gefundene sieben Tonne schwere Turm des T-34 ist Eigentum der Russischen Föderation als Rechtsnachfolger der Sowjetunion.
  • Besatzung des Panzers: Kommandeur des Panzerzuges des zweiten Panzerbataillons der dritten Garde-Panzerbrigade war Vasiliy Timofeevich Kriventsev (geb. 1914). Vasiliy Afanasevich Kleshchov (geb. 1924) war Fahrer und Mechaniker. Funker war Panteley Alekseyevich Lipeyev (geb. 1924). Richtschütze war Nikolay Viktorovich Martynenko (geb. 1925) und Ladeschütze Andrey Kasianovich Gusev (geb. 1918). Außer dem Ladeschützen, dessen Unterlagen noch geprüft werden müssen, bekamen alle postum den Orden des Vaterländischen Krieges zweiten Grades verliehen. Sie sollen am Puschkinplatz beerdigt werden.


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