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23. November 2017 | 21:22 Uhr

Attacken aufs Auto dieser jungen Mutti

vom

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2011 | 08:08 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Wenn Franziska Kreusch (26) auf ihrem personengebundenen Stellplatz in der Klosterbachstraße einparkt, wird sie nicht selten von Passanten angemotzt.

Das mag daran liegen, dass sie kerngesund aussieht. „Sehen Sie nicht, dass das ein Stellplatz für Behinderte ist?“ – so lautet oft die vorwurfsvolle Frage. Dann rechtfertigt sich die junge Mutter damit, dass sie den Parkplatz von der Verkehrsbehörde zugewiesen bekommen hat, weil ihr fast vierjähriger Sohn Clivio schwer krank ist. Sie zeigt die Ausweise mit den vielen Buchstaben, die alle für gesundheitliche Defizite von Clivio stehen. Dann sind die Leute oft beschämt.

Im Moment gibt es keine Normalität mehr im Alltag der kleinen Familie aus der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Innerhalb von kurzer Zeit sind der Verkäuferin einer Warnemünder Boutique dreimal Reifen zerstochen worden – insgesamt fünf Stück. Gezielte Angriffe?

Die Chronologie der Taten: Vom 13. zum 14. Juli werden zwei Reifen zerstochen, am 17. bei der Arbeit in Warnemünde einer und in der Nacht zum 20. Juli vor der Haustür erneut zwei. Im Fall von Warnemünde hatte die junge Mutter sogar noch Glück im Unglück. Ein Urlauber zog ihr das Reserverad auf, sodass sie losfahren konnte. Franziska Kreusch hat die Taten bei der Polizei angezeigt. „Aber ich stehe mit dem Problem allein da“, sagt sie. „Denn nicht nur die Kosten bleiben an mir hängen.“ Ohne ihr Auto kommt sie weder zu wichtigen Arztterminen, noch zur Tagesmutti, zur Frühförderung oder zur Arbeit.

Clivio kam 2007 mit einem schweren Herzfehler zur Welt. Seine Entwicklung ist auf fast allen Gebieten verzögert und seine Kräfte sind schnell erschöpft. „Er ist zu 80 Prozent schwerbehindert“, sagt die 26-Jährige. Sie muss ihren knapp 17 Kilogramm schweren Sohn oft die Treppe hoch tragen. Damit sie im Alltag besser zurechtkommt, wohnt auch ihre Mutter Doris im selben Haus. Franziska Kreusch ist unsicher: Spielt in der stellplatzarmen KTV Parkplatzneid eine Rolle? Hat sie es mit einem Stalker zu tun, der einst zu ihrem Umfeld gehörte und der sie in der Vergangenheit schon per SMS und mit Anrufen belästigte? Sie weiß es nicht. Auch hier läuft die Anzeige.

Weil das Zentrum für interdisziplinäre Frühberatung und Förderung der Lebenshilfe ihr Ansprechpartner in vielen Fragen ist, weihte Clivios Mama die Rehabilitationspädagogin Julia Winterstein ein. „Sie benötigt das Auto, weil sie so viele Termine hat, zu denen sie sonst nicht kommen kann“, sagt Winterstein. Seit dem ersten Lebensjahr ist Clivio bei der Frühförderung. Auch wenn er in seiner Entwicklung deutlich zurück ist, freuen sich alle, dass er schon besser spricht. „Clivio ist auf das Rundumpaket aus Förderung, Physiotherapie, Logopädie und Arztterminen absolut und täglich angewiesen“, sagt die Rehabilitationspädagogin.

Inzwischen wurde auch Rostocks Behindertenbeauftragte Petra Kröger eingeschaltet. Sie befragte unter anderem die Ortsbeiratsvorsitzende der KTV, Anette Niemeyer (Aufbruch 09), zum Vorfall. „Ihr sind keine weiteren Fälle bekannt. Und ich finde es persönlich sehr schlimm, was dieser Frau angetan wird“, sagt Kröger. Es überlege anscheinend niemand, wie die junge Mutter ohne Auto zurechtkommen soll. Die Behindertenbeauftragte erklärt: Wenn jemand einen personengebundenen Behindertenparkplatz von der Stadt erhält, muss eine sehr schwere Schädigung vorliegen.

Um dem oder den Tätern auf die Spur zu kommen, haben Franziska Kreusch und ihre Mutter Doris jetzt Nachbarn kontaktiert und Zettel in der Umgebung mit der Frage nach Hinweisen verteilt. Bisher jedoch ohne Erfolg.

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