Apotheker legen Arbeit nieder

Setzt auf das offene Gespräch: Apotheker Jelger Westendorf  erklärt seinen Kunden den Hintergrund des Streiks. dabe
Setzt auf das offene Gespräch: Apotheker Jelger Westendorf erklärt seinen Kunden den Hintergrund des Streiks. dabe

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23. November 2012, 07:54 Uhr

Rostock | Pünktlich um 13 Uhr sind gestern in ganz Rostock Apotheken in den Warnstreik getreten. Auch die Mitarbeiter der Linden-Apotheke am Saarplatz haben die Arbeit für zwei Stunden eingestellt, um ein Zeichen gegen die Blockadepolitik der Krankenkassen zu setzen. Doch die Türen blieben in der Rostocker Apotheke offen. Zum einen, um die Notfallversorgung gewährleisten zu können, und zum anderen, um dem Warnstreik Nachdruck zu verleihen: "Wir glauben, dass es wichtig ist, mit den Patienten ins Gespräch zu kommen und ihnen zu erklären, warum wir streiken", sagt Apotheker Jelger Westendorf.

Grund des Warnstreiks ist die Höhe des Kassenabschlags, die im kommenden Jahr weiterhin bei 2,05 Euro liegen soll und vom Honorar der Apotheker abgezogen wird. Eigentlich sollte der Abschlag ab 2013 wieder auf 1,75 Euro je abgegebener Packung sinken, auf das Niveau von 2010. Denn in dem Arzneimittelneuordnungsgesetz wurde das so genannte Sonderopfer nur auf zwei Jahre festgelegt. Der Zeitraum endet demnach am 31. Dezember 2012. Doch nun stellen die Krankenkassen die zeitliche Befristung in Frage und wollen die Apotheken weiter zur Kasse bitten.

Das Kernproblem sei Westendorf zufolge, dass niemand so genau weiß, wie viel Geld die Krankenkassen dadurch eingespart haben. Sicher scheint aber, dass die Kassen Milliardenüberschüsse angesammelt haben. Darum gehen die Apotheker auch davon aus, dass ein erhöhter Kassenabschlag unnötig ist. Schwierig sei es jetzt vor allem, den Kunden und Patienten deutlich zu machen, worum es geht, meint Westendorf. Für den Normalbürger sei es nur schwer zu durchschauen, wie sich die Kosten für die Medikamente aufteilen. Westendorf nahm sich gestern viel Zeit, um mit einigen Kunden zu sprechen und ihnen die Sachlage zu erklären. Die Notfallversorgung sei dabei zu jeder Zeit sichergestellt gewesen. "Wir wollten unsere Kunden nicht für die Politik der Krankenkassen bestrafen", sagt Axel Pudimat, der Vorsitzende des Apothekerverbandes in Mecklenburg-Vorpommern.

Ob der Warnstreik etwas bewirkt, bezweifelt Westendorf jedoch: "Die gesetzlichen Krankenkassen haben zu viel Macht." Trotzdem wolle der 33-Jährige nicht aufgeben. Nun sei besonders der Zusammenhalt der Apotheker wichtig. Sie planen jetzt eine Fax-Aktion, mit der sie den Krankenkassen ihre Position verdeutlichen wollen.

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