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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 03:17 Uhr

Rostock : Archäologen schreiben die Historie neu

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Siedlungsreste von 750 überzeugen deutsche Forscher

von
erstellt am 10.Sep.2016 | 09:00 Uhr

Mit dem September sollen die Ausgrabungen am Primelberg in Dierkow enden. Aufgrund der Qualität der Funde könnte das Forschungsprojekt zu frühmittelalterlichen Seehandelsplätzen aber verlängert werden.

„Die Befunde sind mittlerweile so einzigartig, dass man überlegen muss, ob das nicht weitergeht“, sagt der örtliche Grabungsleiter Dr. Sebastian Messal vom Deutschen Archäologischen Institut. Der Primelberg gehört zu den wenigen Handels- und Marktplätzen an der südlichen Ostseeküste, auf denen im 8. und 9. Jahrhundert wikingische und slawische Gruppen Handel betrieben. Reste dessen, auch Handelsgüter aus Glas, Knochen, Ton sind in der feuchten Niederung überragend gut erhalten. Das erste Mal sei ein parzellenartiges Grundstück mit Gebäude gefunden worden, berichtet Messal. Durch Verfärbungen seien die Grundrisse erkennbar. Auch sind Hölzer von damals entdeckt worden, die unter relativem Luftabschluss sehr gut erhalten blieben, erklärt Stadtarchäologe Ralf Mulsow. Ein Holzhammer ist fast noch funktionsfähig. „Der Primelberg ist eine Fundstelle, die uns schon lange bekannt ist, aber ihr Charakter wird uns gerade erst klar“, sagt Mulsow.

Das Projekt begann 2012, 2013 starteten die Grabungen in Dierkow, Groß Strömkendorf bei Wismar, Ralswiek auf Rügen, Usedom und in Polen. „Dierkow ist der Schwerpunkt geworden, weil es das höchste Potenzial birgt“, so Messal. Er arbeitet vor Ort mit einem 10- bis 15-köpfigen Team, vorwiegend Studenten aus Rostock, Berlin und Hamburg. Beteiligt ist auch das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung. Ob es mit den Ausgrabungen weitergehen könnte, müssten Denkmalbehörden von Land, Stadt und die Institute klären, sagt Messal. Nicht zuletzt wird es um Geld gehen. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

„Die Funde werden Rostocks Geschichte um ganz neue Facetten ergänzen“, so Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Urkundlich wurde Rostock erstmals 1161 erwähnt. Seit 750 markiert der Primelberg den Beginn eines Siedlungszentrums an der Unterwarnow, das sich im 11. und 12. Jahrhundert mit der Fürstenburg auf der Petribleiche fortsetzte und in die mittelalterliche Stadt Rostock überging. Das sei ein weiteres Argument für das Archäologische Landesmuseum in der Ex-Societät, so Methling.

Führungen: 14. September um 13, 14, 15 und 16 Uhr Treff: Weg am Dierkower Damm hinter der Ex-Deponie Richtung Warnow gegenüber der Bushaltestelle Schenkendorfweg


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