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18. November 2017 | 02:17 Uhr

Assumbo lebt endlich ohne Gitter

vom

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2012 | 09:06 Uhr

Gartenstadt | Lichtstrahlen schneiden Wasserdampf in der Luft, es ist warm, riecht nach frischem Holz - was klingt wie eine tropische Idylle, ist Assumbos neues Zuhause. Der stolze Silberrücken des Rostocker Zoos ist endlich glücklich. Sein kleines Gehege konnte er gegen eine luxuriöse Anlage in der großen Tropenhalle im Darwineum eintauschen. Bei einem exklusiven Rundgang hat er sich gestern mit seinen Frauen Yene und Eyenga erstmalig öffentlich gezeigt.

Künstler, Architekten, Kuratoren, Wissenschaftler, Vertreter des Zoo-Fördervereins sowie Mitarbeiter konnten beim Rundgang erstmalig einen Eindruck davon bekommen, wie die Evolutionsausstellung aussieht, wenn sie fertig ist, wie die Puzzleteile ihrer aufwändigen Arbeiten zusammenwirken.

Von der frühen Atmosphäre zu den Menschenaffen

Das Reich von Assumbo und damit die Tropenhalle ist aber nur ein Abschnitt auf dem Weg durch das Darwineum. Der Rundgang beginnt im Foyer. "Hier werden wir die Geschichte von Charles Darwin erzählen", sagt Zoodirektor Udo Nagel. An den Wänden prangen großformatige Malereien von Landschaften aus Urzeiten. Der Besucher begibt sich auf eine Reise durch die verschiedenen Erdzeitalter. Um einen kreisförmigen Innenraum legen sich fächerförmig Themenkojen.

Das Stuttgarter Atelier Brückner hat den Rundgang konzipiert und gestaltet. Künstler wie Uwe und Andreas Thürnau, sowie Hartmut Schmiesel haben an den Malereien, Dioramen und Modellen gearbeitet - den Landschaften und Gestalten der Geschichte ein Gesicht gegeben und Leben eingehaucht.

In einem völlig schwarzen Raum sind quallenartige Wesen an die Wand projiziert - Teilchen der frühen Atmosphäre. "Jetzt sind wir mittendrin, im Kambrium", sagt Nagel. Der Besucher wird entführt in eine Zeit, die etwa 480 Millionen Jahre zurückliegt. Modelle von Urzeitwesen in Lebensgröße pflegen sich in eine nachempfundene Landschaft, in filigrane Dioramen, ein. "Jede Koje erzählt ein geschichtliches Erdzeitalter", sagt Nagel.

In einem nächsten, weißen Raum sind schwarze Zeichnungen an der Wand, von Quallen, Seepferdchen oder auch Schnecken. Der Eindruck dieser Zeit wird durch echtes Leben, durch Tiere, die für die Evolution wichtig waren, ergänzt. Lanzettfischchen werden gezeigt. "Das sind Wirbeltiere, das sind wir", sagt Nagel begeistert. Im Darwineum wird die Evolution greifbar. Ein Korallenriff sieht der Besucher in der Koje des Ordoviziums, einer Zeit die 440 Millionen Jahre zurückliegt, hier werden Seepferdchen leben. Das Zusammenspiel aus Museum und Zoo wird noch um eine Komponente erweitert. Auf drei 40-Zoll-Touchscreens können die Besucher die Evolution virtuell nachvollziehen. Die Beuth-Hochschule für Technik aus Berlin, genauer Prof. Gudrun Görlitz und ihr Team, haben den technischen Clou im Darwineum konzipiert. Auf einem Bildschirm können die Besucher auf Zeitreise gehen, aus 19 Kurzfilmen auswählen. Auf einem anderen zeigt sich der Kontinentaldrift der vergangenen 600 Millionen Jahre. Zu jeder Zeit vom Kambrium bis ins Quartiär gibt es bildhafte Ausschnitte. Der Weg führt weiter aus der Ausstellungsrotunde hinaus und in die Tropenhalle.

Die Gorillas und Assumbo sind das Erste, was der Besucher sieht, entlang einer Brücke über die Gehege, links und rechts tun sich weitere Gehege anderer Affen auf, die sich in das Bild einfügen, als wären die Tiere in freier Wildbahn. Ananas, Feigen, Maulbeergewächse säumen den Weg, über Brücken, durch Wurzelgewölbe, ausgehöhlte Baumstämme. In einem führt eine Wendeltreppe nach oben, öffnet den Blick über die Halle und seine Bewohner. In einem nächsten Bereich spannt sich ein Wissenskabinett auf, zeigt Werkzeuge der Evolution, vom Faustkeil bis zum Stammzellenlabor. Und dann gibt es plötzlich wieder Zooatmosphäre und damit den Abschluss eines faszinierenden Gangs durch die Zeit: Auf 10 000 Quadratmetern Außengehege können sich die Gorillas und Orang-Utans austoben, sind aber durch einen Wassergraben von den Besuchern getrennt. "Jetzt geht es Schlag auf Schlag", sagt Kurator Frank Fuchs. In 15 Tagen eröffnet das Darwineum.

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