Wahrzeichen : Astronomische Uhr erhält neues Ziffernblatt

Etwas versteckt wartet die neue Holzscheibe bereits in einer Ecke der Marienkirche.
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Etwas versteckt wartet die neue Holzscheibe bereits in einer Ecke der Marienkirche.

Ausbau der Holzscheibe beginnt morgen. Wiedereinsatz erfolgt zum Jahreswechsel

Katrin Zimmer von
01. November 2017, 12:00 Uhr

Seit 1472 leistet sie treue Dienste, zeigt stets das richtige Datum, den Wochentag, Sonnenaufgang, Mondphase und natürlich die Zeit an: die Astronomische Uhr in der Marienkirche. Doch ihre Tage sind gezählt, denn das Ziffernblatt des Zeitmessers endet am 31. Dezember. Deshalb wird in der größten Uhr der Hansestadt zum Jahreswechsel ein neues eingesetzt, bereits morgen wird begonnen, die alte Scheibe abzutragen.

Der Austausch soll zugleich das Jubiläumsjahr einläuten, in dem Rostock seinen 800. Geburtstag feiert. Die neue 16 Quadratmeter große Holzscheibe steht bereits in der Marienkirche. Angefertigt hat sie Restaurator Markus Mannewitz. Auch sie wird 133 Jahre lang Dienste leisten, bis 2150. „Seit Bestehen der Uhr hatten wir vier Kalenderblätter“, weiß Gundula Mehnert. Die anderen befänden sich noch hinter der Scheibe, so die Stadtführerin. Seit zehn Jahren erzählt sie Touristen und Einheimischen alles über den historischen Chronometer und die Stadt. Zum Beispiel, dass die Uhr im Zweiten Weltkrieg zum Schutz eingemauert und erst 1951 wieder befreit wurde. „Zuletzt komplett saniert wurde sie in den 70ern“, weiß Mehnert.

Die Geburtsstunde der Uhr datiert sie genau wie der Rostocker Astronom Prof. Manfred Schukowski auf 1472, da aus diesem Jahr ein Ablassbrief bekannt ist, der die „schickliche Neugestaltung“ der Uhr belegt. „Das ist quasi die Geburtsurkunde der Uhr“, sagt Mehnert. Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, musste damals mindestens eine große Uhr besitzen – zum Beispiel am Rathaus oder eben in der Hauptpfarrkirche, damals St. Marien. „Und Rostock ließ sich das richtig was kosten“, weiß die Stadtführerin. Denn der beauftragte Uhrmacher Hans Düringer ließ viele Handwerker beschäftigen – ein hoher Kostenfaktor – um die Uhr in vermutlich nur zwei Jahren fertigzustellen.

„Die Astronomische Uhr hat sechs Werke, die die verschiedenen Zeiger und Rädchen bewegen – alle noch original erhalten“, sagt Mehnert. Immer zur Mittagsstunde und um Mitternacht kommen sechs Apostel heraus, um auf dem Rundgang um Jesus Christus zu ziehen, die anderen sechs warten daneben. Die Uhr verfügt über einen Sonnenzeiger, gibt den Stand der Planeten und des Mondes sowie Tierkreiszeichen an. Alle zwei Tage kommen ehrenamtliche Helfer, um die Uhr aufzuziehen, damit sie zur rechten Stunde schlägt. Eine Kopie des alten Kalendariums wurde bereits neben der Uhr aufgestellt. Zusammen mit der neuen Scheibe können so mehr als 97 000 Tage in Vergangenheit und Zukunft errechnet werden.

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