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23. November 2017 | 21:40 Uhr

Arbeiter legen alten Brunnen frei

vom

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2013 | 09:43 Uhr

Stadtmitte | Detektivarbeit auf der Baustelle: Ein im Boden versenkter Ziegelbrunnen samt Holzleitungen hält derzeit Stadtarchäologe Ralf Mulsow in Atem. Gefunden haben ihn Bauarbeiter Am Vögenteich, wo aktuell das Wohn- und Geschäftshaus Lifetime entsteht. "Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet", sagt Investor Dr. Oliver Spanehl. Denn eigentlich sei die Fläche bereits Anfang der 1970er bereinigt worden, als die damalige Bebauung abgerissen wurde.

Deshalb hatte das Amt für Kultur und Denkmalpflege auch keine Auflagen für das Projekt erteilt. Zudem habe an dieser Stelle - vor den Mauern der Stadt - im ganzen Mittelalter keine Wohnbebauung existiert, so Mulsow. "Der Brunnen stammt wohl aus der Mitte des 19. Jahrhunderts", sagt er. Damals seien die ersten Häuser in der Schröderstraße entstanden, deren Gärten bis zur heutigen Straße Am Vögenteich reichten. Gewissheit verspricht der Archäologe sich von der Analyse der Holzleitungen durch ein Berliner Labor. Aufgrund von dessen hoher Auslastung kann das allerdings noch mehrere Monate dauern.

Einen ersten Hinweis für eine grobe Zeitbestimmung liefern die Leitungen aber schon selbst. Denn als Rohre haben die Erbauer acht bis zehn Meter lange Stämme aus Fichte verlegt, in die sie zuvor der Länge nach ein Loch gebohrt hatten. Im Mittelalter sei dafür Eiche und nicht die weiche Fichte verwendet worden, so Mulsow. Letztere wurde erst ab dem 18. Jahrhundert in großem Stil aus Skandinavien und dem Baltikum importiert. Und die gebohrten Löcher in den Stämmen seien erst ab dem 16. Jahrhundert üblich gewesen. "Wir können am Holz nachweisen, woher es stammt", so der Archäologe.

In diesem Fall sei der Baum höchstwahrscheinlich in Estland gefällt und dann von den Rostocker Pipenlegern verbaut worden, um die Häuser der Schröderstraße mit Trinkwasser zu versorgen. Dank eines ausgefeilten Systems konnten sogar Höhenunterschiede gemeistert werden. "Diese Rohre wurden kilometerweise verbaut", so Mulsow. Seinem Wissen nach finden sie sich in der gesamten Altstadt.

"Ich finde das sehr spannend", sagt Investor Spanehl. Er hätte am liebsten eine Glasplatte über den Brunnen gelegt - als zusätzliche Attraktion für die Nutzer der Tiefgarage. Allerdings passt die Lage dafür nicht, sodass der Brunnen nun per Stahlplatte versiegelt und unter dem Neubau konserviert wird. Noch in diesem Jahr sollen die 56 Wohnungen sowie die vielen Geschäfte bezogen werden können, so Spanehl.

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