Ringer im Pech : Arm ausgekugelt statt Goldmedaille

Siegfried Jozlowski mit drei seiner elf Medaillen, die er bei  Veteranen-Weltmeisterschaften erkämpfte. 2011 in Tirana holte er ebenso Gold wie 2007 in  Istanbul, Bronze gab es 2009 in  Ankara (von links). Den Pokal erhielt „Scholle“  für den Sieg bei den vom SV Alemannia Nackenheim ausgerichteten German Masters 2003.
Siegfried Jozlowski mit drei seiner elf Medaillen, die er bei Veteranen-Weltmeisterschaften erkämpfte. 2011 in Tirana holte er ebenso Gold wie 2007 in Istanbul, Bronze gab es 2009 in Ankara (von links). Den Pokal erhielt „Scholle“ für den Sieg bei den vom SV Alemannia Nackenheim ausgerichteten German Masters 2003.

Und das ausgerechnet, als ein Fernsehteam Veteranen-Ringer Siegfried „Scholle“ Jozlowski vom SV Warnemünde zur WM begleitete

svz.de von
03. Dezember 2013, 20:29 Uhr

Am Sonntag kommt Siegfried „Scholle“ Jozlowski im Fernsehen. Neben einer 92-jährigen Tischtennisspielerin und einer Rudermannschaft wird der Veteranen-Ringer vom SV Warnemünde ab 23.35 Uhr im NDR in der Sportclub-Reportage – Untertitel: „Racing Rentner“ – porträtiert.

Die Journalistin Katrin Görsch begleitete den 63-Jährigen mit ihrem Filmteam nicht nur an den Strand und in seine Trainingsstätte im Haus des Sportes, vor allem reiste sie mit zur Weltmeisterschaft nach Sarajevo. Zu Jozlowskis zwölftem WM-Start, bei dem er als Titelverteidiger Mitfavorit war. Elfmal holte er eine Medaille – „ausgerechnet diesmal, wo sich sogar das Fernsehen für Ringen interessiert“, nicht.

„An sich eine tragische Angelegenheit“, findet der Diedrichshäger, dass er sich bereits im ersten Kampf der Gewichtsklasse bis 85 kg den linken Arm auskugelte, und berichtet: „Wieder einmal stand ich Dmitry Chlebnikow aus Russland gegenüber. Das ist ein guter Mann, die Kämpfe zwischen uns sind immer eng. Es war meine Schuld, ein taktischer Fehler. Ich habe, in Führung liegend, bei einer Griffausführung etwas riskiert, weil die Möglichkeit da war, dadurch den Kampf zu entscheiden. Aber es tat nicht not, ich hätte das anders gestalten können. Manchmal geben Millimeter den Ausschlag. Ich bin volle Wucht auf den Ellenbogen geknallt, dabei ist das Schultergelenk rausgegangen, und mir wurde schwarz vor Augen. Ich habe gleich gemerkt, dass es zu Ende ist.“ Besonders bitter: Die restlichen Gegner hatten nicht die Qualität, Siegfried Jozlowski – der Chlebnikow 2012 nach Punkten besiegt hatte – wäre mindestens Silber sicher gewesen. Der Russe nutzte im Übrigen das Ausscheiden seines härtesten Widersachers aus und ließ sich den WM-Titel nicht nehmen.

Jozlowski, früheres Mitglied der DDR-Junioren-Nationalmannschaft, begann 1961 als Elfjähriger mit dem Ringen. Bei der damaligen BSG Motor Warnowwerft in Warnemünde sammelte er unter dem langjährigen Abteilungsleiter Klaus Breuer, der am 22. Juni 2013 im Alter von 75 Jahren verstarb, erste Erfahrungen auf der Matte. „Er hat mich gefördert und gefordert. Ich habe sehr viel gelernt bei ihm“, so „Scholle“, wie Siegfried Jozlowski schon seit Kindertagen gerufen wird. Eigentlich „gehörte“ dieser Name seinem älteren Bruder Reinhold. Der war falsch verstanden worden, als er in der Schule seinen Namen sagen sollte, und wurde so zum „Schoslowski“, woraus sich „Scholle“ entwickelte. Eine „Bezeichnung“, die schließlich auch auf Siegfried überging.

Beruflich war der sechsfache Veteranen-Weltmeister als Fremdsprachenkorrespondent tätig (Russisch, Englisch), studierte Außenwirtschaftsökonomie, fiel jedoch wegen seiner politischen Haltung „ein bisschen in Ungnade“, woraufhin er nicht nur Schwierigkeiten bekam, eine Anstellung zu finden, sondern auch schon mit 22 Jahren 1972 seine leistungssportliche Laufbahn beendete. Später war Jozlowski in der Elmenhorster LPG „Am Meer des Friedens“ in der Bau-Abteilung tätig: „Unser größtes Verdienst war, dass wir als kleiner Landwirtschaftsbetrieb diese Riesen-Fruchtsaft-Anlage hochgezogen haben.“ Nach der Wende arbeitete der Vater eines Sohnes (Jörn/37 war in seiner Jugend auch Ringer, ehe er sich dem Kitesurfen verschrieb) als Bauleiter in verschiedenen Betrieben, bevor er 2010 mit 60 in Rente ging.

Ob der nimmermüde Freistil-Spezialist auch 2014 in Belgrad wieder an der WM teilnimmt, kann er noch nicht sagen: „Das werde ich erst ein Vierteljahr vorher entscheiden. Das hängt davon ab, wie sich das bei mir alles entwickelt. Es mit Gewalt zu betreiben, damit man irgendwann einen ordentlichen Ausstieg hat, das muss nicht sein. Die Gesundheit geht vor. Mein körperlicher Zustand müsste schon wieder so sein, dass es Sinn macht.“ Erst mal kommt ohnehin Sarajevo 2013 – der Rückblick am Sonntag im NDR-Fernsehen mit allem, was dazugehört: dem Kampf, der Verletzung, und natürlich hat das Kamerateam Siegfried Jozlowski sogar bis ins Krankenhaus begleitet!

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