Jazz und Literatur : „Auf Anhieb Feuer und Flamme“

Auf einer Bigband-Tournee lernten sich Uschi Brüning und Manfred Krug einst kennen. Noch heute stehen sie immer wieder zusammen auf der Bühne.
Auf einer Bigband-Tournee lernten sich Uschi Brüning und Manfred Krug einst kennen. Noch heute stehen sie immer wieder zusammen auf der Bühne.

Manfred Krug tritt im Rostocker Volkstheater auf und erzählt im Interview von seiner Leidenschaft für Kultur.

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12. März 2014, 10:00 Uhr

Zusammen mit Uschi Brüning tritt Manfred Krug am Freitag um 19.30 Uhr im Großen Haus des Volkstheaters auf. Mit NNN-Redakteurin Juliane Hinz sprach Krug im Vorfeld über Jazz im Osten und Westen und jahrzehntelange Musiker-Freundschaften.

Herr Krug, das Publikum kennt Sie vor allem als Schauspieler. Gerade den Menschen im Osten sind Sie allerdings auch als Jazz-Musiker bestens bekannt. Wie regelmäßig sind Sie noch auf der Bühne zu erleben?

Krug: Ich habe, seit ich mich mit 65 Jahren als Schauspieler vom Publikum verabschiedet hatte, jährlich etwa 45 Bühnenauftritte, davon die meisten als Sänger, einige auch als Vorleser aus meinen Büchern. Erst jenseits der 40 habe ich die DDR verlassen und damit auch mein Jazz-Publikum. Das empfand ich als den schwersten Verlust, denn dieses Publikum war musikalisch vorgebildet und damit sowohl im alten Osten wie im alten Westen viel seltener als die Frohsinnsmenschen, die nun mal am liebsten immer wieder „Schöne Maid, hast Du heut für mich Zeit?“ hören wollen. Heute bin ich 77, und die meisten Westmenschen wissen noch immer nichts davon, dass ich gesungen habe.

Mit Uschi Brüning sind Sie über die Jahre immer wieder aufgetreten. Wie haben Sie sich kennengelernt und musikalisch zusammengefunden?

Zuerst war ich auf der Bühne als Sänger allein. Jedes Jahr machte der kraftstrotzende Klaus Lenz mit seiner Bigband eine vierwöchige Tournee, was damals eine organisatorische und künstlerische Meisterleistung war. Denn die staatlichen Stellen waren nicht gerade erpicht auf den Jazz, den sie für eine Art schleichend eindringenden Amerikanismus hielten. Lenz musste Augen und Ohren offen halten, um nur ja keines der wenigen Talente zu übersehen. Er hatte auch die Leipzigerin Uschi Brüning aufgestöbert und ihr Jazz-Feeling erkannt. Ich war auf Anhieb Feuer und Flamme für sie, und das hat sich bis heute noch verstärkt. So kommt es, dass wir erschütternd schön klingen, vor allem in Duetten. Darauf kann sich jeder verlassen.

Schauspiel und Musik sind das eine. Aber Sie schreiben auch Bücher und haben Ihren Erzählband „Schweinegezadder“ auch in Rostock dabei. Es ist nach Ihren zwei autobiografischen Büchern das erste, das fiktive Geschichten vereint. Wie kam es dazu?

Ich hatte zwei Bücher über mich und meine Ansichten geschrieben – „Abergehauen“ und „Mein schönes Leben“. Da dachte ich: Vielleicht denken die Leute, Du seist der typische Schauspieler, der vor allem über sich selber schreiben und seine Bekanntheit vermarkten will. Und ich begann, Kurzgeschichten zu erfinden, die ich sammeln und später, in einem dickeren Band, veröffentlichen wollte. Aber der Verlag wollte sie sofort haben, auch wenn es kein Band, sondern ein Bändchen war.

Uschi Brüning ließe sich mit wenigen Worten wie folgt beschreiben: bescheiden, großartige Stimme. Wie würden Sie sich selbst auf der Bühne charakterisieren?

Großspurigkeit, ausreichende Stimme.

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