Entsorgungswerk in Bargeshagen in der Kritik : Anwohner fürchten giftige Dämpfe

<strong>Noch deutlich zu erkennen</strong> sind die Spuren des letzten Brandes in der Schredderhalle des Bargeshäger Entsorgungsbetriebes EMV.
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Noch deutlich zu erkennen sind die Spuren des letzten Brandes in der Schredderhalle des Bargeshäger Entsorgungsbetriebes EMV.

Eine riesige schwarze Wolke steigt aus dem Dach der Lagerhalle auf und vergrößert sich sekündlich. "Das sieht doch nicht nach einem normalen Feuer aus", sagt Jeanette Reihs-Schnieders.

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07. Juni 2012, 12:09 Uhr

Bargeshagen | Eine riesige schwarze Wolke steigt aus dem Dach der Lagerhalle auf und vergrößert sich sekündlich. "Das sieht doch nicht nach einem normalen Feuer aus", sagt Jeanette Reihs-Schnieders. Die Objektleiterin der Pandino Spielwelt Bargeshagen zeigt ein Video, das ihre Mitarbeiter am 25. Mai beim Feuerwehreinsatz im direkt benachbarten Entsorgungswerk EMV gedreht haben. Laut Firmenangaben war die Selbstentzündung von Druckfarbenabfällen Ursache des Feuers. "Die Feuerwehr war schnell da. Viele Mitglieder und Mitarbeiter von unserem Sportpark haben trotzdem das Gebäude verlassen, weil sie fürchteten, dass die Halle in die Luft fliegt", sagt die Angestellte Sandra Vollmer. Trotz des Vorfalls wird im Bargeshäger Werk weitergearbeitet. "Die Chemisch-Physikalische Behandlungsanlage und das Zwischenlager sind weiter in Betrieb", sagt Jutta Kersting vom Remondis-Konzern, zu dem das Werk gehört. Den letzten Großeinsatz - einen Gasunfall - hatte es bei EMV erst am 15. Februar gegeben. Damals klagten Mitarbeiter im Gewerbegebiet über Atemwegsreizungen.

Nachbarn fürchten eine "tickende Zeitbombe"

"Ich bin seit 1996 hier, und den Recycling-Betrieb gab es schon immer. Aber noch nie war die Geruchsbelästigung so schlimm wie jetzt", sagt Reihs-Schnieders. Manchmal sei es bereits morgens so extrem, dass "die ganze Luftröhre brennt. Und Ostermontag stank es auch wie die Pest." Nicht nur unter den direkten Nachbarn vom EMV macht sich jetzt Besorgnis breit. "Da tickt eine kleine Zeitbombe", sagt Klaus Gollnick. Was den Admannshäger verwundert, "ist das Großaufgebot der Rettungskräfte. Bei einem normalen Brand würde man doch nicht mit mehreren Löschzügen, Krankenwagen und Katastrophenschutz anrücken." Gollnick wünscht sich mehr Transparenz. "Es müsste gesagt werden, was für Stoffe dort verarbeitet werden und mit welchen Sicherheitsvorkehrungen."

Denselben Wunsch teilt Bettina Karl. Seit 16 Jahren wohnt sie mit ihrer Familie in einem Einfamilienhaus in Bargeshagen. "Und seit 2000 beobachten wir schon den Entsorgungsbetrieb", sagt sie. Denn immer mal wieder, wenn sie mit dem Familienhund nahe des Gewerbegebietes ihre Runden dreht, steigt der 48-Jährigen ein beißender Geruch in die Nase. "Oft riecht es nach Farbe und Lack", so Karl. Ihre Wahrnehmungen aus den vergangenen Monaten hat die Bargeshägerin auch in einem Geruchsprotokoll festgehalten. Auch sie hat festgestellt, dass es Ostermontag, "also an einem Feiertag, wieder einmal besonders stark gerochen hat". Dabei stört sich Karl nicht in erster Linie an dem Geruch. "Ich habe einfach Angst davor, was wir hier einatmen, und will wissen, ob das gesundheitsgefährdend ist."

Das verneint Unternehmens-Sprecherin Kersting. Eine Gesundheitsgefahr für die Bürger bestünde nicht, obwohl "am Standort Bargeshagen im Wesentlichen gefährliche Abfälle für die anschließende Verwertung und Beseitigung vorbehandelt werden". Konkretere Angaben zur Art der Stoffe macht sie nicht. Laut Firmen-Webseite handelt es sich aber um "schadstoffhaltige Abfälle jeglicher Art" wie Lösemittel, Spraydosen oder Gaskartuschen.

Um den Bedenken der Anwohner entgegenzutreten, "planen wir derzeit ein Nachbarschaftstreffen, um die Bürger über unsere Arbeit am Standort zu informieren", so Kersting. Laut Bürgermeister Hans-Peter Stuhr ist der öffentliche Termin auf Dienstag, den 26. Juni, 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus angesetzt.

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