Schweden-Verkehr : Auf dem Wasserweg gut am Zug

Im Eisenbahn-Fährverkehr rollt ein kompletter Zug an Bord.  Fotos: Bernd Ruß, Reiner Frank
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Im Eisenbahn-Fährverkehr rollt ein kompletter Zug an Bord. Fotos: Bernd Ruß, Reiner Frank

Eisenbahn-Fährverkehr in Rostock. Paketlösung kontra Landweg. Gleisarbeiten in Dänemark bringen zusätzliche Fracht.

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11. März 2015, 12:00 Uhr

Seit Mitte Juni vergangenen Jahres wird der Eisenbahnverkehr der Stena Line als Regelverkehr von und nach Schweden nur noch über Rostock abgewickelt. Die Fähren „Skane“ und „Mecklenburg-Vorpommern“ beförderten so im Vorjahr schon knapp 20 000 Güterwagen zwischen Rostock und Trelleborg – im Jahr zuvor waren es hier lediglich etwa 7500.

Nach dem Bau der festen Querungen über Großen Belt und Öresund sind ab 2001 die Eisenbahntransporte mit Fähren im Schweden-Verkehr Jahr für Jahr insgesamt deutlich zurückgegangen. Im Vorjahr standen für beide Routen auch nur noch 27 000 Einheiten zu Buche.


Rückläufige Zahlen, aber längere Waggons


2015 rechnet Bernd Ruß, der für Eisenbahnverkehre im Bereich Fracht zuständige Manager der Stena Line, so auch nur noch mit einem Aufkommen von 25 000 Einheiten plus x, wobei er darauf aufmerksam macht, dass die Vergleiche mit den rückläufigen Zahlen der Vorjahre auch ein wenig hinken.

Die Eisenbahnwaggons sind in ihren Abmessungen deutlich länger geworden. Betrugen die Durchschnittslängen einst nur zehn bis zwölf Meter, so sind es heute 20 bis 22 Meter und nicht trennbare ganze Triebzüge werden auch nur als eine Einheit gerechnet. Für den Stena-Manager ist die zur Verfügung gestellte und genutzte Schienenkapazität der Fähren deshalb aussagefähiger.

Der Landweg hat gegenüber dem Transport übers Wasser einige Vorteile. Zwar sind zusätzlich Lokführer zu stellen, Trassengebühren, Maut für Tunnel oder Brücken zu berappen, aber eine Vielzahl von Absprachen entfällt. Es sind fünf bis sieben Ansprechpartner, die in Sachen Eisenbahn-Fährverkehr zu kontaktieren sind – von Häfen und Reedern bis zu den Ladungsoperateuren.

„Wir bieten deshalb auf Wunsch eine Paketlösung an, was die Nutzung der Fährverbindung erleichtern soll“, erklärt Ruß. Er verweist darauf, dass es auch darauf ankomme, für welches Hinterland die Frachten bestimmt sind. In jedem Fall sei die Zuverlässigkeit der Prozesse ein wichtiger Faktor in der Bewertung der Transporte.

Die Anbindung, das Verhältnis zwischen Aufwand und Kosten sind mit ausschlaggebend. Der Lage Rostocks entsprechend bieten sich neben klassischen Nord-Süd-Anbindungen so Transporte Richtung Tschechien an. Über das ausgebaute Terminal des kombinierten Verkehrs rollen wöchentlich mehr als 30 Kombiverkehrszüge mit Trailern – sei es aus und nach Verona, Karlsruhe oder Duisburg – an und wieder zurück. Das Gros der Trailer, die mit den Zügen ankommen, ist für den Fährverkehr bestimmt. Der Anteil der Stena Line beträgt hier zwischen zehn und 15 Prozent. Die für 25 Tonnen Achslast neu ausgebaute Eisenbahnstrecke zwischen Rostock und Berlin ist ein wichtiges Bindeglied. Noch sind allerdings zwischen Kavelstorf und Seehafen und im Berliner Raum Lücken zu schließen, werden durchgängige Schwertransporte ausgebremst. Im Rostocker Hafen selbst aber wurde die Infrastruktur gut ausgebaut, ist auch der Rangierbedarf abgesichert, erklärt der 57-jährige Manager, der 32 Jahre bei der Eisenbahn tätig war, ehe er zum Fährverkehr kam. Die Fährschiffe „Mecklenburg-Vorpommern“ (sechs Gleise mit 920 Metern Gleiskapazität) und „Skane“ (acht Gleise mit 1120 Metern Länge) verkehren bis zu dreimal täglich. So bieten sie Eisenbahnfrachten von DB Schenker Rail und Green Cargo sowie Privatbahnen ausreichend Platz, wobei sich die „MeckPom“ besonders für die Verschiffung von Eisenbahn-Triebwagen eignet und die Besonderheit der „Skane“ ein Lift zum unteren Deck ist.

Gleisbauarbeiten auf einem neun Kilometer langen Streckenabschnitt in Dänemark Mitte Juli zwischen der 29. und 31. Kalenderwoche werden in diesem Jahr wieder besondere Anforderungen an den Eisenbahnfährverkehr stellen. Auch neue für Kunden in Schweden und Norwegen bestimmte Triebzüge, unter anderem für die U-Bahn in Stockholm, sind neben den alltäglichen Frachten zu verschiffen. Im Sommer bringt auch das Bahnunternehmen Veolia wieder dreimal wöchentlich mit ihrem Nachtzug Touristen von Malmö nach Berlin und umgekehrt. Ein Sonderzug für Eisenbahnfreunde Thüringen-Norwegen ist für August in der Planung.

Die Königslinie zwischen Sassnitz und Trelleborg, die bei Bedarf auch weiterhin noch Eisenbahnfährverkehr anbietet, konzentriert sich verstärkt auf den Tourismus. Immerhin 480 000 Passagiere nutzten im Jahr 2014 diese Verbindung, Touristen aus Schweden bestimmten auf der Insel Rügen zunehmend die Szenerie. Die Verkehre aber wickelt hier inzwischen allein die Fähre „Sassnitz“ ab.


Im Frachtverkehr spielt Rostock „erste Geige“


Die „Trelleborg“ wurde im Rostocker Stadthafen „warm aufgelegt“, das heißt, dass sie bei Bedarf flexibel einsetzbar wäre. Im Frachtverkehr spielt der Rostocker Seehafen die erste Geige. Nach einem Ladungsaufkommen von 138 250 Frachteinheiten plus 20 000 Güterwagen und der Beförderung von 20 000 Passagieren im vergangenen Jahr will die Stena Line trotz verhaltenen Anlaufs 2015 daran erfolgreich anknüpfen.

Die Eisenbahn trägt ihr Scherflein dazu bei. Der Wettbewerb aber, so offenbart der Rostocker Geschäftsführer Kobrow, hat sich weiter verschärft.

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