Erste Firmenchefs unterstützen Gewerkschaften : Auch Unternehmer fordern Mindestlohn

Unternehmen unterstützen die Forderungen nach einem Mindestlohn Foto: dpa
Unternehmen unterstützen die Forderungen nach einem Mindestlohn Foto: dpa

Die Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn kommt nicht nur aus dem linken Lager und von Gewerkschaften. Auch mancher Unternehmer sieht dafür eine Notwendigkeit.

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09. Oktober 2011, 06:54 Uhr

Schwerin | Die Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn kommt nicht nur aus dem linken Lager und von Gewerkschaften. Auch mancher Unternehmer sieht dafür eine Notwendigkeit. "Es ist eine Frage der Würde für die Menschen, dass sie nicht am Monatsende zum Amt gehen müssen, wenn sie voll arbeiten und vielleicht sogar noch pendeln", sagte am Wochenende der Parchimer Immobilien-Unternehmer Hans Thon. "Ich gehe davon aus, dass im Land viele Unternehmer meine Meinung teilen."

Grundsätzlich sei er zwar dafür, dass die Tarifparteien die Löhne aushandeln. "Aber das funktioniert gerade in Mecklenburg-Vorpommern gegenwärtig nicht in allen Branchen flächendeckend", sagte Thon, der im Ehrenamt Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin ist. Ein positives Beispiel sei der Bau. Da müssten auch Unternehmen, die nicht dem Arbeitgeberverband angehören, ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen.

8,50 Euro? - "Angemessen"

Wenn er aber beim Friseur sieben Euro für einen Haarschnitt bezahle, könne er sich vorstellen, was die Friseurin bekomme. "Wenn es da einen Mindestlohn gäbe, könnte man immer noch zum Friseur gehen und die Frau bekäme ein anständiges Gehalt." Die Forderung der Gewerkschaften nach 8,50 Euro hält der Unternehmer für angemessen.

Wie Thon hatte sich zuvor bereits der Usedomer Hotelier Gerhard Gühler für einen Mindestlohn ausgesprochen. "Andere Kollegen und ich sind der Meinung, dass der Mindestlohn auch in unserer Branche kommen muss. Es kann nicht sein, dass die guten Leute abwandern und wir keine Lehrlinge mehr finden. Außerdem muss beispielsweise der harte Job eines Kellners ohnehin anständig bezahlt werden", sagte der Inhaber des Hotels "Zur Post" gegenüber unserer Redaktion (Ausgabe vom 20. August). "Sechs oder sieben Euro Lohn gehen doch gar nicht, wie soll man davon leben?", fragte auch der Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern, Gerold Jürgens.

Morgen verhandeln in Schwerin die Spitzen von SPD und CDU in MV weiter über ihren Koalitionsvertrag. Es geht um Wirtschaft und Arbeit, wozu auch das Thema Mindestlohn gehört. CDU-Generalsekretär Vincent Kokert hatte während der Sondierungsgespräche der SPD Entgegenkommen signalisiert und gesagt, am Mindestlohn solle die Koalition nicht scheitern.

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